Mit 60 Jahren einen neuen Job gefunden

Die Firma Innenausbau Vergoossen hat  Tischlermeister Klemens Brake mit 60 Jahren eingestellt.
Die Firma Innenausbau Vergoossen hat Tischlermeister Klemens Brake mit 60 Jahren eingestellt.
Foto: WAZ FotoPool
Kurz vor seinem 60. Geburtstag wurde Klemens Brake arbeitslos. Firmenchef Wolfgang Vergoossen stellte den Tischlermeister ein. Er schätzt dessen Erfahrungen im Handwerksberuf.

Mehr..  Klemens Brake ist Zimmerer- und Tischlermeister. Doch mit knapp 60 Jahren wurde er arbeitslos. Nach der Insolvenz des väterlichen Unternehmens, bei dem er angestellt war, und zwei Zeitarbeitsverträgen, musste er sich arbeitslos melden. In diesem Alter einen Job zu bekommen, schien aussichtslos. Klemens Brake wollte nicht aufgeben und schrieb unermüdlich Bewerbungen. Doch nicht nur das: Der Dingdener sprach persönlich bei Betrieben vor und gab seine Bewerbungen ab. „Die Schreinerei in Mehr war mir von Bekannten empfohlen worden, daher stellte ich mich bei Frau Vergoossen vor und gab ihr meine Unterlagen.“ Kurze Zeit später lud ihn Firmenchef Wolfgang Vergoossen ein. Er suchte dringend kompetentes Personal, die Auftragslage war und ist sehr gut.

Klemens Brake hatte im Bauhandwerk gearbeitet, weniger im Möbelbau. Doch Wolfgang Vergoossen erkannte sofort: „Dieser Mann passt zu uns.“ Wenn der Neuling in der Firma auch nicht sofort alle Computer gesteuerten Maschinen bedienen konnte, so eignete er sich schnell mit Hilfe seiner Kollegen das nötige Wissen an. Und der Vorteil seiner neuen Tätigkeit: „Ich kann wetterunabhängig arbeiten.“ In der Werkstatt arbeiten acht Mitarbeiter, davon vier Auszubildende, drei Angestellte arbeiten im Büro. „Wir haben viele junge Leute in unserem Betrieb. Klemens Brake bringt die nötige Ruhe mit. Die Mischung macht es, wir haben ein gutes Arbeitsklima“, freut sich Annette Vergoossen.

Er hält sich fit

„Es macht sehr viel aus, einen Mitarbeiter zu beschäftigen, der Erfahrung mitbringt und den man nicht in allen Dingen anlernen muss. Und das Alter hat mich noch nie abgeschreckt!“, sagt Wolfgang Vergoossen. Klemens Brake unternimmt viel, um fit zu bleiben. „Er ist schneller vom Boden wieder hoch als ich“, lacht der Chef, der nun nicht mehr alleiniger Meister im Betrieb ist.

Klemens Brake bereitet es Freude, an großen Aufträgen mitzuarbeiten. Nicht nur in den Werkstätten in Mehr, sondern auch bei der Montage bei Kunden. Derzeit ist das Unternehmen im Chemiepark Marl beschäftigt, vier Kindergärten in Leverkusen wurden von Vergoossen eingerichtet, ebenso das Fraunhofer Institut und diverse Krankenhäuser. „Gerade richten wir im Sauerland eine große Arztpraxis ein“, erzählt Vergoossen. Der Inneneinrichter kann mittels Computeranimation die Einrichtung inklusive Lampen, Gardinen, Bestuhlung und Fußböden originalgetreu darstellen. „Wenn wir so einen Auftrag erhalten, liefern wir die komplette Innenausstattung.“

Arbeiten bis 65

Brake hatte großes Glück, ist aber immer noch ängstlich. „Bei der letzten Anstellung mit einem Zeitvertrag hatte man mich am letzten Tag abends ins Büro gerufen und mir mitgeteilt, dass mein Vertrag nicht verlängert wird.“ Wolfgang Vergoossen hat versprochen, ihn bis zum 65. Lebensjahr zu beschäftigen. „Und ich bin der erste, der daran interessiert ist, dass das die Auftragslage hergibt“, sagt der Chef und klopft seinem Meister anerkennend auf die Schulter.

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