Meterhohe Wände mitten durch Emmerich

Die Planstrecke durch Emmerich am Rhein
Die Planstrecke durch Emmerich am Rhein
Foto: Miriam Fischer
Die Deutsche Bahn hat die Unterlagen für den Planfeststellungsabschnitt 3.4 Emmerich beim Eisenbahn-Bundesamt eingereicht. Der letzte Abschnitt Elten-Grenze folgt vermutlich noch im Herbst.

Emmerich.  Fast zeitgleich mit der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung in Bonn hat die Bahn die Unterlagen für den 11. Planfeststellungsabschnitt 3.4 (Emmerich) dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zur Prüfung und Genehmigung vorgelegt. „Wir versuchen, den 12. und letzten Abschnitt von Elten bis zur Grenze zwischen Sommer- und Herbstferien beim EBA einzureichen“, ergänzt Bahn-Sprecher Manfred Ziegerath.

Angaben zu den Kosten einzelner Abschnitte macht die DB nicht. Wann mit dem Bau der deutschen Betuwe-Route begonnen wird, ist weiter offen. „Wir hängen da von den Planfeststellungsverfahren ab“, so Ziegerath. „Vielleicht kriegen wir zum Jahresende noch einen Erörterungstermin hin, so dass 2014 der erste Planfeststellungsbeschluss vorliegt. Das wird dann aber Oberhausen sein.“ Dann könnte dieses Teilstück europaweit ausgeschrieben werden. Positiv für die Anwohner: Vor dem Streckenausbau werden die neuen Brückenbauwerke errichtet.

Widerstand in Hüthum

Der Planfeststellungsabschnitt 3.4 ist 7,3 Kilometer lang. Er beginnt hinter dem Bahnübergang Schwarzer Weg, verläuft mitten durchs Stadtgebiet und endet am Bahnübergang Felix-Lensing-Straße, der wegfallen soll. Dafür soll ein neuer Seitenweg den Verkehr an die neue Unterführung Eltener Straße anbinden. Dieser Plan stößt in Hüthum, wie berichtet, auf Widerstand. Das B 8-Bauwerk selbst ist erst im Abschnitt 3.5 Verfahrensgegenstand.

Auf dem ganzen Teilstück ist aktiver Lärmschutz nötig. Die Alu-Schallschutzwände sind zwischen zwei und fünf Metern hoch und zur Bahnseite hin schallabsorbierend ausgebildet. Für rund 1300 Wohneinheiten, bei denen trotzdem noch die Schallpegel überschritten werden, ist zusätzlich passiver Lärmschutz vorgesehen, etwa durch den Einbau von Schallschutzfenstern. Erschütterungsschutz: Besohlte Betonschwellen mit elastischer Kunststoffbeschichtung verringern auf rund 15,5 Kilometern Länge auf drei Gleisen die Weiterleitung von Schwingungen in das Schotterbett.

Das neue dritte Gleis verläuft aus Richtung Vrasselt kommend bis zum Bahnhof nordwestlich der heutigen Gleise. Hinter dem Bahnhof wechselt das Gleis die Seite und verläuft dann bis zum Ende des Abschnitts südöstlich der heutigen Gleise. Im Bahnhof müssen die Anschlussgleise der Hafenbahn auf 500 Metern neu verlegt werden.

Fünf Bahnübergänge möchte die Bahn im Abschnitt 3.4 aufheben und durch drei neue Eisenbahn-Überführungen (EÜ) plus eine EÜ für Fußgänger/Fietser ersetzen. Der Übergang Jahnstraße wird ersatzlos gestrichen; hier muss man künftig über die Weseler Straße fahren.

Am Löwentor sind gleich zwei Bauwerke geplant. Für den motorisierten Verkehr eine EÜ mit einer Höhe von 4,5 Metern und einer Weite von 8,5 m. Die EÜ kreuzt die Gleise ca. 100 m vor dem heutigen Bahnübergang (Blickrichtung Niederlande). Für Fußgänger und Radler entsteht am heutigen Bahnübergang Löwentor eine neue EÜ mit einer Höhe von 2,5 m und einer Weite von 6 m. Die EÜ unterquert neben den Bahngleisen auch noch die parallel verlaufende B 8 (Ostwall) und wird barrierefrei mit Rampen ausgestattet. Der Fußgängertunnel, der oft Anlass für Kritik bot, verschwindet.

Künftig nur noch für den Pkw-Verkehr geeignet sind die EÜ an der ‘s-Heerenberger Straße und am Borgheeser Weg. Beide Bauwerke sind 3,25 m hoch und haben eine unterschiedliche Weite von 13 bzw. 10,4 m und einen beidseitig kombinierten Fuß-Radweg bzw. einen einseitigen Geh- und Radweg.

Gestern wurde in Bonn die Finanzierungsvereinbarung für die Betuwe unterzeichnet. „Das ist eine sehr erfreuliche Nachricht“, so Emmerichs Bürgermeister Johannes Diks. Er habe nie daran gezweifelt und denkt weiter. Die Stadt sei bei dem 1,5 Mrd-Euro-Deal aus dem Schneider, aber vielleicht kämen Kosten für Anschlussstellen oder eine Sonderlösung Hüthum auf die Stadt zu.


„Jetzt haben wir was Schriftliches, atmet der Reeser Bürgermeister Christoph Gerwers auf. Damit seien die hin und wieder geäußerten Zweifel vom Tisch. Gerwers stellt die „herausragende Rolle“ von Kanzleramtschef Pofalla heraus: „Er war die treibende Kraft. Er hat die Parteien zusammengebracht.“

 
 

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