Es kommt die Frau im Talar

Kirsten Ebben ist Pastoralreferentin in der Christophorus Gemeinde Emmerich, hier mit Pastor Peter Kossen im Bild, darf als Erste in der Region auch Beerdigungen durchführen. Foto Dirk Schuster WAZ FotoPool
Kirsten Ebben ist Pastoralreferentin in der Christophorus Gemeinde Emmerich, hier mit Pastor Peter Kossen im Bild, darf als Erste in der Region auch Beerdigungen durchführen. Foto Dirk Schuster WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Emmerich.. In Emmerich darf jetzt Pastoralreferentin Kirsten Ebben den Beerdigungsdienst übernehmen. Es ist eine Folge des Priestermangels.

80 bis 200 Beerdigungen stehen jedes Jahr in den Gemeinden St. Christophorus und St. Johannes der Täufer in Emmerich an. Ab sofort ist es möglich, dass Pastoralreferentin Kirsten Ebben in Rochette und Talar, dem lithurgischen Gewand, den Friedhof betritt und die Beisetzung übernimmt. „Ich habe es beim Bischof beantragt“, sagt Pastor Peter Kossen.

Zwischen Spiritualität
und Sozialarbeit

Bisher durften nur die drei Priester und fünf Diakone in Emmerich den Beerdigungsdienst vollziehen. Doch es herrscht Priestermangel wie in vielen Gemeinden. Die drei emeritierten Pfarrer in Emmerich bitten um Rücksicht, dass sie gerade in kalten Monaten nicht mehr so häufig auf den Friedhof wollen. Es bestand Handlungsbedarf.

Kirsten Ebben hat bereits in Isselburg Erfahrungen gesammelt, wo sie bis zu drei Trauergemeinden pro Woche betreute. Hierfür habe sie eine einwöchige Fortbildung absolviert: „Das war mir wichtig, um ein Gespür dafür zu bekommen, welche Texte und Gebete geeignet sind.“

Ebben wird Trauerbesuche in den Familien, Predigten sowie Beisetzungen übernehmen. Lediglich die Eucharistiefeier ist einzig den Priestern vorbehalten. „Das ist schon eine Erleichterung“, meint Kossen. Die Beerdigungen ohne Messe (etwa die Hälfte) können ganz ohne Priester stattfinden. In anderen Regionen wie dem Ruhrgebiet sei dies längst Usus. Erfahrungsgemäß werde es auch von den Katholiken akzeptiert. Entscheidend sei die persönliche Behandlung. Der Umgang mit dem Tod bewege sich auf der Grenze zwischen Spiritualität und Sozialarbeit. Kossen: „Da braucht man schon eine Hinführung. Gesunder Menschenverstand und Einfühlungsvermögen sind gefragt. Es ist ein Dienst, der uns wichtig ist. Aber Beerdigungen lassen sich nicht im voraus planen.“ Der Stadtpfarrer sieht gerade die Tatsache, dass eine Frau die Beerdigung durchführt, als Chance: „Frauen gehen anders an die Sache heran. Das ist eine Bereicherung.“

Wichtig ist Peter Kossen, dass niemand glaubt, nur bevorzugte Gläubige würden die „Priesterbehandlung“ bekommen. Es sei eine rein terminliche Entscheidung, wer welche Trauergemeinde begleitet.

Die Pastoralreferentin ist derzeit übrigens die einzige Kirchenbeschäftigte die in ganz Emmerich von Elten bis Praest eingesetzt wird – auf Antrag könnte sie auch Beerdigungen in Elten und Hüthum übernehmen.

 
 

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