In Emmerich dreht sich alles um Schokolade

Norbert Kohnen
Volles Haus: Das Thema Schokolade und Lohmann lockte annähernd 200 Besucher ins PAN.
Volles Haus: Das Thema Schokolade und Lohmann lockte annähernd 200 Besucher ins PAN.
Foto: WAZ FotoPool
Im PAN wurde die Ausstellung „Bittersüß“ eröffnet. Rund 200 Besucher. Eine Reise durch die Geschichte der Kakaofrucht, ihrer Verarbeitung und der Lohmann-Firmenhistorie.

Emmerich.  Die Schwestern Anneliese Heering und Gertrud Tenhaef stehen vor einem großen Schwarzweiß-Foto und sehen sich die schuftende Belegschaft im Lohmannschen Massensaal an, wo bei großer Hitze die Schokoladenmasse hergestellt wurde. „Das ist doch Ilse van Aaken!“ sagt Anneliese zu ihrer Schwester. Die Eröffnung der Ausstellung „Bittersüß - Schokoladen-Geschichte(n) aus Emmerich und aller Welt“ geriet so ganz nebenbei auch zu einem Wiedersehenstreffen der alten Lohmann-Familie.

Dre alte Trinkbecher der Mayas

Auch Fritz Kosinsky war gekommen, der einst für 1,17 Mark Stundenlohn im Labor arbeitete, oder Heinz Jenster, der als Lehrling bei Lohmann anfing und später zur Kankenhaus-Verwaltung wechselte.

Der Ansturm auf die informativ wie amüsanten Exponate, darunter als kostbare Leihgaben des Kultur- und Stadthistorischen Museums Duisburg drei Kakao-Trinkbecher aus der Maya-Zeit, war gewaltig. Die Veranstaltung begann deshalb mit 15-minütiger Verspätung. Annähernd 200 Besucher tummelten sich schließlich im PAN, das zum zehnjährigen Jubiläum zu seinen Wurzeln zurückkehrte - zu Lohmann.

Daran erinnerte Irene Möllenbeck, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung: „Dieses Haus wurde auf Schokolade gebaut! Deshalb war es naheliegend, eine Ausstellung zum Thema Schokolade zu organisieren.“

Der im Juli 2003 eingeweihte, umgebaute PAN-Riegel gehörte zur 1852 gegründeten Lohmannfabrik, wo bis 1970 Schokoladentafeln und Pralinen vom Band gingen. Möllenbeck lud die Besucher ein, sich auf die Reise durch die Historie der Schokolade zu begeben. Erzählt wird aber auch ein Stück Firmen- und Heimatgeschichte.

Zwei Kuriositäten am Rande: Ausgerechnet von Lohmann konnten die findigen Ausstellungsmacher nur ein Plakat auftreiben: ein rosafarbenes Werbeplakat für die runden Schachteln mit Mandelpralinen. Zweite Kuriosität: Julius Gipkens, der Schöpfer des berühmten Sarotti-Mohren, wurde 1883 in Hannover geboren, bestand aber darauf, in Emmerich das Licht der Welt erblickt zu haben. Irene Möllenbeck: „Wir sind die Lieblings-Geburtsstadt von Gipkens!“

Bürgermeister Johannes Diks dankte insbesondere Irene Möllenbeck und Gabriele Krafft für die „gelungene Ausstellung“, die sie an Wochenenden in ihrer Freizeit vorbereitet hätten und erinnerte and den „langen und steinigen Weg“ bis zur Realisierung von PAN.

Für René Grohnert, Direktor des Deutschen Plakatmuseums Essen, sind die Plakate „Dokumente der Zeitgeschichte“. An den Plakaten könne man die Ideale von damals ablesen, wie sich Menschen bewegt und gekleidet hätten. Nach seinem kurzen Statement lieferte er noch ein Bonmot: „Rettet die Erde, denn sie ist der einzige Planet, wo es Schokolade gibt!“ Die gab’s zur Eröffnung reichlich: Irene Möllenbeck etwa verteilte an die Jüngsten die legendäre Ma-Mi-Nu von Lohmann, die längst in Sachsen hergestellt wird.

Anneliese Heering erinnert sich noch genau: „Ich habe für 75 Pfennig die Stunde gearbeitet.“ Was aber nicht als später Vorwurf an den Arbeitgeber von einst zu verstehen ist: „Wir waren nach dem Krieg alle froh, dass wir wieder Arbeit hatten!“ Zeitweise standen bei Lohmann bis zu 1200 Beschäftigte in Lohn und Brot.

Das Reservoir an Arbeitskräften reichte in Emmerich nicht aus. Und so wurde mit Bussen das Personal, zumeist Frauen, sogar aus dem Kreis Dinslaken nach Emmerich rangekarrt. Vor allem vor Feiertagen wie Ostern und Weihnachten, wenn die Saisonartikel produziert werden mussten, wurden besonders viele Arbeitskräfte benötigt und vorübergehend angestellt

Das alles ist lange her. Geblieben ist eine Anhänglichkeit an eine alte Firma mitten in der Stadt: Die Lohmann-Legende lebt!

Die Ausstellung „Bittersüß - Schokoladen-Geschichte(n) aus Emmerich und aller Welt“ läuft noch bis zum 22. Juni 2014 im PAN Kunstforum Niederrhein, Agnetenstraße 2, in Emmerich. Die Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 11 bis 16 Uhr, Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, Kinder bis 14 Jahren frei. Weitere Infos: www.pan-forum.de

Parallel zu der Ausstellung läuft ab 25. März jeden Dienstag von 15 bis 16.30 Uhr im PAN ein Begleitprojekt für Kinder von 6 bis 14 Jahren, das von der AWo (IZIF) betreut wird. Da dreht sich alles um die leckere Schokolade. Jedes Kind erstellt eine Mappe, worin es sein frisch erworbenes Wissen über Schokolade sammelt.