Kein Fahrer ging in die Falle

Elisabeth Hanf
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Millingen.  Selbst Schulkinder mit einer Polizeimütze auf dem Kopf können Autofahrer einen gehörigen Schrecken einjagen. Das mussten gestern zahlreiche Fahrer zugeben, die auf der Hurler Straße fuhren. Fünf Kinder und drei Polizeibeamte hatten sich nämlich an der Ecke Hofacker in Stellung gebracht, um beim sogenannten Blitzmarathon die Autofahrer zu erwischen, die glatt vergessen hatten, dass man in einer geschlossenen Ortschaft nur Tempo 50 fahren darf. Vor zwei Wochen hatte Polizeihauptkommissar Heinz Vetter die Grundschule besucht, um Messpaten zu gewinnen. Emily, Nicolas, Lisa, Andrew und Alessandro aus der 4b der Millinger Grundschule hatten sich gemeldet und die Polizeibeamten belehrt, dass besonders auf der Hurler Straße viel zu schnell gefahren wird.

Davon sollten sie sich gemeinsam mit ihrer Schulleiterin Britta Koltermann gestern überzeugen. Und da sie alle gerade erst ihre Fahrradprüfung erfolgreich bestanden haben, waren sie echte Experten an der Geschwindigkeitspistole. Heinz Vetter und seine Kollegen, Anette Joeken und Dietmar Neger, wiesen die Schüler in die Kunst der Geschwindigkeitsmessung ein. Auch wenn es Blitzmarathon heißt, hier wurde nicht geblitzt, sondern per Lasermessung die Geschwindigkeit ermittelt. Dazu muss die auf einem Stativ befestigte Kamera den Fokus, einen roten Punkt, auf das Nummernschild richten. Und schon zeigt das Display die gefahrene Geschwindigkeit an. „Hier fährt ja niemand zu schnell“, mussten die Schüler nach der ersten Stunde fast enttäuscht feststellen. „Ihre Messung ist natürlich rechtlich nicht verwertbar“, erklärte Dietmar Neger. Dazu bedarf es nämlich einer besonderen Ausbildung am Gerät.

Was auch die Schüler verwunderte: Nicht immer, wenn sie dachten: „Jetzt haben wir ihn! Der war zu schnell!“ zeigte das Display Zahlen über 50 km/h an. „Die persönliche Empfindung ist sehr unterschiedlich“, weiß Vetter von Raser-Stellen, die der Behörde von Bürgern gemeldet wurden, die aber bei Messungen keine Auffälligkeiten zeigten.

Die Kinder wissen jetzt zum Beispiel, dass Autofahrer, die statt 50 mit 70 km/h unterwegs sind, 35 Euro bezahlen müssen, fahren sie mit 74 km/h gibt es auch Punkte. „Meine Mutter fuhr gerade hier vorbei. Aber nicht zu schnell!“, berichtete Andrew stolz. „Aber kein Wunder, sie hat gerade erst den Führerschein bestanden. Die kennt sich aus.“

In der Schule wird das Thema natürlich im Verkehrsunterricht aufgegriffen. Und für Nachwuchs ist auch gesorgt. Gleich zwei Schüler wollen bei der Polizei anfangen, nur einer wird lieber Millionär.