Gedenkandacht an der Leisner-Büste

Elisabeth Hanf
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Rees/Dachau.  Zwei Gedenkfeiern haben den gestrigen Tag bestimmt. Am 17. Dezember vor 40 Jahren wurde Karl Leisner in Dachau zum Priester geweiht. Er ist damit der einzige Priester, der jemals in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten dieses Sakrament empfing. Kardinal Reinhard Marx aus München, Bischof Felix Genn aus Münster, Erzbischof Hippolyte Simon aus Clermont, Friedrich Kardinal aus Wetter, Bischof Heinrich Mussinghoff aus Aachen sowie zahlreiche Weihbischöfe und Priester zelebrierten um 18 Uhr die Gedenkmesse in Heilig Kreuz in Dachau. Zuvor hatten sie den KZ-Block 26 besucht.

Zu Ehren Leisners trug Kardinal Marx dabei den Bischofsstab, den der französische Bischof Gabriel Piguet aus Clermont bei Leisners Priesterweihe mitführte. Piguet war im September 1944 ins KZ eingeliefert worden. Zwei Monate später weihte er konspirativ Karl Leisner im KZ-Block 26 zum Priester. Bischofsgewand und -stab, der Ring und die Mitra waren heimlich von Häftlingen unter Lebensgefahr in den Werkstätten hergestellt worden. Die Heiligen Öle zur Weihe hatte eine Schwesternschülerin ins KZ geschmuggelt, mitgegeben von Bischof Faulhaber aus München. Seine erste und einzige Messe als Priester zelebrierte Leisner am 26. Dezember 1944 in der Kapelle des Priesterblocks.

Während gestern die Wallfahrer vom Niederrhein an der Messe in Dachau teilnahmen, wollten auch die Reeser dem bedeutenden Sohn der Stadt gedenken. Dazu hatte der Verkehrs- und Verschönerungsverein zu einer kleinen Gedenkfeier an der Leisner-Büste vor St. Mariä Himmelfahrt eingeladen.

Rolf Albring, der sich intensiv mit dem Leben Karl Leisners beschäftigt und auch eine Gedenkausstellung in Rees initiiert hat, fasste die Lebensgeschichte Leisners zusammen, tief berührt von der Wahrhaftigkeit des Priesters, dem die Bemerkung „schade“ nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler zum Verhängnis wurde. Der Selige Leisner, der am 28. Februar 1915 in Rees geboren und am 3. März 1915 in der Reeser Pfarrkirche getauft worden war, hat seinen Wunsch, Priester zu werden, auch im KZ konsequent verfolgt. Und so fasste Dechant Michael Wolf in seiner kurzen Predigt vor der Kirche das zusammen, was an Faszination heute noch von Karl Leisner ausgeht: „Es ist die Leidenschaft, mit der er für seine Überzeugung gekämpft hat, die heute noch junge Menschen überzeugt. Er hat Jesus in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt.“ Gerade in der Adventszeit, der Zeit der Menschwerdung Gottes, sei er Vorbild als jemand, der Gott voll vertraut habe.

Gemeinsam mit 25 Teilnehmern sprach Pastor Wolf vor der Kirche das Vaterunser und stimmte „Mach hoch die Tür, die Tor mach weit“ an. Danach legten Rolf Albring, Bernd Hübner und Herbert Venhofen einen Kranz vor der Büste nieder, die 2005 eingeweiht wurde.