Emmericher Pfadfinder leben die große Freiheit

Wir sind alle Elefanten, und zwar ganz große! So grüßen die sechs- bis achtjährigen Pfadfinder aus Speelberg.
Wir sind alle Elefanten, und zwar ganz große! So grüßen die sechs- bis achtjährigen Pfadfinder aus Speelberg.
Foto: FUNKE Foto Services
Von wegen aus der Mode: Die Emmericher Pfadfinder leben die große Freiheit im Kinder- und Jugendalter. Nicht nur in den beliebten Sommerlagern – ohne IPhone, Computer und Co.

Speelberg.  Sommerlager. Zwei Wochen. Irgendwo im natürlichen Grün. Ohne Mobiltelefon. Mit allerlei Spielen unter freiem Himmel. Auf Gasflaschen wird gekocht. In Zelten geschlafen. 20 Kinder und Jugendliche passen in die große Jurte. Eltern? Sind weit weg. Der Spaß? Ist immer nah. Selbstständig und mutig, allein oder in der Gruppe handeln – das lernt man so ganz nebenbei.

Sommerlager. Wenn Anna König (19), Theresa Wankum (24), Sven Arens (17) und Nils Jonalik (18) auch nur das Wort hören, glänzen die Augen. Weil mit einem Sommerlager tolle Erinnerungen an die große Freiheit verknüpft sind. Keine kindliche Selbstverständlichkeit im fast schon diktatorischen IPhone- und Computer-Zeitalter.

Das junge Quartett zählt zur Leiterrunde der Emmericher Pfadfinder. Der Stamm mit gut 145 Mitgliedern und Sitz im Jugendzentrum an der Gerhard-Cremer-Straße in Speelberg hat sich nach dem polnischen Waisenhaus-Leiter und Mediziner Janusz Korczak benannt. Der Namenspatron stieg einst mit seinen von den Nazis todgeweihten jüdischen Kindern im 2. Weltkrieg in den Zug nach Treblinka. Obwohl er einen Freifahrtschein hätte haben können.

Korczak ist ein Held, der es mit Pfadfinder-Erfinder Robert Baden-Powell (1857-1941) locker hätte aufnehmen können. Der kernige Londoner, der in seinem ersten Pfadfinder-Buch von 1908 das Wandern nie als schlichtes Schlendern verstanden wissen wollte, ist im Sofa-Zimmer des Jugendheims an einer Wand verewigt.

Interessanter ist der Leitspruch, der unter einem Mosaik aus bunten und schwarz-weißen Teilen gepinselt wurde: Vielfalt statt Einfalt. Allein die bestickte Kluft der Pfadfinder unterstreicht von Offenheit, Hilfsbereitschaft und Mut. Alles Eigenschaften, die nie aus der Mode kommen sollten. Und wo lässt sich all dies besser umsetzen als im oben erwähnten Sommerlager?

„Natürlich sind die wöchentlichen Treffen schön. Da sind wir auch immer draußen unterwegs“, sagt Theresa Wankum. Wölflinge (sechs bis elf Jahre), Jungpfadfinder (elf bis 13), Pfadfinder (14 bis 16) und Rover (ab 16 Jahre) treffen sich mit ihren Leitern in Speelberg.

„Richtiges Pfadfinder-Leben live“, betont Anna König, „ist aber das Sommerlager, das Zelten, am Lagerfeuer sitzen, zusammen singen, mit einer Gruppe etwas unternehmen, Megaspaß haben.“

Die Schwärmerei ist nicht nur eine solche. Sondern beinhaltet einen hohen pädagogischen Wert. „Man wird offener, mutiger“, sagt Nils Jonalik. „Irgendwann blamiert sich jeder mal vor versammelter Mannschaft, auch das formt einen“, sagt Anna König.

Lambada-Tanz der Schlafmützen

Etwa wenn die Nachtwache im Lager, die bis morgens um 5 Uhr aufzupassen hat, sich das Stammesbanner von einem zeltenden Nachbarn hat klauen lassen. Die Schmach lässt sich wiedergutmachen. „Kommt schon mal vor, dass dann die Schlafmützen mit Badesachen im Regen einen Lambada-Tanz vorführen dürfen“, hebt Anna König lächelnd hervor.

Die Herausforderung eines Pfadfinders ist aber die Rover-Prüfung. „Wenn man die schwierige Aufgabe gelöst hat, ist man schon stolz“, sagt Nils Jonalik. Der 18-Jährige hat den Drei-Tage-Test, an dem mindestens drei Kandidaten teilnehmen, gleich zweimal gemacht.

Unangekündigt heißt es im Lager plötzlich: Fünf Minuten Zeit zum Packen! Ohne Handy, ohne Nahrung, ohne Karten, ohne Elektronik, ohne Geld muss ein bestimmter Ort gefunden werden, an dem es eine Aufgabe zu lösen gilt. Es kann morgens, mittags, abends oder in der Nacht losgehen. Die Kandidaten steigen mit verbundenen Augen in einen Kleinbus und werden auf unbekanntem Terrain entlassen: „Bis in drei Tagen . . .“

Die Laufdistanzen liegen bei schmackhaften 40 bis 50 Kilometern. Schlendern ist also eher unvorteilhaft, Gruppendynamik vonnöten. Geschlafen und gegessen wird dort, wo Fremde einem helfen mögen. „Danach bringt einen so schnell nichts aus der Ruhe“, sagt Sven Arens, der gemeinsam mit Nils Jonalik die Wölflinge-Gruppe leitet. Beide haben schon das rote Halstuch der Rover erkämpft.

Für die Jüngeren bleibt im Lager neben Schnitzeljagd, Baseball und vielen weiteren Gruppenspielen die Nachtwanderung der ultimative Höhepunkt. „Diese Mutprobe gehört einfach dazu“, versichert das Pfadfinder-Quartett. Erschrecken ist im dunklen Wald natürlich beabsichtigt. Ob hinter einem Baum oder in einer selbst gebuddelten Grube, maskiert oder geschminkt: Die Leiter-Garde versucht kreativ gruselig zu sein, damit es auch ja niemandem auf dem Parcour langweilig wird.

Wer mehr über die Emmericher Pfadfinder erfahren möchte, der ist auf der Internet-Plattform Facebook richtig. Einfach „DPSG Janusz Korczak“ eingeben. Dazu sucht der Trupp „Elefanten“ Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren. Kontakt: Oliver Mark 0151/23057037 .

Übrigens:

Ostersamstag sollen die Eier rollen. Wo, das steht noch nicht fest. Die Emmericher Pfadfinder sorgen in Zusammenarbeit mit Tom Sluyter, dem Leiter der Betriebsrentenstelle und Organisator des Ostereier-Sammelns für finanzschwache Familien, für 300 gut gefüllte Nester und 600 bunt bemalte Eier. Pfadfinder und Sluyter hoffen, dass Firmen oder private Spender ein Herz für Kinder zeigen.

Ein Teil des Erlöses, der am 4. April erzielt werden soll, geht an die fleißigen Pfadfinder zurück. Die werden das Geld vermutlich für Flüchtlingskinder einsetzen, diesen ein schönes Wochenende bereiten.

Interessierte können an sofort sich bei Tom Sluyter unter 0 28 22/9 77 18 22 oder per Mail bei info@betriebsrente-emmerich.de melden.

 
 

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