Emmericher Spital erhält erweitertes Qualitätssiegel

Bei der Übergabe des Siegels (v.l.): Volker Fischer-Kahle, Dr. Martina Scherbaum, Landrat Wolfgang Spreen, Holger Hagemann, Sylvia Guth-Winterink, Dr. Jochen Heger und Angelika Schulz.
Bei der Übergabe des Siegels (v.l.): Volker Fischer-Kahle, Dr. Martina Scherbaum, Landrat Wolfgang Spreen, Holger Hagemann, Sylvia Guth-Winterink, Dr. Jochen Heger und Angelika Schulz.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Die Verbreitung von MRSA oder MRGN soll eingedämmt werden – sorgsamer Umgang mit Antibiotika
  • Bei allen Patienten, die jetzt oder später stationär aufgenommen werden, wird ein Nasenabstrich genommen
  • Patienten nehmen Kontrollen als alltäglich hin - viele nutzen Desinfektionsmittelspender

Emmerich..  Wenn man den Patienten im Spital vermittelt, dass sie zunächst mal ins sogenannte Screening müssen, um zu überprüfen, ob sie auch keine gefährlichen Keime mitbringen, dann ist das heutzutage für die Patienten selbstverständlich. „Sie sind sensibilisiert. Sie verstehen, warum wir das machen“, sagt Dr. Jochen Heger. Auch habe der Ärztliche Direktor am Emmericher Willibrord-Spital beobachtet, wie immer mehr Besucher eigenständig die Desinfektionsmittelspender nutzen.

Infektionsfibel im Kittel dabei

Der tägliche Kampf gegen die Keime ist für die Bevölkerung zum Alltag geworden. „In 2015 wurden 41.000 Untersuchungsabstriche in den Kreis Klever Krankenhäusern genommen“, ergänzt Landrat Wolfgang Spreen. Das Willibrord-Spital möchte nach Außen demonstrieren, dass es die Gefahren durch Keime ernst nimmt und hat am Mittwoch als erstes Krankenhaus im Kreis Kleve den erweiterten Qualitätssiegel Euregio-net MRSA – kurz EQS2 – durch Landrat Spreen überreicht bekommen.

Vor zwei Jahren hat das Spital EQS1 erhalten. Ging es in Stufe 1 noch vor allem um den Aufbau von Netzwerken und die Verhinderung der Verbreitung des Keimes MRSA – Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus –, so standen für Stufe 2 der sorgsame Umgang mit Antibiotika und der Kampf gegen MRGN – Multiresistente gramnegative Bakterien – im Fokus. MRGN ist eine Sammelbezeichnung für eine große Gruppe von verschiedenen Bakterien.

„Die Prüfungskriterien sind sehr anspruchsvoll und bedeuten zusätzliche Arbeit“, sagte Spreen, der den Vertretern des Krankenhauses zu den gelungenen Anstrengungen gratulierte. Holger Hagemann, stellvertretender Geschäftsführer des Spitals, dankt dem Kreis Kleve für die gute Zusammenarbeit auf dem Weg zur Zertifizierung.

Angelika Schulz, leitende Hygiene-Fachkraft bei Pro Homine, erklärt, welche Maßnahmen ergriffen werden: „Wir screenen alle Patienten, die aufgenommen werden.“ Auch solche, bei denen eine stationäre Aufnahme ansteht. Dabei wird ein Nasenabstrich genommen, um Keimbesiedlungen auf die Spur zu kommen. Bei einem positivem Befund wird der Patient im Einzelzimmer isoliert und entsprechend behandelt. Es finden zudem Vergleiche mit anderen Krankenhäusern statt. Und einmal monatlich erfolgen Antibiotika-Visiten, bei denen schwere Fälle betrachtet werden. Alle im Krankenhaus tätigen Personen – vom Ehrenamtler bis zur „Raumfee“, so Schulz – seien sensibilisiert.

Ferner wurde eine Fibel im Taschenformat erarbeitet, die einmal im Jahr spezifisch für das Emmericher Spital überarbeitet wird: „Hier sind alle Infektionskrankheiten aufgeführt und wie sie zu behandeln sind. Es geht darum, Antibiotika möglichst engmaschig und nicht zu lang einzusetzen. Sonst entwickeln sich Resistenzen“, schildert Volker Fischer-Kahle, Arzt und Hygienebeauftragter.

Zeigen die Bemühungen Wirkung? „Wir merken, dass wir mehr finden. Und die Infektionsraten gehen zurück“, sagt Dr. Heger. Bei den Infektionsraten liege der Kreis Kleve im Bundesdurchschnitt, „aber es wird überdurchschnittlich viel untersucht“, verrät Dr. Martina Scherbaum, Amtsärztin des Kreises Kleve. Das zahle sich aus.

Netzwerk im Kreis Kleve funktioniert

Im Verbund Pro Homine haben nun alle neun Senioreneinrichtungen das Weseler Marien-Hospital und das Emmericher Willibrordspital dieses Siegel EQS2. Im Kreis Kleve ist seit 2007 ein Netzwerk aufgebaut worden in Abstimmung mit dem Kreis-Gesundheitsamt. Denn die Keimproblematik betreffe nicht nur Krankenhäuser, sondern alle Gesundheitsbereiche, so Spreen. Auf den Netzwerksitzungen im Kreishaus kämen im Schnitt 70 Vertreter zusammen.

EURE FAVORITEN