Emmerichs größter Steuerzahler aller Zeiten?

Der Prozess Menschenhandel im Fungarden neigt sich dem Ende zu.
Der Prozess Menschenhandel im Fungarden neigt sich dem Ende zu.
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Das behauptet der Angeklagte im Fungarden-Prozess. Der neigt sich dem Ende zu: Staatsanwaltschaft hat genug gehört

Emmerich/Kleve..  Es zeichnet sich ab, dass der Fungarden Prozess sich dem Ende zuneigt. Gestern stellten die Staatsanwälte den Antrag auf Teileinstellung. Konkret: Weitere acht Zeugen, die den Verdacht des Menschenhandels erhärten könnten, sollen nicht mehr gehört werden. „Einige bereits vernommene Zeugen haben den Beweis aus Sicht der Staatsanwaltschaft schon erbracht“, begründete einer der Staatsanwälte. In der gestrigen Verhandlung vor dem Klever Landgericht ging es um mögliche Steuerhinterziehung und darum, in welcher Höhe die Angeklagten Sozialversicherungsbeiträge hätten abführen müssen, falls die Hostessen tatsächlich Angestellte des Clubs waren und nicht – wie von der Verteidigung angegeben – als Selbstständige ihre Dienste angeboten haben.

Steuerberater befragt

Zunächst stand ein Steuerfachangestellter im Zeugenstand, der nicht nur für die angeklagten Inhaber der Clubs Villa Auberge und Fungarden tätig war, sondern auch einige dort tätige Prostituierte zu seinen Mandantinnen zählte. „Letztere waren in den Clubs selbstständig tätig“, sagte der 63 Jahre alte Zeuge. Beide Betriebe habe man ihm als „gewerbliche Zimmervermietung“ vorgestellt. Seines Wissens nach hätten die Mädchen Geld für die Zimmer und einen Teil ihrer Einnahmen aus der Prostitutionstätigkeit an den Inhaber, bzw. die Inhaberin abführen müssen. „Alle Mädchen wurden entsprechend angemeldet. Ich habe die Gewerbeanmeldungen in Kopie gesehen“, gab er an. Ob er diese Angaben auf Selbstständigkeit weitergehend überprüft habe, wollte der Vorsitzende Richter Christian Henckel wissen. „Das ist nicht meine Aufgabe“, entgegnete der Zeuge. Ob denn der Hauptangeklagte seine steuerliche Beratung verstanden habe, wollte Henckel wissen. „Ich weiß es nicht, ich glaube schon“, sagte der Steuerfachmann. Wie es denn um seinen Beratungsethos stehe, fragte der Richter. Eine Frage, die unbeantwortet blieb.

Ob jedes Mädchen, wie vom Gesetzgeber bei Selbstständigkeit gefordert, über ein eigenes Zimmer verfügte, vermochte der Zeuge nicht zu sagen. Schichtpläne will er nicht gesehen haben, die auf ein Angestelltenverhältnis hingedeutet hätten. „Wenn abends abgesprochen wird, ‘Wer ist denn morgen hier?’, könne man dies noch als Selbstständigkeit werten“, sagte er sinngemäß.

Auf die Einkünfte der Betriebe angesprochen, erklärte er, er habe nur die Gesamtumsätze gekannt. Wie hoch der abzuführende Anteil der Mädchen gewesen sei und wie viele Mädchen jeweils tätig gewesen seien, sei ihm nicht bekannt. „Wie trennen Sie denn dann die Positionen?“, fragte der Richter nach. „Wir trennen nicht“, lautete die Antwort. Für den Zeitraum von vier Monaten sind die Umsätze aus der Prostitution bekannt. Diese wurden vom Gericht zur Grundlage genommen, die möglicherweise unterschlagenen Sozialversicherungsbeiträge zu ermitteln. Hier kam ein Sachverständiger je nach Berechnungsmodell auf einen Schaden zwischen 1,96 und 2,6 Millionen Euro.

„Sicher, ich habe Fehler gemacht“, sagte der Hauptangeklagte in seiner Einlassung. Der Vorwurf des Menschenhandels sei aber „grober Unfug.“ Er selbst sei nach elfmonatiger Haft psychisch am Ende. Er sei davon ausgegangen, dass die Frauen rechtmäßig als Selbstständige tätig gewesen seien. Eines war ihm noch wichtig. „Ich bin sicher, dass in der Geschichte Emmerichs keiner mehr Steuern gezahlt hat als ich und mehr Frauen hat registrieren lassen.“ Der Prozess wird am 8. März fortgesetzt.

 

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