Ex-Bordellchefin soll 250 000 Euro ans Finanzamt zahlen

Die Angeklagte Marion B. mit ihren Verteidigern Philipp Hammes (links) und Klaus Warthuysen.
Die Angeklagte Marion B. mit ihren Verteidigern Philipp Hammes (links) und Klaus Warthuysen.
Foto: Funke Foto Services
Beim Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer in Kleve soll die ehemalige Eltener Bordell-Chefin Marion B. Steuern und Sozialabgaben nicht korrekt abgeführt haben.

Elten/Kleve..  Das Finanzamt darf sich auf einen kleinen Geldregen einstellen. Zumindest verbreitete die Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Kleve am Freitagnachmittag einen Verständigungsvorschlag, um das Verfahren gegen die frühere Eltener Bordell-Chefin Marion B. nicht weiter in die Länge zu ziehen. Die 64-jährige gebürtige Saarbrückerin mit niederländischem Pass soll für falsch oder gar nicht angegebene Steuer- und Sozialversicherungsabgaben aus den Jahren 2002 bis 2008 ein Geständnis ablegen. Dazu 250 000 Euro ans Finanzamt bezahlen.

Nur unter diesen Umständen käme die Ex-Chefin des an der Groenlandstraße liegenden Clubs „Casa Rossa“ um eine Gefängnisstrafe herum. Der Vorsitzende Richter Christian Henckel stellte eine Bewährungsstrafe von rund zwei Jahren in Aussicht. Dazu eine monetäre Strafe von 300 bis 360 Tagessätzen, was der Höchstsatz wäre, der sich über 3,33 Prozent des aktuellen Nettoeinkommens pro Monat definiert.

Kommenden Freitag werden Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Schwurgerichtssaal der Schwanenburg erklären, ob sie den Urteilsvorschlag annehmen.

Die Finanzamtszahlung sei nur schwer zu stemmen, erklärte Verteidiger Klaus Warthuysen: „Es gibt nur eine verkaufbare Immobilie.“ Jene in Arnheim muss wohl für die Schadensschuld dran glauben.

Zuvor hatte Richter Henckel der Klage von Staatsanwalt Hendrik Timmer entsprochen. Der hatte über Zeugen und Aktenlage versucht nachzuweisen, dass die im Eltener Bordell beschäftigen Frauen nicht selbstständig gearbeitet hatten. Deshalb hätte Marion B. als Arbeitgeberin für ihre Angestellten Steuern und Sozialversicherung abführen müssen. Was seit 2002 nicht geschah. Bekanntlich ist ein zweites Verfahren für die Jahre 2009 und 2010 anhängig.

Henckel schätzte aufgrund der Zeugen-Aussagen vor Gericht den Schaden. Er rechnete rund 326 700 Euro Umsatz pro Jahr für Marion B. Grundlage waren im Schnitt sechs Prostituierte pro Tag, dazu pro Dame drei Kunden mit einem Honorar von je 55 Euro. Der hinterzogene Gesamtabgabeschaden beläuft sich, so Henckel, auf 870 000 Euro. „Das ist eine Menge Holz“, wie der Richter anmerkte.

Vor allem eine Kriminalbeamtin, die seit dem Jahr 2000 auf dem Gebiet „Rotlichtmilieu“ im Einsatz ist, ließ das „Casa Rossa“ in keinem guten Licht stehen. Das Etablissement war seit 2003 diverse Male durchsucht worden.

Menschenhandel und Minderjährige

Zunächst ging es um den Verdacht, man habe gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Wenige Monate, nachdem Marion B. mit ihrem Mann das Haus übernommen hatte. Dazu gab es 2006 den Verdacht auf Menschenhandel. Drei Jahre später waren die Steuerfahnder wegen des nun laufenden Gerichtsverfahrens in den Räumlichkeiten aktiv. Auch ein Ermittlungsverfahren wegen angeblicher Beschäftigung Minderjähriger lief Anfang 2010.

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