Haldern Pop Festival feiert unvergesslichen 30. Geburtstag

Aus der ersten Reihe die Konzerte erleben: Das ist beim Haldern Pop keine Utopie wie bei den großen Festivals.
Aus der ersten Reihe die Konzerte erleben: Das ist beim Haldern Pop keine Utopie wie bei den großen Festivals.
Foto: WAZ FotoPool
Mit 30 Jahren sollte man seine Richtung gefunden haben: Was fürs Leben gilt, sollte für ein Festival erst recht zutreffen. Haldern Pop, das am Wochenende seinen 30. Geburtstag feierte, hat seine Identität jedenfalls längst gefunden als das Festival für Freunde des Indie-Pops.

Haldern. Wer jetzt noch ernsthaft behauptet, Haldern Pop fehlten die großen Namen, der kann nicht wissen, wovon er spricht. Das Festival der – vermeidlich – Namenlosen wird den Besuchern für immer in Erinnerung bleiben. Selten hat man so eine Vielzahl von großartigen Konzerten erlebt. Dazu die typische entspannte Stimmung auf der Reitwiese und das nahezu perfekte Wetter über drei Tage: Festivalherz, was willst Du mehr?

James überraschten in der Nacht

Nach der Serie an Höhepunkten am Freitagabend zeigten Kettcar am Samstagnachmittag, wie man Massen mitreißen kann. Die Hamburger brauchten keine Eingewöhnungsphase und waren mit ihrem Hit „Deiche“ (von 2005 – mit der Zeile „Deiche brechen richtig oder eben nicht“ irgendwie aktueller denn je) sofort voll da. Ihr Gitarrenrock mit deutschen Texten war nicht nur der erwartete Konsens, auf den sich alle ein bisschen einigen können. Vielmehr trat sofort der emotionale Deichbruch ein. Alle waren begeistert.

Sänger Marcus Wiebusch, der sich vorher unters Publikum mischte, hatte beobachtet: „Unglaublich. Es gibt hier Leute über 35, die einmal im Jahr Chucks tragen. Wie wir. Und davon handelt das Lied ‘Graceland’.“ Einer von vielen bekannten Hits, die noch folgen sollten.

Es gab etliche faustdicke Überraschungen beim Haldern Pop. Gerade im Spiegelzelt. Am Samstagabend bescherten Half Moon Run dem Publikum magische Momente. Die Kanadier elektrifizierten das Zelt mit ihrem melodiösen Indie-Rock, teils mit drei Schlagzeugern. Man konnte der Band ansehen, wie sie begriffen, das es ein besonderer Moment war. So stachelten sich Musiker und Publikum gegenseitig auf. Und es wurde immer besser...

Grandiose Konzerte von Kettcar, Half Moon Rund oder DakhaBrakha

Das einzigartigste Konzert bot wahrscheinlich DakhaBrakha. In folkloristischen Kleidung zogen sie die Blicke auf sich. Ihre Musik hatte etwas Ursprüngliches. Prähistorischer Techno? High-Speed-Folklore? Dazu Tier- und Naturgeräusche. Ein unbeschreiblicher Wahnsinn!

Gab’s schon mal eine Polonaise auf dem Haldern Pop? Beim Auftritt der Diva, Regina Spektor, zur besten Abendzeit am Samstag wanderte jedenfalls eine Menschenschlange durchs Publikum. Die US-Sängerin (gebürtig aus Russland) spielte eine sehr feminine Musik, in dessen Fokus verspielte Piano-Klänge und natürlich ihre Stimme stehen. Das Spektrum der Spektor ist dabei durchaus weit gefächert. Mal flott-tanzbar, mal erhaben-mächtig und gerne auch mit Zischen und Klackern aus ihrem Lippenstift-roten Mund.

Gesprächsthema am Samstag war noch der späte Auftritt von James in der Nacht zu Samstag. „Dass die so eine Show bieten, hätte ich nicht gedacht. Großartig!“, sagte Stammgast Holger Hahn aus Kalkar. Die Technik hatte etwas Probleme bereitet, weshalb die Pop-Hymnen der Engländer verspätet ertönten. Das Warten der Ausdauernden hat sich gelohnt.

Viele Besucher reihten zwei Konzerte in folgende Kategorie ein: „Schön mal erlebt zu haben, ist aber nicht meine Lieblingsmusik.“ Zum einen traf dies auf den Southern-Rock der US-Gruppe Alabama Shakes zu. Keine Frage, Brittany Howard hat eine beeindruckende, soulig-kräftige Stimme. Zum anderen fanden viele den Iren Glen Hansard gut, würden ihn aber nicht zuhause hören. Elf Musiker standen bei Hansard, dessen Stimme wie die folkige Version von Phil Collins klingt, auf der Bühne. Dennoch haben die Melodien Singer-Songwriter-Charme.

Es ist nicht nur ein subjektiver Eindruck: Das 30. Haldern Pop Festival verlief wie in den Jahren zuvor äußerst friedlich. Alles im normalen Rahmen, heißt es von der Polizei. In der Nacht zu Samstag waren ein paar Diebe auf Streifzug durch die Zelte. „Vier, fünf Fälle“, so die Polizei-Leitstelle, wurden bis Sonntag gemeldet. Womöglich kämen noch weitere Fälle hinzu. Außerdem gab es in der Nacht zu Sonntag einen Mülltonnenbrand. Für ein Ereignis dieser Größe halten sich die Zwischenfälle also noch sehr in Grenzen, lautet das Fazit.

 
 

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