Gedenken in aller Stille

In Millingen wurde der gefallenen englischen Soldaten gedacht, die dort im 2. Weltkrieg starben.
In Millingen wurde der gefallenen englischen Soldaten gedacht, die dort im 2. Weltkrieg starben.
Foto: NRZ Emmerich
Der britische Schaupspieler Keith Parry stellte jetzt einen Gedenkstein nahe dem Hegeshof in Millingen zum Gedenken an seinen gefallenen Onkel Alfred Ingleby und weiterer Soldaten auf.

Millingen..  Der britische Schauspieler Keith Parry hat seinen Onkel Alfred, den jüngeren Bruder seiner Mutter, nie persönlich kennenlernen dürfen. 18-Jährig verstarb Alfie, wie seine Kameraden ihn nannten, bei einem Gefecht in den Wiesen des Hegeshofes in Millingen am 27. März 1945. Dennoch spielte Onkel Alf in den Gedanken von Keith Parry immer wieder eine Rolle, zumal im Haus seiner Großeltern ein Foto des jungen Mannes mit dem auffällig hellrotem Haar hing. Auch Parrys Mutter erzählte hin und wieder Geschichten von ihrem jüngern Bruder, darunter auch die, dass er seiner großen Schwester gern in den Tanzsaal folgte, was diese verständlicherweise gar nicht gerne sah. Lange hat der in London beheimatete Schauspieler Parry den Wunsch gehegt, am Schlachtfeld in Millingen, dort wo sein Onkel zu Tode kam, einen Baum zu pflanzen. Das hat der 67-Jährige nun getan – auf den Tag genau 71 Jahre nach der tödlichen Maschinengewehr-Salve auf Alfred Ingleby.

Rrund 40 Mails gingen hin und her

Ende September vergangenen Jahres hatte Maik Holtermann von „Millingen online“ einen Brief des Briten erhalten mit der Bitte, eine Kontaktperson für einen Erinnerungsbesuch zu nennen. Holtermann leitete den Brief zunächst an die Reeser Stadtarchivarin Tina Oostendorp weiter, sie bat Norbert Behrendt, sich der „Sache“ anzunehmen. Was der Millingener Heimatforscher gerne tat. In der Folge gingen rund 40 Mails zwischen London und Millingen hin und her.

„Über die Kämpfe außerhalb des Zentrums von Millingen, östlich der Straße nach Vehlingen, wurde ich erst durch den Briefwechsel aufmerksam“, erzählt Behrendt. Wie er heute weiß, waren dort am 27. März vor 71 Jahren 200 britische Infanteristen mit vier Panzern im Einsatz. Sie sollten die „linke“ Flanke – von Empel nach Isselburg vorgepreschten Truppen – schützen. Zunächst hatten sich die britischen Soldaten hinter einer Hecke, die heute noch existiert, verschanzt. Als sie die Deckung verließen, feuerten die Deutschen mit Maschinengewehren auf die feindlichen Soldaten. 13 Briten waren sofort tot, darunter auch Alfred Ingleby. Zwei weitere Soldaten erlagen wenig später ihren schweren Verletzungen auf dem Hegeshof, der damals als Lazarett diente.

Jetzt pflanzte Keith Parry, der mit zwei Geschwistern und seinem Schwager angereist war, in der Obstwiese des Hegeshofes mit Blick auf das Schlachtfeld eine Kopfweide. Zudem gibt’s einen Stein zum Gedenken an die Toten der alliierten wie auch der deutschen Seite. „Darüber hatten wir uns schon im E-Mail-Verkehr verständigt“, erklärt Norbert Behrendt. Nach Ansprachen, Gebeten und Gedichten ließ Züchter Leo Blümer 16 Tauben – für jeden gefallenen britischen Soldaten eine und eine weitere, symbolisch für die gefallenen deutschen Soldaten – auf. „Ein sehr emotionaler Moment für die beiden Neffen und die Nichte von Alfred Ingleby“, erzählt Norbert Behrendt, zumal dies zeitlich so terminiert war, dass 71 Jahre zuvor die Kämpfe in vollem Gange gewesen waren.

Gemeinsam suchten die Gäste an diesem Tag auch diverse Stätten, die mit den Kriegshandlungen in Verbindung standen, auf. Wie zum Beispiel den Schmitjeshof, auf dem seinerzeit Bauer Johannes Willing, damals 15 Jahre jung, gegen 17 Uhr neugierig aus dem nördlichen Kellerfenster seines Elternhauses geschaut und sich gewundert hatte, warum die Panzer während des Gefechtes im März 1945 nicht vorrückten. Der Grund: Sie waren im sumpfigen Gebiet eingesackt.

Im Vorfeld des Besuches ist nun ein weiteres Kapitel der hiesigen Kriegsgeschichte aufgearbeitet worden. „Für eine hoffentlich friedliche Zukunft“, so Norbert Behrendt. „Bei dieser Aufarbeitung sind wir“, so der Millingener Heimatforscher weiter, „Keith Parry und ich Freunde über den Ärmelkanal hinweg geworden.“

 
 

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