Mit Power, Gespür und ganz viel Feingefühl

Reeserward.  Auf der „kl(f)einen“ Bühne in Reeserward wurde es mal wieder eng. Gerfried Schell hatte zu einem ganz besonderen Konzert geladen. Drei Musikerinnen standen auf der Bühne. Drei Individualisten, die beschlossen haben, gemeinsam auf Tournee zu gehen. Unter dem Titel „Vom Aufbrechen und Ankommen“ stehen sie abwechselnd allein im Rampenlicht. Und touren so gemeinsam durch Deutschland.

Theresa Dold ist eine Wiederholungstäterin. Sie kennt die Räumlichkeiten und die besondere Atmosphäre der Bühne im Antiquariat Schell schon. Erst im Oktober war sie mit ihrem musikalischen Reisebericht zu Gast. Auch dieses Mal spielt das Thema Sehnsucht und Heimat eine große Rolle, denn alle drei Songwriterinnen sagen von sich, dass sie auf der Suche sind, dass sie sich Gedanken über das weite Feld Heimat machen.

In ihren Texten drücken sie diese Gefühle aus. Agata Paulina ist die erste des Trios, die einen Einblick in ihr Repertoire gibt. Mit dem „Kastanienmann“ beginnt der Abend der Träume und Sehnsüchte. „Es war einer der Songs, die gespürt werden möchte“, erzählt die Künstlerin. Auch ihr zweites Lied, „Windfang“, geht ganz tief rein in die Gedanken. Mit einer Leichtigkeit, gleichzeitig aber eindringlichen Klängen bezaubert sie die vielen Zuhörer.

Dann folgt Emily’s Escape. „Es ist immer schön, auch Publikum sein zu dürfen”, schwärmt sie von den Vorzügen einer gemeinsamen Tournee. Es sind Klänge des Souls, die ihre Stücke ausmachen, die sie am Klavier präsentiert. Sie singt über schwierige Zeiten im Leben, über die Schattenseiten, bei denen man sich nicht hängen lassen darf, sondern immer „so gestalten soll, dass es trotzdem schön ist“.

Auch über die Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, abzuwägen, was richtig ist. Und gleichzeitig festzustellen, dass man es eh nicht wieder rückgängig machen kann.

Bei ihrem letzten Besuch erzählte Dold von ihrer Reise vom Schwarzwald ins Tessin. Dieses Mal lag ihr Schwerpunkt auf ihrer Wahlheimat Hamburg. „Ich fühlte mich wie Strandgut“, erzählt sie. Gestrandet in einer fremden großen Stadt, angezogen vom Wasser und Wind. „Am großen Strom“ lautet ein Lied, das das Publikum in Rees nur zu gut nachvollziehen kann. „Es muss heute gesungen werden“, betont Dold.

Und dann ist der Moment gekommen. Da stehen die drei Musikerinnen, die allesamt mit einer, wenn auch unterschiedlichen Art das Publikum verzaubert haben, gemeinsam auf der Bühne. Mit geballter Power und Feinfühligkeit begleiten sie sich, fühlen ihre Lieder und gehen in ihnen auf. Kraftvoll und harmonisch lassen sie diesen Abend ausklingen. Einen Abend, der noch lange im Ohr bleibt. Mit einem Gefühl von Sehnsucht, aber auch von Erfüllung.

 
 

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