Immer mehr Trickbetrüger in Emmerich und Rees unterwegs

Die Täter fragen auch aus dem Auto heraus nach dem Weg, um ihren Opfern später Geld und Schmuck zu stehlen.
Die Täter fragen auch aus dem Auto heraus nach dem Weg, um ihren Opfern später Geld und Schmuck zu stehlen.
Foto: WAZ FotoPool
Täter fragen nach dem Weg, wollen angeblich aus Dankbarkeit billigen Modeschmuck verschenken und stehlen den echten Schmuck ihrer ahnungslosen Opfer. Diese und andere Betrugsmaschen kommen in der Region immer öfter zum Einsatz. Die Polizei gibt Tipps, wie man sich schützen kann.

Rees/Emmerich.. Sie ahnen nichts Böses, erklären hilfsbereit den Weg zum Krankenhaus und werden dann Opfer eines Trickdiebstahls. Die Fälle häufen sich – auch in Rees und Emmerich. Betroffen sind besonders ältere Menschen. Unbekannte sprechen sie an, fragen nach dem Weg und klauen den gutgläubigen Opfern während einer Umarmung – angeblich aus Dank – Schmuck und Bargeld.

Wie kann man sich schützen? „Das Wichtigste ist, die Distanz zu wahren“, sagt Manfred Jakobi, Pressesprecher der zuständigen Polizeibehörde in Kleve. „Wer bedankt sich so überschwänglich, nur weil ihm jemand den Weg erklärt hat?“, fragt er und rät zu gesunder Skepsis. Ein lautes, auch von anderen Passanten hörbares „Bitte halten Sie Abstand!“ könnte mögliche Diebe abschrecken.

Vom Trickdiebstahl zum Raub

Oft legen die Täter ihren Opfern sogar Schmuck um – auch dies angeblich aus Dankbarkeit. Doch beim Anlegen der wertlosen Ketten oder Armbänder klauen die Täter den echten Schmuck ihrer Opfer. „Im schlimmsten Fall wird der Trickdiebstahl sogar zum Raub“, warnt Manfred Jakobi. So geschehen einer 60-jährigen Emmericherin, als sie Am Löwentor Unbekannte aus einem Auto heraus ansprachen und nach dem Weg zum Krankenhaus fragten. Sie gab eine kurze Wegbeschreibung und fuhr weiter.

Doch an der Wassenbergstraße hielt das Auto erneut. Der Fahrer stieg aus und fragte mit einer Straßenkarte in der Hand erneut nach dem Weg. Dann stiegen zwei Frauen aus dem Auto und versuchten, der Frau Halsketten und Armbänder anzulegen. Weil sich eine Passantin dem Geschehen näherte, ließ die Gruppe von der 60-Jährigen zwar ab, versuchte aber noch, ihr die Halskette zu entreißen. Dies passiere, wenn die Täter gestört würden, sagt Manfred Jakobi. „Ein Raub ist erst einmal nicht die Absicht der Täter. Sie fordern nicht, sondern stehlen.“

Wenn man sich bedrängt fühle, solle man andere Menschen hinzuziehen, rät der Experte. Dass Passanten Diebe in die Flucht schlagen können, zeigt ein Fall aus Kempen. Unbekannte bedrängten dort eine 94-Jährige. Eine junge Frau erkannte die Situation, schrie die Täter an, die daraufhin flüchteten.

Diebstahl am Geldautomaten

Eine weitere Masche sei weiterhin das Ablenkungsmanöver am Geldautomaten, warnt Jakobi. Mit einem Gegenstand – sei es eine gefälschte Spendenliste oder eine Stadtkarte – verdecken die Täter das Display des Geldautomaten, und zwar, nachdem die Kunden ihre Geheimzahl eingegeben haben. Dann geben sie einen Betrag über die Tastatur ein und stehlen das Bargeld. Auch hier gilt: „Die Distanz muss gewahrt bleiben“, rät Jakobi. Sollten verdächtige Personen in der Nähe sein, sollten die Bankkunden den Vorgang sofort abbrechen.

Die Maschen der Betrüger könnten natürlich immer variieren, warnt Jakobi. So wie die mit den gefälschten Spendenlisten. Denn Diebe haben es nicht unbedingt darauf angelegt, das unter falschem Vorwand gesammelte Geld in die eigene Tasche zu stecken. Die Spendenlisten werden oft zur Ablenkung genutzt, um unbemerkt Schmuck oder Geldbörse zu klauen. Wichtig: Wertvolle Gegenstände sollten nah am Körper getragen werden, so Jakobi. „Echte“ Spendensammler erkenne man übrigens oft daran, dass sie meist an einem festen Punkt stehen, Betrüger seien dagegen immer in Bewegung. Und noch ein Experten-Tipp: „Man sollte immer etwas Bargeld in der Hosentasche haben.“ Damit man bei kleineren Einkäufen oder beim Geld wechseln nicht jedem zeigt, was im Portemonnaie ist.

 
 

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