Emmerichs Draht nach Brüssel

Wo zuvor Kuriosa war, entsteht Fabio De Masis NRW-Regionalbüro: An der Steinstraße 29.
Wo zuvor Kuriosa war, entsteht Fabio De Masis NRW-Regionalbüro: An der Steinstraße 29.
Foto: FUNKE Foto Services
Fabio De Masi, Mitglied des Europaparlaments für Die Linke, eröffnet Samstag sein NRW-Regionalbüro an der Steinstraße 29. Aufbauarbeit in der Fläche.

Emmerich..  Am Samstag feiert Emmerich europapolitisch gesehen eine Premiere: Erstmals eröffnet ein Mitglied des Europaparlamentes ein Regionalbüro in Emmerich. Fabio de Masi, Die Linke, richtet sich an der Steinstraße 29 (ehemals Kuriosa) ein.

Brüssel, Straßburg, Hamburg

Wieso kommt der Hamburger (!), der ansonsten zwischen Brüssel und Straßburg pendelt, an den Niederrhein? „Es ist ein Experiment. Wir gehen dahin, wo es weh tut“, sagt der 34-Jährige. Denn aktuell erleben die Linken im Kreis Kleve nicht gerade ihre Hochzeit. 2010 hat die Partei bei der Landtagswahl in Emmerich noch 5,5 Prozent eingefahren, danach begann ein öffentlicher Zerfleischungsprozess, in deren Verlauf Politiker der Partei den Rücken kehrten.

Da die Partei sich in der Fläche stärker verankern will, sucht man sich Nischen wie diese: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt...“, drückt es der Politiker sprichwörtlich aus. Aufbauarbeit steht auf dem Programm.

Der Italo-Deutsche vertritt die Linken für Hamburg und NRW im Europaparlament. In Emmerich entsteht sozusagen sein NRW-Sitz. Trotz des engen Terminkalenders will der Europaabgeordnete Präsenz in Emmerich zeigen. Ansonsten werde sein Regionalmitarbeiter das Büro auch besetzen. „Wir wollen einen Anlaufpunkt schaffen“, sagt De Masi. Untermieter in dem Emmericher Regionalbüro sind zudem die Kreis Klever Linken, deren Mitstreiter im Ortsverband Rheinbezirk (Emmerich, Rees) die Räume auch mit Leben füllen.

Emmerich sei mit der Nähe zur niederländischen Grenze für seine europapolitischen Interessen gar nicht so abwegig. „Ich habe mich in Emmerich umgesehen und es hat mir gefallen. Die Industrie ist auch interessant mit der Oleo-Chemie oder Firmen wie Katjes und Probat.“ Gerne will De Masi der Draht Emmerichs oder des Kreises Kleve nach Brüssel sein: „Europa hat nur dann eine Perspektive, wenn es von den Menschen nicht als Bedrohung des Wohlstandes gesehen wird.“ Das müsse vor Ort kommuniziert werden.

Dass De Masi auch für NRW antrat, ist in seiner Vita begründet. Er war zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter von Sahra Wagenknecht, 1. stellvertretende Bundesfraktionsvorsitzende von Die Linke. „Ich habe für sie in NRW gearbeitet und so eine Verbindung aufgebaut“, schildert De Masi.

Das ist Fabio de Masi

Fabio de Masi ist Diplom-Volkswirt, Master der Internationalen Beziehungen (Südafrika) und Master der Internationalen Volkswirtschaft. Der Europaparlamentarier ist Mitglied des Sonderausschusses zu Steuervorbescheiden; Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Währung sowie stellvertretendes Mitglied des Ausschusses Verkehr und Fremdenverkehr im EU-Parlament; Mitglied in der interparlamentarischen Delegation der EU für Südafrika sowie stellvertretendes Mitglied in der interparlamentarischen Delegation der EU für Indien; Mitglied der interfraktionellen Gruppe für Integrität, Transparenz und zur Bekämpfung von Korruption sowie organisierter Kriminalität sowie Mitglied des parlamentarischen Netzwerkes der Weltbankgruppe und des Internationalen Währungsfonds. De Masis Thesen: „Die EU wird von Banken, Konzernen und Lobbyisten regiert. Ich will Gerechtigkeit statt Depression. Schluss mit der Rettung von Zockerbanken, Lohndrückerei, Steuerdumping sowie der Zerstörung der Binnenwirtschaft. Ich kämpfe für Abrüstung und Frieden in den internationalen Beziehungen. Die EU braucht neue Verträge und Volksabstimmungen.“

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