Frieda beißt am liebsten kraftvoll zu

Foto: FUNKE Foto Services

Reeserward..  Der Hund weiß, was schmeckt – und gesund ist. Denn die vier Jahre alte, weißhaarige Labrador-Hündin Frieda mag Äpfel. „Am liebsten die Sorte Delbard“, schmunzelt Marlen Baumann. Das sei auch ihr Favorit, lächelt sie. Und Äpfel gibt’s bei der 29-Jährigen zehntausendfach. Die junge Frau managt die Reeserwarder Obstanlage. Die steht kurz vor der großen Apfelernte.

„Trotz des kalten Frühjahrs liegt die Qualität im Schnitt, die Menge auch“, erzählt Marlen, die die Anlage mittlerweile in der dritten Generation leitet und sowohl Gärtner-Gesellin als auch Gartenbau-Ingenieurin gelernt hat. Frischen Wind und jede Menge neuer Ideen hat sie allemal mit ins Unternehmen gebracht, das seinen Hauptsitz an der Straße Reeserward 7, seine Verkaufsstelle aber an der Wardstraße 2 hat. „Das ist für die Reeser schneller zu erreichen“, sagt die verkaufstüchtige Frau.

„Meine Oma hat die Plantage gleich nach dem Krieg aufgebaut“, kennt Marlen die Geschichte des Familienbetriebes. Den Wardmanshof, etwa fünf Kilometer vom voriges Jahr erweiterten Verkaufsgeschäft entfernt, habe es laut Unterlagen schon zu Napoleons Zeiten gegeben. Der Familie Baumann gehörte er damals bereits.

Gemeinsam mit Vater Everhard Baumann kümmert sich die junge Mutter um die Zehntausende Spindelbäume, an denen je nach Alter bis zu 150 Äpfel hängen können. 17 Apfel- und fünf Birnensorten bieten die Baumanns ihrer Kundschaft zum Verkauf an. „Vorher kann natürlich jede Sorte probiert werden“, verspricht sie.

Topaz und Wellant

Roter Boskop, Jonagold, Elstar, oder eigens für Allergiker gezüchtete Früchte wie Topaz oder – ganz neu – Wellant werden in den nächsten Wochen gepflückt, „die Sorte Braeburn sogar noch bis Ende Oktober. Weil der viel Licht braucht und es hier für die Sorte doch ziemlich kühl ist“, erzählt Marlen Baumann. Eine polnische Familie kommt übrigens am Wochenende wieder angereist, um bei der Ernte zu helfen – und das schon seit 30 Jahren.

Die meisten Äpfel vermarkten die Baumanns, die eine feste Kraft und drei Verkäuferinnen auf 450-Euro-Basis beschäftigen, über ihren Laden an der Wardstraße 2, einen Teil über Händler. „An der Menge verändern wir nicht mehr viel, jetzt geht’s mehr um die Verfeinerung der Früchte, sprich um die Perfektion“, sagt die Unternehmerin. Die zudem zwei Birnen-Sorten im Angebot hat: Williams-Christ und die eher seltene Sorte Tonger.

Geerntet werden die Äpfel übrigens per Hand – und zwar dreimal in Folge in den nächsten Wochen. „Wir nehmen nur die reifen Früchte. Sonst schmecken die Äpfel nicht“, sagt die Fachfrau, die in grünen Stiefel und grüner Regenjacke unterwegs ist. Entlang der etwa 2,50 Meter hohen sogenannten Spindelbäume fährt ein Trecker mit Hänger, auf dem vier Kisten liegen, in die jeweils bis zu 300 Kilogramm Äpfel gesammelt werden.

Die werden dann zum Wardmanshof gebracht, dort fachgerecht gelagert. „Unter anderem wird ihnen der Sauerstoff entzogen“, erklärt Marlen Baumann. Dadurch blieben die Äpfel frisch und können bis zum kommenden Mai verkauft werden.

Eine Winterpause, in der nichts zu tun ist, haben die Plantagen-Besitzer nicht. Marlen Baumann: „Da werden die Pflanzen wie im Sommer fachmännisch geschnitten, sprich wie eine Pyramide: oben schmal, unten breit.“ Während die Bäume wegen des kalkhaltigen Wassers nicht bewässert werden – „Da würden die Äpfel wie gespritzt aussehen“ –, verzichten die Baumanns nicht auf „Nutzungsschonende Pflanzenschutz-Maßnahmen“, wie es Marlen Baumann ausdrückt. „An Marienkäfer haben wir aber trotzdem unsere Freude“, lacht die Apfel-Expertin.

Die, verrät sie, für ihr Leben gerne den Allergiker-freundlichen Wellant isst. Und richtig Appetit macht auf die neue Sorte. „Der ist nicht nur trendy, sondern einfach unheimlich lecker!“

 

EURE FAVORITEN