Emmerichs reiche Schatzkammer

Foto: Johannes Kruck / WAZ FotoPool
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Emmerich.. Pfarrer em. Paul Seesing öffnete die Schatzkammer in St. Martini Emmerich für eine Besuchergruppe.

Die Martinikirche wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Erst nach vielen Jahren des Wiederaufbaus gelang es, die Schatzkammer 1983 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie enthält die Kirchenschätze von St. Martini und Hochelten – sakrale Prunkstücke von Rang im Bistum Münster.

Von Zeit zu Zeit bietet Pfarrer em. Paul Seesing eine Führung durch die Schatzkammer an. Nun war es wieder einmal soweit. Die Veranstaltungsreihe „Montags in Martini“ läutete damit das Wintersemester ein. Etwa 20 Interessierte – fast nur Emmericher – veranlassten Seesing zu der Äußerung: „Gut, dass schon mal Gäste aus Emmerich kommen, denn Besucher aus Tokio oder Washington habe ich schon alle hier gehabt.“

Das reiche Stift St. Martini verfügte über kostbare Reliquiare mit Reliquien von Heiligen. Dadurch vermittelte man den Gläubigen die Gewissheit: Der Heilige ist bei uns! Das wohlhabende Damenstift Hochelten konnte ebenfalls auf kostbare Schätze verweisen, die auch in der Schatzkammer zu sehen sind.

Seesing begann mit dem Lucca-Kreuz, benannt nach der Stadt Lucca in der Toskana. Kennzeichen für das Kreuz ist der lange Rock, den Jesus trägt. Der Künstler wollte im Jahre 1150 mit seiner Darstellung des Korpus nicht den leidenden, sondern den wiederkommenden Christus zeigen.

Ältestes Stück:
die Schwurlade

Die Arche des Heiligen Willibrord ist das älteste Stück der Schatzkammer. In der jetzigen Form ist sie aber erst um 1500 entstanden. Dem ursprünglichen Reliquiar wurde um 1400 eine Kreuzigungsgruppe und um 1500 ein Sockel mit knienden Engeln hinzugefügt. Seesing konnte mit Stolz darauf verweisen, dass die Arche häufig ausgeliehen wird, z.B. für Ausstellungen in Münster, Utrecht, Paris, Köln oder im Stift Melk. Der Versicherungswert liegt bei fünf Millionen Euro. Allein für den Transport wurde ein besonderer Schrank gebaut.

Seesing wusste den staunenden Zuhörern auch zu erzählen, dass die Fürsten nach Regierungsantritt in Emmerich erscheinen mussten, ihre Hand auf die Willibrordiarche legten und durch Eid die Rechte der Stadt Emmerich beschworen.

In einer anderen Vitrine stehen zwei Kelche, die älter sind als 1250. Einer der beiden ist aus dem Eltener Schatz, der andere wird Willibrordikelch genannt – er wurde allerdings erst rund 500 Jahre nach dem Tod Willibrords hergestellt. Ein Schritt weiter fällt der Blick auf das Armreliquiar des Heiligen Martin, das aus dem Eltener Kirchenschatz stammt, ebenso wie die Statue des Heiligen Michael – zwei ebenfalls wertvolle Exponate.

Ein Turmziborium aus Hochelten mit sehr filigranen gotischen Arbeiten ziert neben anderen Ziborien die dritte Seite der Schatzkammer.

Die fachkundigen, zum Teil amüsanten Kommentare Seesings machten das Zuhören interessant, und man glaubte gerne seiner Behauptung, dass nach Meinung von Kennern die Emmericher Schatzkammer in Deutschland nach Aachen und Essen an dritter Stelle steht.

 
 

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