Gelungener Auftritt von Chris Barber und Band in Emmerich

Hans Wimmers
Chris Barber und seine Big Band ernteten viel Applaus im Emmericher Stadttheater.
Chris Barber und seine Big Band ernteten viel Applaus im Emmericher Stadttheater.
Foto: WAZ FotoPool
„Nur“ 250 Gäste erlebten die Legende Chris Barber und seine hochkarätige Bigband im Emmericher Stadttheater. Zuhörer erlebten genialen Jazz, Swing und Dixieland.

Emmerich.  Mit einer von seinen Zuhörern sehnlich erwarteten Zugabe, nämlich mit dem Stück „Ice cream“, verabschiedete sich der legendäre Chris Barber von seinen Zuhörern im Stadttheater. Sein Gastspiel – er war seit längerer Zeit nicht mehr in Emmerich – hatte leider nur etwa 250 Fans ins Theater gelockt, aber die Präsentation seiner Chris Barber Big-Band begeisterte alle. Barber, der selbst begrüßte und die Beiträge ansagte, war leider nicht allzu gut zu verstehen, aber die Fans kannten die meisten Stücke des Programms und so war der Abend eine schöne Erinnerung an die Anfänge des britischen Jazz und die Weiterentwicklung des Traditional Jazz vom Jahre 1953 bis heute.

Ganz viel New Orleans

Seine Reise durch 60 Jahre erfolg-reichen Jazz, Swing und Dixieland begann der immer noch agile Bandleader mit seiner oft gespielten Erkennungsmelodie, die von seinen Wurzeln in der Bourbon Street in New Orleans ausgeht. Der Sound des zehn Mitglieder starken Ensembles bestätigte sofort die Erwartungen seiner Zuhörer. Saubere Einsätze, ausgeprägter dezenter Gesamtklang, solistische Einlagen – allein oder in kleinen Gruppen -- zeigten das Können der Instrumentalisten. In Erinnerung bleibt auch der Hit „Petite fleur“ des aus New Orleans stammenden Sidney Bechet. In Emmerich spielte es Richard Exall auf dem Altsaxofon.

Man könnte noch viele Soli erwähnen, die alle routiniert, aber in ihren Improvisationen meisterhaft vorgetragen wurden. Dazu gehört sicher auch Barber selbst, der bei vielen Improvisationen nach wie vor sein Können zeigte und dazu sang. Bob Hunt, Posaune, löste bei vielen Gästen ein Schmunzeln aus, als er seiner Posaune mit Hilfe der Dämpfer alle möglichen Geräusche entlockte. Bert Brandsma, ein Niederländer, imponierte durch Soli und zum finalen „Ice Cream“. Magic Mike Henry und Peter Rudeforth, Trompete, fügten sich in Solobeiträgen und gefühlvollen Passagen stark ein. Amy Roberts, einzige Dame der Band, ließ neben den Saxofoneinsätzen auch beim Flötensolo in „When the Saints Go Marching In“ aufhorchen.

Im zweiten Teil konnte Gregor Beck auf dem Schlagzeug beweisen, dass er ein einfallsreicher und sicherer Meister auf seinem Instrument ist. Der Rhythmusgruppe gehörte außer ihm Joe Farlo, der Mann an Banjo und Gitarre und sein Kollege Jackie Flavelle, Bass, an. Gut in Erinnerung bleibt die Abschlusskadenz von Farlo beim Titel „Mary Go Round.“ Der Einsatz des Banjo in der Rhythmusgruppe ist seit der Weiterentwicklung des New Orleans Jazz zum Dixieland Jazz bei Barber selbstverständlich. Ein Beispiel dafür, wie sich die Melodieinstrumente gegenseitig „den Ball zuwerfen“, war die „Black and Tan Fantasy“ Hier erlebte man oft den Einsatz von Dämpfern, die den Klang nachhaltig veränderten.

Barber und Band zu hören, war ein Erlebnis. 2015 startet die Jazzlegende die „60 Jahre Jubiläums-tour“ in Münster – ein Datum, das in der Jazz-Historie markant ist.