Greifvögel machen Taubenzüchtern am Niederrhein zunehmend das Leben schwer

Rainer Giesen kümmert sich in seinem heimischen Schlag derzeit um rund 50 Tauben.
Rainer Giesen kümmert sich in seinem heimischen Schlag derzeit um rund 50 Tauben.
Foto: WAZ FotoPool
Vor allem Jungtiere stehen bei Habicht und Co. ganz oben auf dem Speiseplan. Gründe gibt es mehrere: Greifvögel stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gejagt werden. Wurden sie von Menschenhand ausgesetzt, haben sie auch keine natürlichen Feinde - und machen so den Taubenzüchtern das Leben schwer.

Rees/Mehrhoog.. Wenn Rainer Giesen an seinem Wohnzimmerfenster sitzt, blickt er oft sorgenvoll in den Himmel. Mindestens ein Mal in der Stunde fliegt nämlich ein Sperber an seinem Haus in Mehrhoog vorbei – für seine Tauben eine tödliche Gefahr. Bis in die 90er-Jahre hinein seien Greifvögel kein Problem gewesen, sagt der Vorsitzende des Vereins Brieftauben-Reisevereinigung Rees und Umgebung. Doch seitdem würde die Population der Tiere stetig steigen. Die Gefahr vor allem für Jungtauben sei mittlerweile so groß, dass Giesen seine Vögel in der Wintersaison von Oktober bis März nicht mehr aus dem Schlag lässt. „Die Tiere sind durch die Mauser eh geschwächt, Greifvögel hätten leichtes Spiel.“ In den Vorjahren hat Rainer Giesen in dieser Zeit rund zehn Prozent seines Bestandes verloren.

Vor allem Sperber, Habicht und Wanderfalken machten den Taubenzüchtern oft das Leben schwer, sagt Giesen. „Greifvögel stehen unter Naturschutz und dürfen nicht gejagt werden“, nennt der 47-Jährige einen Grund für die Vermehrung der Tiere. Dabei ist der Mehrhooger noch nicht einmal dafür, die Tiere abzuschießen. „Aber ich halte es für eine sehr schlechte Idee, die Tiere hier auszuwildern.“ Er meint vor allem den Wanderfalken, der ursprünglich am Niederrhein überhaupt nicht zu Hause ist. In Appeldorn etwa habe man ein Pärchen an der Zuckerfabrik angesiedelt. „Vermutlich, um Tauben zu vergrätzen oder Mäuse zu jagen“, sagt Rainer Giesen. „Was nur keiner bedacht hat: Die Vögel fliegen auch bis nach Rees und Emmerich.“

Brieftauben sind besonders lecker

Brieftauben stehen auf dem Greifvogel-Speiseplan ganz oben. „Sie schmecken einfach besser als Ringeltauben“, sagt Giesen und lacht. Das liege am Futter: Züchter geben ihren Tieren hauptsächlich Körner, Ringeltauben fressen hauptsächlich Gras. „Dadurch werden sie zäh“, weiß Giesen, der derzeit rund 50 Tauben in seinem heimischen Schlag versorgt.

Ein weiterer Grund: „Brieftauben sind leichter zu schlagen als Ringeltauben oder kleine Nagetiere“, erklärt Taubenzüchter Giesen. „Vor allem Jungtauben sind einfach zu dusselig.“ Bevor sie für Wettflüge eingesetzt werden, müssen sie nämlich trainiert werden. „Lässt man sie das erste Mal raus, müssen sie sich erst orientieren und dann kurze Flüge machen.“ Dass Greifvögel gefährlich sind, müssen sie erst lernen. „Ich habe mal erlebt, dass eine Jungtaube einfach auf dem Dach sitzen geblieben ist, als ein Greifvogel im Anflug war“, erinnert sich Giesen.

In diesem Fall sei zwar noch einmal alles gut gegangen, „aber die Taube erleidet einen Schock“. Und das merke man dann an der Flugleistung. Zu allem Überfluss kommt dann auch noch Murphys Gesetz zum Tragen: „Sie können sicher sein: Wenn sich der Greifvogel eine Taube holt, dann eine Gute“, sagt Giesen. Das macht den Software-Berater natürlich traurig, er nimmt es aber auch sportlich. Denn das sei sein Hobby schließlich auch: ein Sport.

 
 

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