Jetzt erst recht!

Uta Schürholz ist die Inhaberin der Apotheke in  Millingen, die seit 40 Jahren besteht.
Uta Schürholz ist die Inhaberin der Apotheke in Millingen, die seit 40 Jahren besteht.
Foto: WAZ FotoPool
Die Millinger Apotheke besteht seit 40 Jahren. Uta Schürholz möchte deren Existenz auch in den kommenden 20 Jahren sichern. Sie will gegen die Betuwe kämpfen

Millingen..  Seit 40 Jahren gibt es die Apotheke in Millingen. Doch sie hat an diesem Standort bessere Zeiten erlebt, als noch niemand die drohende Gefahr sah, die von der Betuwe ausgeht. Doch Bangemachen gilt nicht, auch nicht für Uta Schürholz, die seit Mitte 2009 Inhaberin der Apotheke an der Hauptstraße ist. „Jetzt erst recht!“, sagt sie und startet mit neuen Ideen durch, um auch in den kommenden 20 Jahren gewährleisten zu können, dass dem Ort die pharmakologische Versorgung erhalten bleibt.

Uta Schürholz stammt aus Essen und hat nach dem Abitur eine klassische Ausbildung zur Fotografin absolviert. Und nach ihrer Gesellenprüfung als Industriefotografin gearbeitet. „Mein Großvater hatte eine Apotheke und in der Verwandtschaft hatten alle irgendetwas mit Pharmazie zu tun, so dass mir auch irgendwann meine Eltern die Pistole auf die Brust hielten.“ Am letzten Abgabetag bewarb sie sich um ein Pharmaziestudium bei der ZVS und erhielt prompt einen Studienplatz in Bonn. In der Regelstudienzeit absolvierte sie erfolgreich ihr Studium, jobbte nebenher in der Galerie Kaufhof in Bonn und bei einem Pharmazie-Großhandel. Nach mehreren Stationen wurde ihr schließlich die Filialleitung eines Apothekenverbundes in Thüringen angeboten. „Es war ganz ländlich, aber die Apotheke war mit Hightech pur ausgestattet“, erinnert sich die Apothekerin. Schon als Kind spielte sie gerne in der Apotheke ihres Großvaters mit all den vielen Schubladen mit lateinischen Beschriftungen. Und so war es für sie eine Rückkehr in die Heimat, als sie von der freien Stelle in einer klassischen Apotheke in Millingen erfuhr. Vor neun Jahren stellte sie Inhaber Dr. Gerald Kaliwoda hier ein.

Von Anfang an war Uta Schürholz von der Freundlichkeit der Kunden begeistert: „Sie waren nicht so fordernd wie die Bonner, sondern sie wertschätzen, dass sie vor Ort eine Apotheke haben. Ich fühlte mich sofort angenommen.“ Auch nachdem sie zum 1. August 2009 die Apotheke übernahm.

Jetzt allerdings macht sie sich Sorgen, denn wenn die Unterführung so, wie geplant, kommt, wird ihre Apotheke an einer Baustellenstraße liegen. „Noch nicht einmal ein Wendehammer ist geplant!“, moniert sie und sieht jetzt schon, dass viele Kunden östlich der Bahn sich gen Anholt orientieren.

Dagegen gilt es mit erweiterten Dienstleistungen anzugehen. „Und da sollten alle im Ort zusammenarbeiten.“ So könne man beispielsweise einen Bringedienst organisieren. Auch will die Apothekerin vermehrt auf Fort- und Weiterbildung setzen und medizinische Vorträge für ihre Kunden anbieten. „Wir möchten alle, dass die bestehende Infrastruktur in Millingen erhalten bleibt, sonst geht es uns eines Tages so wie den Empelern und Bienenern.“ Sie selbst fühlt sich richtig wohl im Ort, liebt die Nähe zum Rhein und zur Natur und hat sich, als sie nach Millingen kam, erstmals ein Fahrrad angeschafft.

Bislang war sie die einzig Approbierte in der Apotheke. „Ich musste sechs Tage in der Woche vor Ort sein. Das geht über die Jahre an die Substanz.“ Seit drei Monaten ergänzt eine weitere Apothekerin das achtköpfige Team. Mit der neu geschaffenen Freiheit will Uta Schürholz nun der Betuwe den Kampf ansagen. Auch juristisch. Und gerne mit vielen weiteren Mitstreitern.

 

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