Klimaschutz im Klärbecken

Wolfgang Remy
Klärwerk Kalkar, Betriebsleiter Heinz Arntz und Dipl. Ing. Edith Wessels.
Klärwerk Kalkar, Betriebsleiter Heinz Arntz und Dipl. Ing. Edith Wessels.
Foto: NRZ
Das Abwasserwerk in Kalkar arbeitet in Sachen Umweltschutz vorbildlich.Bis 2020 wird die Eigenstrom-Versorgung deutlich steigen

Kalkar-Hönnepel.  Eigentlich hätte die Kläranlage schon lange eine Umwelt-Auszeichnung verdient. Denn Werte wie diese lassen aufhorchen: Seit 2013 konnte der Stromverbrauch um sieben Prozent gesenkt werden. Und die Eigenstrom-Versorgung betrug Ende 2014 rund 113 Prozent. „Bis 2020 werden wir diesen Wert noch einmal um 20 Prozent erhöhen“, kündigt Betriebsleiter Heinz Arntz jetzt im NRZ-Gespräch an.

Die 1982 erbaute Kläranlage, angelegt auf 75 000 sogenannte Einwohner-Gleichwerte, dürfte auch aus weiteren Umwelt-Gesichtspunkten mustergültig sein.

24 000 Kubikmeter Klärschlamm

Beispielsweise mit Blick auf den anfallenden Klärschlamm. 24.000 Kubikmeter sind das jährlich, die entsorgt werden wollen. Während in NRW allen anderen Klärwerk-Betreiber den Schlamm aus den Becken auf Äcker und Felder oder in Verbrennungsanlagen befördern, landet er in Kalkar-Hönnepel in der eigenen Vererdungsanlage.

„Dadurch entziehen wir dem Schlamm zu 90 Prozent das Wasser“, erklärt Arntz das Verfahren. In den sieben Becken stehen dafür Schilfpflanzen, die die Aufgabe übernehmen. Ohne die Pflanzen müsste das Wasser wie anderenorts mechanisch getrocknet werden. Dieses Verfahren kostet Energie und dementsprechend Geld.

Der Schlamm wird übrigens alle zwei Jahre abgefahren. Nach erfolgter Ausschreibung wird er in Kürze nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern transportiert.

Rund vier Millionen Euro, so Arntz, habe der Abwasserbehandlungsverband Kalkar-Rees in den vergangenen fünf Jahren in die Modernisierung, sprich Energie-Effizienz, gesteckt. Im kommenden Jahr soll etwa eine neue Gebläsestation in Betrieb gehen, mit der in den Klärbecken Sauerstoff produziert wird, damit die Bakterien ihre Arbeit tun können. Danach werden noch neue Rührwerke installiert. Arntz: „Hier geht's um kleinere Investitionen, aber mit großer Energieeinspar-Wirkung.“

Reduziert hat sich – zugegebenerweise besonders durch den Wegfall von Großeinleitern wie Friesland Deutschland – die Schmutzfracht, die ins Klärwerk eingeleitet wird. „Dadurch können Kalkar und Rees bei der Abwasser-Abgabe jeweils zirka 5 000 Euro sparen“, so Arntz.

Trotz des Anschlusses der Xantener Ortsteile Vynen und Marienbaum ans Klärwerk Mitte nächsten Jahres, der etwa 5000 Einwohnergleichwerten entspricht, habe die Anlage noch genügend Kapazitäten, um eventuell neue gewerbliche Einleiter bedienen zu können.

Energie aus regenerativen Quellen

Besonders zufrieden sein darf man damit, dass bis zu 85 Prozent der benötigten elektrischen Energie aus regenerativen Quellen stammen – der „hauseigenen“ Windanlage, die möglicherweise absehbar modernisiert wird. Und mit dem eigenen Blockheizkraftwerk wird in der Kläranlage anfallendes Faulgas zur Stromerzeugung eingesetzt. „Zudem nutzen wir das Abfall-Produkt Wärme, um so unser Gebäude zu heizen“, sagt der 55-Jährige. Und ergänzt zufrieden lächelnd: „Dass wir externes Gas nutzen, kommt eigentlich nur dann vor, wenn die Kläranlage wegen einer Revision, sprich einer Überprüfung, herunter gefahren wird.“ Sprich so gut wie nie.