Flüchtling aus Rees gibt einen hart erkämpften Job auf

Wer gutes Geld verdienen will, muss zunächst „kleine Brötchen“ backen.
Wer gutes Geld verdienen will, muss zunächst „kleine Brötchen“ backen.
Foto: Funke Foto Services
  • Bäckermeister Michael Jansen hatte für den Flüchtling eine Einstiegsqualifizierung (EQJ) erkämpft
  • Das EQJ dauert ein Jahr und sollte letztlich in eine Ausbildung zum Bäckergesellen münden
  • Von einem Tag auf den anderen tauchte der Mann nicht mehr bei der Arbeit auf – Jansen ist enttäuscht

Haldern. Das Ehepaar Eva und Michael Jansen aus Haldern sucht wieder einmal. Drei Azubis hätte es gern zu Ausbildungsbeginn am 1. August eingestellt. Einen jungen Mann, der Bäcker werden möchte, haben sie gefunden und eingestellt. Gesucht wird noch eine Bäckereifachverkäuferin bzw. ein Bäckereifachverkäufer. Außerdem einen weiteren Azubi, der Bäckerin bzw. Bäcker werden möchte. „Einen geeigneten Lehrling zu finden, das gestaltet sich Jahr für Jahr schwieriger“, klagt der Halderner.

Im letzten Ausbildungsjahr hatte die Halderner Bäckerei und Konditorei von sich reden gemacht, weil Michael Jansen sich ins Zeug gelegt hatte, um einen Asylbewerber einzustellen. Das vorangegangene Prozedere hatte den Halderner beinahe den letzten Nerv geraubt. „Nach fünfmonatiger Arbeit ist es uns gelungen, den ersten Flüchtling in eine EQJ-Programm zu bringen“, hatte er sich im Frühherbst über das Ergebnis seiner Bemühungen gefreut. EQJ steht für Einstiegsqualifizierungsjahr und dient als berufsvorbereitende Maßnahme. Für den Senegalesen startete die Maßnahme am 1. Oktober 2015 und sollte zum 31. Juli dieses Jahres enden – und in eine richtige Ausbildung zum Bäcker münden.

Fallmanagerin schaltete sich ein

Doch der junge Mann gab vorzeitig auf. „Er tauchte von heute auf morgen nicht mehr bei uns in der Backstube auf“, so Jansen. Der Senegalese hielt aber noch einige Zeit Kontakt zu einigen seiner ehemaligen Kollegen per Chat. Über diese Kontakte erfuhr Jansen, dass der Senegalese offenbar dem Druck seiner Flüchtlings-Clique erlegen war. „Der Tenor lautete, ‘Die anderen arbeiteten nicht, warum sollte er dann arbeiten?’“, so Jansen. „Die Fallmanagerin hat versucht auf ihn einzuwirken“, hat sich Jansen kundig gemacht. Er selbst hat den Senegalesen schließlich auch angeschrieben. „Zumal ich mit ihm sehr zufrieden war“, sagt Jansen. Der Ex-Chef versuchte dem jungen Mann klar zu machen, dass die Ausbildung sich langfristig lohne und auch seine Perspektiven in vielerlei Hinsicht verbessere. Vergeblich. „Geld? Geld brauche ich nicht“, quittierte der ehemalige Angestellte Jansens Bemühungen. Was einen enttäuschten Chef zurückließ.

„Das Allerwichtigste, das der neue Bäcker-Azubi mitbringen muss, ist Motivation“, sagt Michael Jansen, der auch Diplom-Betriebswirt ist. Aber auch einen Hauptschulabschluss muss der Bewerber vorweisen können. „Ohne, das bringt es einfach nichts“, weiß er aus Erfahrung. Sonst gebe es Probleme. „Bei der Theorie in der Schule, beispielsweise bei den Rezepturberechnungen“, macht Jansen ein Beispiel.

Wie schwierig es ist, einen Azubi zu finden, zeigt sich auch bei den Bäckereifachverkäufern. „Ich gucke weniger auf die Noten“, sagt auch Eva Jansen. Auch sie erwartet einen Schulabschluss, aber auch Freude am Beruf, Lust an der Arbeit und die Bereitschaft, am Wochenende zu arbeiten sind ihr ebenso wichtig. „Samstags wird ja in zwei Schichten gearbeitet, entweder von 6 bis 11.30 Uhr oder von 11.30 bis 17.30 Uhr“, sagt sie. Sonntags wird auch verkauft. „Aber man ist nicht jede Woche an der Reihe, das geht im Wechsel“, sagt die Chefin.

Vor drei, vier Jahren hätte sie noch gezögert, einen Mann als Bäckereifachverkäufer einzustellen. Ihre Meinung hat sich gewandelt, nicht zuletzt dadurch, dass sie im jüngsten Urlaub von einem jungen Mann hinter der Ladentheke bedient wurde. „Das wäre auch was für uns, dass brächte ein bisschen Pep in den Laden“, ahnt Eva Jansen.

 
 

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