Gedenkmünze für Karl Leisner in Rees vorgestellt

Im Rathaus in Rees die Sonderprägung einer Gedenkmünze anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Leisner vorgestellt.
Im Rathaus in Rees die Sonderprägung einer Gedenkmünze anlässlich des 100. Geburtstages von Karl Leisner vorgestellt.
Foto: WAZ FotoPool
Die Vorderseite zeigt ein Foto des Seligen, das unter Lebensgefahr im KZ Dachau entstand. Es ist eine Aufnahme des gebürtigen Reesers als Neupriester.

Rees.  Wie kam es, dass Karl Leisner zwei Tage vor seiner Priesterweihe in der Lagerkapelle des Konzentrationslagers Dachau für seine Priesterweihe üben konnte? Und: Wer hat den Neupriester dabei abgelichtet? Die Lösung beider Fragen sind das Ergebnis jüngster Forschungen des ehemaligen Präsidenten des Internationalen Karl Leisner Kreises e.V. (IKLK), Hans-Karl Seeger. Eine der Aufnahmen, die damals unter Lebensgefahr entstanden, ziert die Vorderseite einer Gedenkmünze, die jetzt anlässlich des 100. Geburtstages Leisners’ herausgegeben wird und gestern im Rathaus Rees vorgestellt wurde.

Bestechung im KZ

Das Foto entstand am 15. Dezember 1944. „Zwei Tage vor der Priesterweihe wagte nämlich ein Häftling, den Capo (von der SS eingesetzter Anführer) im Revier zu bestechen“, weiß Monika Leisner-Haas, IKLK-Vizepräsidentin und Nichte des Seligen. Damit konnte Leisner für seine Weihe üben, das Foto, das an das kirchenhistorische Ereignis der einzigen Priesterweihe in einem KZ erinnert, schoss der Benediktinerpater Sales Heß aus dem Kloster Münsterschwarzach. „Die Aufgabe des Benediktinerpriesters im KZ Dachau bestand darin, botanische Versuche auf der Plantage abzulichten“, so Leisner-Haas. Die Negative wurden aus dem KZ herausgeschmuggelt und kommentarlos per Post nach Berlin an Willi Leisner, den Bruder von Karl, geschickt. Dieser schickte das Foto, das heute auf der Münze zu sehen ist, am 6. Januar 1945 weiter an seine Eltern nach Niedermörmter. „Ohne dieses höchst gefährliche Unterfangen, hätte das Ehepaar Leisner kein Bild von ihrem Sohn als Neupriester bekommen“, sagt Monika Leisner-Haas.

Auf der Rückseite der Medaille befindet sich die Abbildung des Bischofsstabs, den der französische Häftling Bischof Gabriel Piguet von Clermont bei der Priesterweihe in der Lagerkapelle trug. Gefertigt hat ihn der Benediktinerpater Makarius Spitzig. In der Krümme des Stabes finden sich die Worte „Victor in Vinculis – Sieger in Fesseln“, die ebenfalls auf der Münze zu lesen sind. Dieser Bischofsstab, so kündigte Monika Leisner-Haas bereits jetzt an, sei in drei Wochen ab 9. Dezember in einer Sonderausstellung des Xantener Stiftsmuseums bis Juni 1015 zu sehen.

Entstanden ist die Sonderprägung bei der Firma Euromint in Bochum in den Varianten Silber und Gold. „Beide weisen die höchste Prägequalität auf“, so Michael Knippschild von der Bochumer Firma. Ihr Gewicht beträgt jeweils 8,5 Gramm. Die auf 500 Stück limitierten Silbermünzen sind ausgeliefert und können beim Vertriebspartner, der Volksbank Emmerich-Rees, ab sofort erworben werden. „In der Hauptgeschäftsstelle sind sie vorrätig, in den Nebenstellen können sie bestellt werden“, so Voba-Vorstandsvorsitzender Holger Zitter. Einzeln bestellt werden müssen die Goldmünzen. Sie sind auf 50 Stück begrenzt, kosten derzeit 799 Euro. Sie können nach Bestellung innerhalb von zehn Tagen ausgeliefert werden.

 
 

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