Es geht um Ihr Hab und Gut!

Marco Virgillito
Betuwe Infos in der Baeckerei Tenbuelt in Vrasselt. Foto Dirk Schuster
Betuwe Infos in der Baeckerei Tenbuelt in Vrasselt. Foto Dirk Schuster
Foto: WAZ FotoPool
Persönliche Ansprüche beim Betuwe-Ausbau bis 2. Mai geltend machen. 210 sehr interessierte Bürger im Rathaus

Vrasselt/Praest. Es sind eindeutig die Backwaren, die in der Bäckerei Tenbült derzeit größeres Interesse erregen. Die Betuwe-Pläne, die die CDU als Service im Ladenlokal am Vrasselter Dorfplatz ausgehängt hat, kommen gegen die duftenden Leckereien nicht an. „Man kann eh nichts dran ändern“, meint der Mann, die Bäckerei verlassend. Das nennt man wohl Bahnverdruss. Auch die Bäckerei-Mitarbeiterin bestätigt: Wenige Kunden gucken wirklich auf die Pläne.

Auch wenn das Thema kompliziert ist: Die Bürger sollten nicht genervt abwinken! Noch bis 18. April läuft die Auslegungsfrist im Planfeststellungsverfahren (wir berichteten). Zwei Wochen länger – bis zum 2. Mai – haben die Bürger die Chance, ihre Bedenken einzureichen. Danach nicht mehr! Die CDU hat auf den Plänen in der Bäckerei unterstrichen, welche Hauseigentümer definitiv Anspruch auf passiven Lärmschutz haben. Das könnte etwa eine bessere Verglasung der Fenster sein. Fast alle anderen Häuser liegen zumindest so nah an der Bahn, dass es sich lohnt, die Ansprüche zu prüfen.

Bis gestern haben sich 210 Bürger bei der Stadt Emmerich die Unterlagen angesehen. „Das waren Menschen, die die Sachlage sehr ernst nehmen“, berichtet der 1. Beigeordnete Dr. Stefan Wachs. Allein vergangenen Donnerstag informierten sich 45 Bürger. Die Stadt ist insgesamt mit dieser Resonanz nicht unzufrieden.

Spezial„Es geht um Lärm- und Schallschutz, teilweise um Werteverlust des Grundstücks“, berichtet Wachs. Auch Argumente in Richtung Erschütterungsschutz, gegen eine Entwertung des eigenen Grundstücks, für eine bessere Wegeführung, für bessere Bahnunterführungen oder für Landwirte für eine bessere Erreichbarkeit der eigenen Felder könnten Berücksichtigung finden.

Ziel der Stellungnahmen ist zu prüfen, ob bestimmte Punkte vergessen wurden, die besondere Härtefälle auslösen, die bei anderen Lösungen nicht eintreten würden. Gegen die grundlegende Betuwe-Planung in den Stellungnahmen zu argumentieren, sei wenig erfolgversprechend, so die Stadt. Es geht um Verbesserungen im Detail.

Die Stadt bietet unter www.emmerich.de eine Orientierungshilfe. Dort sind auch beispielhafte Stellungnahmen zu finden. Die Beispieltexte sollten unbedingt mit eigenen Worten umgeschrieben werden, da sonst der Eindruck einer Massenstellungnahme erweckt wird – mit weniger Aussicht auf Erfolg (siehe Kasten).

Wer in Praest und Vrasselt wohnt, sollte sich die Planfeststellungsunterlagen im Rathaus ansehen. Im Grunderwerbsverzeichnis ist zu erkennen, ob das eigene Grundstück konkret von den Baumaßnahmen kurzzeitig (während Bauarbeiten) oder dauerhaft betroffen ist. Es könnte sein, dass die Bahn ein Stück Ihres Gartens kaufen will. Auch die Daten aus der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP liegt den Unterlagen bei) können konkrete Anhaltspunkte für Einwände bieten. Die UVP beschreibt die Wechselwirkung der Betuwe mit Mensch, Flora, Fauna und Umwelt. Allgemeine Aspekte wie Rettungswesen, Tier- und Umweltschutz werden von der Stadt vorgebracht.

In der Bäckerei zeigt der Duft des Aktenordners immer noch keine Wirkung: Kunde Marcel Mithöfer hatte von der Möglichkeit Betuwe-Ansprüche geltend zu machen, noch gar nichts gehört. Immerhin wohne seine Oma in Vrasselt am Dorfplatz. Die Orientierungshilfe der Stadt nimmt er sich jetzt – von der NRZ darauf angesprochen – jedenfalls gleich mal mit.