Fasten hat heute ein eigenes Gesicht

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Haldern..  Wenn Pater Thomas van Zanten an Aschermittwoch denkt, fällt ihm immer eine besondere Begebenheit ein. Mitte der 70er-Jahre, der katholische Priester war Pfarrer in Trier, wurde er gebeten, im RTL-Studio den religiösen Aspekt von Aschermittwoch zu erläutern. Damals studierte er intensiv den Ursprung des Aschenkreuzes.

„Bereits im Alten Testament wird die Bestreuung mit Asche als Zeichen der Buße erwähnt“, erläutert Pater van Zanten. So sei bei Jona zu lesen: „Als die Nachricht davon den König von Ninive erreichte, stand er von seinem Thron auf, legte seinen Königsmantel ab, hüllte sich in ein Bußgewand und setzte sich in die Asche.“

Heute, das weiß Pater van Zanten, hat die Fastenzeit ein anderes Gesicht. „In meiner Kindheit durften wir kein Fleisch essen, die Süßigkeiten wurden in einer Dose gesammelt und meine Mutter pflegte zu sagen: ‘In der Fastenzeit ist bei uns Schmalhans Küchenmeister, nur Vater bekommt Fleisch, da er als Gärtner schwer körperlich arbeiten muss.’ Also gab es Fisch, der damals sehr kostengünstig war. Zu Ostern wurde dann das Geld für die Tage des Nichtfastens in den Opferstock zur Kirche gebracht“, erinnert sich der Pater.

Heute kann Fasten ein bewusster Verzicht bedeuten: der Verzicht auf Alkohol, auf den ständigen Handy- oder Internet-Gebrauch, auf Süßigkeiten.

„Besonders das Heilfasten ist heutzutage angesagt. Denn auch auf den eigenen Körper zu achten, ist ein christliches Motiv in der Fastenzeit“, erklärt van Zanten. Der Verzicht kann sogar einen Sinn ergeben. „Etwa dadurch, dass ich die Zeit, die ich nicht im Internet verbringe, anderen Menschen widme und ihnen mehr Aufmerksamkeit schenke.“ Aber es mache auch Sinn, auf Bequemlichkeiten zu verzichten und sich auf sein eigenes Leben zu besinnen, seinem Leben Sinn geben. „Ich selbst habe immer geraucht, nur in der Fastenzeit nicht. Einmal wurde ich schwach, ich zog meinen Mantel an, um im benachbarten Geschäft Zigarren zu kaufen. Doch es regnete so sehr, dass ich doch nicht rausging und so das Fastenversprechen nicht brach.“ Nun raucht Pater van Zanten seit einigen Monaten nicht mehr. „Ich werde mir für die Fastenzeit etwas anderes überlegen.“

Messe mit Aschenkreuz

Heute wird er morgens für das 3. Schuljahr der Grundschule einen Gottesdienst halten, am Abend für die Gemeinde. „Die Aschermittwochsmesse ist immer gut besucht. Mit dem Aschenkreuz bekennen wir Christen, ein sündiger Mensch zu sein, werden uns aber unserer Endlichkeit bewusst: Bedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ So will heute Pater van Zanten in der Predigt die Vergänglichkeit thematisieren: „Jesus gibt uns den Sinn des Lebens und die Richtung an. Wir sollen das Leben annehmen und ihm Sinn geben.“

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