Kreuzweg in Emmerich wird besser präsentiert

zur Freude der beiden engagierten Frauen.Kreuzweg und Fastentuch vor dem Großen Kreuz, Mittwoch , 9.3.2016 Foto: Konrad Flintrop / FUNKE Foto Services
zur Freude der beiden engagierten Frauen.Kreuzweg und Fastentuch vor dem Großen Kreuz, Mittwoch , 9.3.2016 Foto: Konrad Flintrop / FUNKE Foto Services
Foto: FUNKE Foto Services
Die 14 von Prof. Fred Thieler gestalteten Stationen in der Heilig-Geist-Kirche fristeten bislang eher ein stiefmütterliches Dasein. Jetzt sind die Szenen angestrahlt und bekommen noch erläuternde Texte.

Leegmeer.  Die 1966 geweihte Heilig-Geist-Kirche wird meist mit dem Schrottkreuz in Verbindung gebracht. Doch die Wände und der Kreuzweg, beides von Prof. Fred Thieler, sind genau so bedeutend, einzigartig und herausfordernd.

Während die in Blautönen schwelgenden, großflächigen Tapeten gleich ins Auge springen, fristet der in einer kleinen, dunklen Kapelle versteckte Kreuzweg bislang eher ein Schattendasein. Unverdient.

Erschwert wird das „Lesen“ der aus Stoffen collagierten Bilder noch dadurch, dass es keine Nummerierung der 14 Stationen gibt und keine näheren Informationen, so dass viele Besucher eher ratlos vor dem künstlerisch wertvollen Kreuzweg stehen und auch nicht so recht wissen, wo sie anfangen und aufhören sollen.

Strahler installiert

So ungefähr ist es auch Christiane Emam und Gabriele Debiel ergangen, als sie den Stoffkreuzweg zum ersten Mal betrachteten. Beide Frauen fühlen sich mit der Heilig-Geist-Kirche besonders verbunden, haben dort 1977 bzw. 1989 geheiratet. Auch sie fanden die Präsentation des Kreuzweges immer schon dürftig.

Nachdem jetzt aber das Innere der Kapelle fachgerecht neu gestaltet und geordnet worden ist, kann auch gut sichtbar eine Tafel mit textlichen Erläuterungen zum Kreuzweg angebracht werden und die Stationen von I (Jesus wird zum Tode verurteilt) bis XIV (Der hl. Leichnam wird ins Grab gelegt) nummeriert werden. Auch reflektieren die Glasscheiben nicht mehr so unschön, seit Strahler installiert wurden, die punktgenau auf die einzelnen Kreuzwegszenen gerichtet sind.

Lambert Brimmers, der erste Pfarrer von Heilig-Geist, hat seine Empfindungen einmal beschrieben, als er die Bilder 1966 zum ersten Mal sah: „Die erste Reaktion bei mir waren Magenschmerzen. Ich betrachtete die Bilder ja nicht privat, sondern zugleich mit den Augen der Gemeinde. Klar war, dass ein Großteil der Betrachter mit einer szenischen, lesbaren Darstellung rechnete.“ Nein, das war dieser Kreuzweg nicht.

Aber die einzelnen Bilder blieben einstweilen in Emmerich. Brimmers bewahrte im Wohnzimmer seiner Etagenwohnung Station 5 auf. Das Fragezeichen blieb. Bis er eines Tages abgehetzt heimkam und sich tief atmend vor das Rätselbild stellte: „Da wurde mir schlagartig klar. Das Bild heißt nicht ,Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen’. Es heißt: Aufatmen, was ich ja im Augenblick tat: befreiend durchatmen.“ Er hatte ganz für sich den Schlüssel zum Verständnis gefunden: Die Bilder geben Stimmungen wieder, die man hat und aufnimmt.

Christiane Emam findet den Kirchbau immer noch interessant, weltoffen und mutig für damalige Verhältnisse: „Emmerich würde so etwas heute nicht mehr genehmigen. Das provoziert zu sehr.“

 
 

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