Höfesterben ist anderswo viel dramatischer

Foto: NRZ

Rees.  Die Landwirte im Kreis Kleve, auch in Rees, dürfen hochzufrieden sein mit ihrem Standort – gerade mit Blick auf Bodenbeschaffenheit, Infrastruktur, Klima, die Wachstumsbedingungen. „Das sind hier wirklich paradiesische Voraussetzungen für Landwirte. Auch wenn sie wegen vieler Rahmenbedingungen, etwa der Entwicklung des Milchpreises, ziemlich kämpfen müssen“, findet der Chef der Landwirtschaftskammer Rheinland in Kleve, Dr. Franz-Josef Stork. Die Zukunftsaussichten für die 137 Gehöfte in Rees seien jedenfalls gut.

Stork belegt das mit Zahlen. Zwar würden auch im Kreis Kleve jährlich zwei Prozent der insgesamt noch 1900 Betriebe aufgeben. „Das ist aber deutlich weniger als anderswo im Land, wo fast doppelt so viele Betriebe schließen“, weiß der für die Kammer zuständige Unternehmensberater, Diplom-Agrar-Ingenieur Gerhard Hartl. Hartl weiter: „Die Struktur hier ist recht gut.“

Wobei auch in Rees die meisten der 131 Landwirte Milchbauern sind, und zwar 83 Betriebe mit zurzeit etwa 7000 Milchkühen. „Hier ist keine Schweine-Gegend, eher weiter im Westen bei Goch“, sagt Hartl. Was an der Bodenbeschaffenheit liege. Rees hingegen sei eben eine klassische Grünland-Gegend mit Jahrhunderte alter Milchvieh-Bewirtschaftung. Nur 14 Reeser Höfe würden überhaupt Sauen halten.

Im Durchschnitt bewirtschaften die Höfe im Kreis Kleve rund 39 Hektar Fläche. Davon 136 Betriebe mehr als 100 Hektar. In Rees sind es 16 Betriebe, die über 100 Hektar zur Verfügung haben. Das sind unter anderem fünf Betriebsgemeinschaften, sprich Höfe, die sich zusammen geschlossen haben, auch um notwendige Investitionen überhaupt noch tätigen zu können.

Wobei gerade in Rees der Grund und Boden für Landwirte immer teurer wird – und für die Nahrungsmittel-Produktion immer weniger Fläche zur Verfügung steht, beklagt Dr. Stork. So habe sich die Fläche allein in den vergangenen fünf Jahren um vier Prozent verringert, u.a. für Kiesgewinnung, Straßenbau, Ausweisung weiterer Wohngebiete, Naturschutz und für den neuen Deich. Stork: „Vor fünf Jahren standen noch 8004 Hektar Nutzfläche zur Verfügung, jetzt sind es 7687 Hektar, also 317 Hektar weniger.“

An Nachwuchs für die landwirtschaftlichen Betriebe mangele es übrigens nicht, betont Dr. Franz-Josef Stork, der Haus Riswick inklusive der Fachschule seit sechs Monaten leitet. „Die Anmeldezahlen sind stabil“, weiß der Fachmann.

Als stabiler Faktor für die Wirtschaft im Kreis Kleve erweist sich die Landwirtschaft ebenfalls weiterhin. 9180 Personen, darunter Familienangehörige, sowie Teilzeit- und Saisonkräfte, sind laut Kreiswirtschaftsförderung kreisweit direkt in der Landwirtschaft beschäftigt, etwa die Hälfte von ihnen als Sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.

„Die Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor hat hier in der Region auch weiterhin einen hohen Stellenwert“, versichert Gerhard Hartl. Immerhin betrug der Wert aller produzierter landwirtschaftlicher Güter im Kreis im Jahr 2012 laut statistischem Landesamt 284 Millionen Euro. Das spricht für sich.

 
 

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