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Manolo und ein letztes Rasenstück vom Bökelberg

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Foto: WAZ FotoPool
Christoph Buckstegen hat am 22. Mai 2004 den finalen Spieltag auf dem Bökelberg fotografiert. Ein Erinnerungs-Buch, nicht nur für Fans von Borussia Mönchengladbach.

Haldern. 

Am 22. Mai 2004 ging das letzte Bundesligaspiel auf dem legendären Bökelberg über die Bühne. Die Borussia besiegte den TSV 1860 München mit 3:1. Das letzte Tor in der Kultstätte erzielte Arie van Lent. Und just in diesem Moment drückte Christoph Buckstegen auf den Auslöser seiner analogen Kamera. Der Ball beulte das Netz aus. Ein Treffer für van Lent und Buckstegen.

Es ist die Kunst, die Einzigartigkeit eines Tages zu erkennen, die Atmosphäre aufzuspüren und sie fotografisch einzufangen. Nach fast zehn Jahren im Archiv ist jetzt der Tag gekommen für „Letzter Spieltag Bökelberg“ . Der Bildband von Christoph Buckstegen über das Stadion-Finale in Mönchengladbach ist im Verlag Spielmacher, Schöne Fußballbücher, erschienen.

Die steilsten Stehränge

Es sind nicht die typischen Fußballmomente oder -szenen, die das Buch ausmachen. So zeigt schon der Einband des Buches – vom Balkon des Einfamilienhauses schaut man auf die Flutlichtmasten des Stadions – eindrucksvoll, was diese Sportstätte, die sicherlich nie zu den schönsten gezählt hat, ausmachte: Es stand inmitten einer Wohnsiedlung. Die Menschen waren ganz nah dran. Das Buch soll Erinnerungen wecken, an Menschen, an Örtlichkeiten, an Situationen, an die letzten starken Momente. Und so beginnt der Bildband mit dem Foto vom Ausgangs-Schild und endet mit dem Eingang zum Bökelberg. Hier hat der Mythos von der Fohlen-Elf seinen Ursprung, hier gab es die wohl steilsten Stehplatzränge.

Christoph Buckstegen stammt aus Isselburg und war als Kind schon fußballbegeistert. „Günter Netzer war mein großes Vorbild!“ Um so schöner, dass in seinem Buch Stefan Hermanns, Sportredakteur in Berlin und Autor des Buches ‘Gladbachs Giganten’, ein Vorwort und ein Interview mit Netzer beisteuerte. Noch einen tollen Beitrag gibt es: Christof Siemes aus Rheydt-Venn, Kulturredakteur und Romanautor des „Wunders von Bern“ schrieb seine persönliche Bökelberg-Erinnerung nieder.

Viele Preise eingeheimst

Der heute 49-jährige Buckstegen hat Foto- und Filmdesign studiert und für seine mehrfach ausgezeichnete Diplomarbeit zum Thema Fußball viele Preise eingeheimst. Beim Fußballmagazin „11 Freunde“ gehört er zu den Fotografen der ersten Stunde. Seine Fotos sieht man inzwischen in Zeitungen und Magazinen, sogar in der New York Times. Und natürlich auch beim Haldern Pop-Festival, denn er wohnt wieder in Haldern.

Immer schon ging es ihm bei seinen Fußball-Fotografien weniger um Action, sondern um das Drumherum. Im neuen Buch ist es der Fan, der heimlich unter den Zaun greift, um ein Stück Rasen zu klauen. „Netzer sagt, dass der am Bökelberg besonders gut gewesen sein soll“, erzählt Buckstegen. Oder man sieht Manolo, den Trommler vom Bökelberg, von schwerer Krankheit gezeichnet, in der Nordkurve. Die leere Parkplatzmarkierung für „Schiri und Arzt“ oder, Buckstegens Lieblingsbild, wie sich Torwart Jörg Stiel nach dem Spiel einem Fan zuwendet.

Ein Bild entstand vor drei Monaten. Der Blick von der ehemaligen Südtribüne auf den Bökelberg – mit neuen Einfamilienhäusern.