Nach Wesel der Kinder wegen

Rees/Wesel..  Es soll bis in die 70er Jahre hinein Reeser gegeben haben, die sich nicht damit abfinden wollten, dass sie das Autokennzeichen WES führen mussten. Als sich Friedrich von Bernuth dafür stark machte, dass der Altkreis Rees Wesel zur Kreisstadt bekam, war an Autos, geschweige denn Kennzeichen noch gar nicht zu denken. Heute wird das 200-jährige Bestehen der Landkreise, insbesondere des Kreises Rees, im Weseler Kreishaus mit einem Festakt um 17 Uhr und einer Ausstellung gewürdigt.

Kleine Kreisstadt

Mit dem Wiener Kongress 1814/15 wurden die Gebiete am Rhein Preußen zugesprochen und erhielten im Jahre 1816 mit der Einrichtung von Regierungsbezirken und Landkreisen eine neue Verwaltungsstruktur. Am 23. April 1816 wurde rechtsrheinisch der Kreis Rees errichtet. Die Stadt Rees galt als ungeeigneter Kreissitz, da sie erheblich kleiner als Emmerich und Wesel war. Wesel hingegen sollte einen eigenen Kreis bilden. Dazu kam es aber erst einmal nicht. So fiel die Wahl auf Rees.

Nun bemühte sich der zweite Reeser Landrat, Friedrich Heinrich von Bernuth, der von 1818 bis 1859 amtierte, erstmals im Jahr 1837, das Landratsamt von Rees nach Wesel zu verlegen. Von Bernuth argumentierte in seinem Antrag an die Regierung mit der Erweiterung des Kreises östlich von Wesel (Schermbeck), mit zahlreichen wichtigen Kreiseinrichtungen (Kreiskasse, Kreisphysikus, Kreischirurg, Wegebauinspektor), die in Wesel und nicht in Rees angesiedelt waren. Besonders aber hatte er die Schulsituation im Auge, die ihm in Rees für die Ausbildung seiner zahlreichen Kinder nicht genügte. Obwohl auch der Kreistag - bis auf Rees - den Antrag unterstütze, lehnte der preußische König ihn ab.

Im Jahre 1841, inzwischen regierte mit Friedrich Wilhelm IV. ein neuer König, wurde dem Antrag endlich stattgegeben. Wesel sollte nur bis zum Ausscheiden von Bernuths aus dem Amt Kreissitz bleiben. Schließlich verfügte der König die Verlegung, die am 1. Dezember 1842 vollzogen wurde. Der Landrat zog am 29. November nach Wesel und nahm zwei Tage später seine Geschäfte auf. Seine Ankunft in Wesel wurde im Intelligenzanzeiger für Wesel und die benachbarten Städte gewürdigt: „Den langersehnten Wunsch unseren vielgeliebten und verehrten Landrath Herrn von Bernuth in unserer Mitte zu haben, ist endlich in Erfüllung gegangen, da derselbe heute sich mit seiner Familie hier häuslich niedergelassen hat...“

Der Landrat zog zur Ritterstraße 5 in Wesel, in das ehemalige Haupthaus des Augustinerklosters, hier war das Landratsamt untergebracht. Seine Kinder, acht Söhne und zwei Töchter, konnten endlich das Gymnasium besuchen. Alle durch die Verlegung des Landratsamtes entstandenen Kosten bezahlte von Bernuth selbst, so ist es in der Publikation „Haldern einst und heute“ 7/1990 nachzulesen.

Sprechstunde im Gasthof

Nach Rees kam der Landrat verordnungsgemäß nur noch einmal im Monat. An jedem ersten Donnerstag im Monat, an dem auch der Kornmarkt stattfand, hielt von Bernuth von 9 bis 12 Uhr Sitzung im Gasthaus Nöthen. Dort konnten die Interessen der Stadt Rees wie auch der umliegenden Ort verhandelt werden.

Nach dem Tode von Bernuths am 7. Februar 1859 wurde erneut über den Kreissitz abgestimmt. Die Entscheidung fiel knapp zugunsten von Wesel aus, so dass die Stadt 1861 als Kreisstadt bestätigt wurde. Die Bezeichnung „Kreis Rees“ blieb bestehen – auch nach einem Versuch im Jahre 1874, ihn in „Kreis Wesel“ umzubenennen. Das gelang erst nach Auflösung des Kreises Rees im Jahr 1975.

Fritz von Bernuth wohnte vor dem Umzug nach Wesel mit seiner Familie in der Gouverneurstraße. Er war es auch, der Haus Aspel, das im Besitz der Familie seiner Frau Johanna van den Broek war, an die Töchter vom Heiligen Kreuz verkaufte. Ob er hier selbst nach dem Tod des Schwiegervaters wohnte, ist nicht eindeutig überliefert.

 
 

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