Glatze ist nicht gleich Glatze

Emmerich..  Glatze ist nicht gleich Glatze. Mit dieser betrüblichen Feststellung bilanzierte Amtsgerichtsrichterin Dr. Christiane Schmitz das 50-minütige Strafverfahren gegen L., der am Ende freigesprochen wurde. Der 36-jährige Pole hatte in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 2014 Bekanntschaften aus der Diskothek „Heck Meck“ zu seiner privaten Geburtstagsfeier ins Haus am Bremer Weg eingeladen.

Übermäßiger Alkoholkonsum stachelte dort zu früher Morgenstunde das individuelle Aggressionspotenzial einiger Teilnehmer an. Und zwar so stark, dass ein Gast, der Emmericher Z., die Feier teuer bezahlte: mit drei durchgebrochenen und zwei angebrochen Rippen, einem verlustig gegangenen Schneidezahn, einer zertrümmerten Nase, einem Bauchtrauma sowie Prellungen und Schürfwunden an Kopf und Rücken. Der 50-jährige Kaufmann musste ins Krankenhaus gebracht werden, hatte auch noch zwei Monate nach dem Vorfall Schmerzen.

Eigentlich wollten Z. und seine Bekannten kurz vor dem Angriff per Taxi nach Hause. Was die anderen Fetenbesucher für keine gute Idee hielten. Bevor der Chauffeur vorfuhr, gab’s Schläge und Tritte. Der Kaufmann schilderte die schmerzhaften Minuten gestern so: „Einer ging mit mir auf die Terrasse hinaus, schlug mich da plötzlich ins Gesicht. Ich bin auf den Boden gefallen und dann von mehreren Personen zusammengetreten worden.“

Gestern vor dem Amtsgericht stellte sich schnell heraus, dass sich Gastgeber L. nicht an der Tracht Prügel für Z. beteiligt hatte. Vier Zeugen, darunter auch der im Juli Schwerverletzte, sagten dies jedenfalls aus. Was in einen Freispruch für L. mündete.

Richterin Schmitz und die Staatsanwaltschaft rümpften ob der vergebenen Beweise-Müh’ verschnupft die Nase. Möglicherweise lag der Fehler auch bei der Polizei. Es gab nämlich mindestens noch einen zweiten glatzköpfigen Geburtstagsteilnehmer – neben L. Und der, das erkannten die Zeugen auf Beweisfotos der Polizei, soll für die Körperverletzung mitverantwortlich gewesen sein. „Ein Typ mit anrasierter Augenbraue“ sei auch mit dabei gewesen, wie Zeugen erklärten. Gegen einen „gesondert Verfolgten“ wird es ein weiteres Strafverfahren geben, wie die Staatsanwaltschaft betonte.

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