Haldern hat ein Bibelmuseum

Dies sind einige der Exponate von insgesamt 628 aus dem Halderner Bibelmuseum.
Dies sind einige der Exponate von insgesamt 628 aus dem Halderner Bibelmuseum.
Foto: FUNKE Foto Services
Bibel ist nicht gleich Bibel. Im Halderner Museum gibt es nicht nur klassische Exemplare, sondern auch solche, die ausschließlich aus Bildern bestehen und die eigens für Biker aufgelegt wurden.

Haldern..  Michael Dumont lässt die geballte Faust vorsichtig auf die Messingbeschläge fallen. Mit einem Klacken springen die Beschläge auf. „So kann man leicht nachvollziehen, woher die Redewendung ‘Mit einem Schlag öffnen’ kommt“, sagt der 61-Jährige. Es ist eine wertvolle Bibel, eine in mit Kalbsleder bezogenen Eichendeckeln eingefasste, die er im wahrsten Sinne des Wortes aufgeschlagen hat. Die Anzahl der Exponate im Bibelmuseum, das seinen Sitz im Evangelischen Gemeindehaus Haldern hat, ist inzwischen auf insgesamt 628 angewachsen.

Angefangen hat alles damit, dass Renate Thesing, eine Pfarrersfrau aus Dinslaken, ihre auf Flohmärkten zusammengetragene Sammlung veräußerte. Und eine von eigener Hand abgeschriebene Bibel — so wie die Verbreitung der Heiligen Schrift vor Erfindung der Buchdruckerkunst durch Mönche üblich war – dazulegte. So kam zunächst der Grundstock von 107 Bibeln in den Besitz der Gemeinde.

Autohersteller aus Amerika

Pfarrerin Elke Spörkel und das Ehepaar Ute und Michael Dumont sind es, die das kleine Museum betreuen. Jede Bibel, die neu hinzukommt, wird archiviert, bekommt eine laufende Nummer, wesentliche Daten nebst Kurzbeschreibung werden festgehalten und im PC abgespeichert. Natürlich gehören auch immer Fotos dazu. „Nicht ganz einfach ist es manchmal, sie den von uns festgelegten Kategorien zuzuordnen“, sagt Michael Dumont. Denn eine Heilige Schrift könnte manchmal ebenso den Bibeln in Mini-Format zugerechnet werden wie den Kinderbibeln. Oder eine Bibel ist in gerechter, also verständlicher Sprache, geschrieben und gleichzeitig eine Schul- oder Familienbibel.

Die besonderen Bibeln sind es, die bei den Führungen auch immer wieder gern präsentiert werden. Beispielsweise die Bibel, die Autohersteller Ford seinen Mitarbeitern in Amerika zukommen ließ. In einem Holzkasten liegt sie, umhüllt ist sie von weißem Kunstleder und enthält die tröstende Widmung: May God be very near you at this time of deepest sorrow ...“ (Möge Gott dir in dieser Zeit des größten Kummers nahe sein...).

Eine andere Bibel beruft sich auf das Wort Gottes ausschließlich in Kupferstichen. Hunderte von Illustrationen enthält das „Sunday Scrap Book of Bible Stories“, allein Bildunterschriften geben einen Hinweis darauf, was man sieht. Hier sind nicht nur biblisch-geschichtliche Episoden illustriert, man lernt auch den Alltag der Menschen zu alttestamentarischen Zeiten kennen. Beispielsweise sieht man einen Aufbewahrungsbehälter für Wein. Das Schwein, dessen Haut dafür eigens präpariert wurde, ist als solches noch gut erkennbar. Diese Bibel, die „Xmas 1884“, also Weihnachten 1884, vermutlich in England auf dem Gabentisch lag, gehört zu den liebsten Exponaten von Michael Dumont. „Weil alles so wunderbar anschaulich ist“, begründet das Halderner Gemeindeglied.

Manchmal arg gekürzt und für Erwachsene ohne Manga-Kenntnisse nur schwer zu lesen ist die Bibel im japanischen Comicstil. Dieser Schwarz-Weiß-Bildband „Jesus – die ganze Geschichte“ stammt aus der Tuschefeder von Siku. Siku ist übrigens Künstler, Theologe und Musiker und gehört in England zu den führenden Comic-Schaffenden und Konzeptualisten.

Egal ob traditionelle Bibel, Comic oder Bilderbuch, das Buch der Bücher bleibt stets aktuell. Findet Michael Dumont. „Es geht um Krieg, Neid, Hass und Liebe“, sagt er. Nur, bedauert er, dass die Menschen wenig daraus gelernt hätten, wie die Flüchtlingsströme bewiesen.

Und dann gibt es auch noch die kleinste Bibel, ein Microfiche, hergestellt im Photo-Chromic-Micro-Image-Verfahren. Natürlich nur mit der entsprechenden Technik lesbar, schließlich misst der Microfiche nur 32 mal 33 Millimeter. Besonders schön ist ein Pop-Up-Buch, bei dem die Seiten sich kulissenartig aufklappen lassen und beispielsweise die Ankunft der Heiligen Drei Könige zeigt. Weiterhin gibt es Blindenschrift-Bibeln, solche für Berufsgruppen wie die Bibel für Polizeibedienstete, eine handlich-kleine Biker-Bibel für das tröstende Wort unterwegs. Oder die Sportlerbibel „Fair Play“. Dort wird die Stelle 1. Samuel 20,41 auf den Fußballer Beckham bezogen. Dort heißt es: „David warf sich auf die Erde und verneigte sich dreimal. Dann küssten sie einander und weinten zusammen. . .“

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