Finanzkrimi köchelt weiter

Bei der Rückabwicklung der Finanzaffäre Koch geht es für Emmerich mehr als um eine paar Geldmünzen oder Euroscheine.
Bei der Rückabwicklung der Finanzaffäre Koch geht es für Emmerich mehr als um eine paar Geldmünzen oder Euroscheine.
Foto: WR
Die Rheinstadt muss unter Umständen über 5 Millionen Euro für Luxemburger Bank hinblättern.

Emmerich.  Schon vor vier Jahren ist Hans-Jürgen Koch in Namibia gestorben, doch längst nicht alle Hinterlassenschaften seiner kriminellen Praktiken hat der dubiose Makler mit ins Grab genommen.

Die Finanzaffäre beschäftigt nach wie vor auch ein Gericht in Luxemburg. Inzwischen in zweiter Instanz. Der Ausgang dieses Verfahrens vor dem Cour Supérieure de Justice ist auch bedeutsam für die Stadt Emmerich. Unter Umständen muss sie mehrere Millionen Euro an die luxemburgische Bank BGL BNP Paribas S.A. (vorher: Banque Génerale du Luxemburg, Fortis) zurückzahlen. Koch – und immer noch keine Ende in Sicht.

„Nie in Luxemburg Konto gehabt“

Nach NRZ-Recherchen stellt sich der Fall in groben Zügen so dar: Die 28 000 Einwohner zählende Kreisstadt Bretten (bei Karlsruhe) hatte sich 1989 an Koch gewandt, um Geld anzulegen, und der hatte ihr eine besonders günstige Bank genannt, das Bankhaus Oppenheim in Köln, auf das Bretten 2,5 Millionen Mark überwies.

Inzwischen fordert Bretten von der beklagten Nachfolgebank rund 1,3 Millionen Euro zurück. Doch die Bank wehrt sich und will sich an Emmerich schadlos halten, falls sie vor Gericht gegen Bretten verlieren sollte, weil besagte Geldanlage den Vermerk „Ablösung Kredit: Stadt Emmerich“ tragen soll. „Wir werden vertröstet und vertröstet“, klagt Brettens Bürgermeister Willi Leonhardt.

„Das Verfahren zieht sich seit Jahren hin, es ist immer noch anhängig“, so auch Kämmerer Ulrich Siebers. Kann man wohl sagen. Endlose Schriftwechsel der Anwälte hin und her, im halbjährlichen Rhythmus setzt das Gericht am Plateau du Saint-Esprit Termine an, wo die beteiligten Parteien ihre Standpunkte vertreten können.

Im Februar 2011 reisten der Erste Beigeordnete Dr. Stefan Wachs, Kämmerer Siebers und sein Vorgänger Egon Hartmann sogar als Zeugen höchstpersönlich in das Großherzogtum, um zu klären, „ob wir mit der Bank einen Darlehensvertrag oder eine Kundenbeziehung hatten“, erinnert sich Siebers, „die Bank war uns aber vollkommen unbekannt“.

Dass man am Bankplatz Luxemburg doch noch zu Kasse gebeten werden könnte, hält man im Emmericher Rathaus für ziemlich unwahrscheinlich. „Wir haben nie in Luxemburg ein Konto gehabt. Da hat jemand auf unseren Namen ein Konto angelegt. Wir sind nur Nebenbeklagte“, so Siebers.

Trotzdem ist die Sache den Emmerichern nicht ganz geheuer. Im Jahr 2009, also bei der Eröffnungsbilanz für das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF), begann die Kämmerei damit, Rückstellungen für den Fall der Fälle zu bilden. Dieser Spezial-Posten weist inzwischen – mit Zins und Zinseszinsen – den stolzen Betrag von zirka 5,1 Millionen Euro aus.

Schon ausgebucht

„Wir hoffen auf einen positiven Ausgang, es hilft ja nichts“, sagt Siebers. Während die Stadt Emmerich im schlimmsten Fall die millionenschwere Rückzahlung irgendwie finanzieren müsste, hat Bretten den Fall Koch schon ausgebucht. „Wenn wir gewinnen“, sagt Bürgermeister Leonhardt, „dann ist das eine echte Einnahme“.

 
 

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