Emmerich: Willibrord-Spital schreibt schwarze Zahlen

Dr. Johannes Hütte ist seit  einem Jahr Geschäftsführer der Krankenhhaus-Holding „pro homine“.
Dr. Johannes Hütte ist seit einem Jahr Geschäftsführer der Krankenhhaus-Holding „pro homine“.
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Dr. Johannes Hütte ist seit gut einem Jahr Geschäftsführer der Krankenhaus-Holding „pro homine“. Im Interview mit der NRZ blickt er auf sein erstes Jahr zurück. Keine Sorge um den Standort Emmerich.

Emmerich/Wesel.  Seit gut einem Jahr ist Dr. Johannes Hütte (41) Geschäftsführer der Krankenhaus-Holding „pro homine“. Im Interview mit der NRZ blickt er auf sein erstes Jahr zurück und schaut nach vorn. Hüttes Kernbotschaft aus Emmericher Sicht: Um das Willibrord-Spital (723 Beschäftigte, mit Altenheimen ca. 1000) muss man sich derzeit keine Sorgen machen.

Wie war Ihr erstes Jahr?
Dr. Johannes Hütte: Ereignisreich, viel Neues, nicht zuletzt anstrengend, aber gemeinsam erfolgreich.

Der positivste Eindruck?
Die Mitarbeiter, die mich offen und freundlich aufgenommen haben und trotz schwierigen Umfelds im Gesundheitswesen zupackend mitgezogen haben.

Der negativste?
Man kann eigentlich nicht von einem „negativsten Eindruck“ sprechen. Sicherlich war es ein herber Rückschlag, dass wir gezwungen waren, die ambulante orthopädische Reha in Rees zu schließen oder auch dass die Horizont-Klinik nicht mehr fortbesteht. Aber es gehört dazu, dass Dinge versucht werden und eben nicht immer wirtschaftlich erfolgreich sein können. Dann muss man reagieren, um das große Ganze gleichwohl sicher weiter voran zu bringen.

Kunde oder Patient?
Das sind alles Patienten! Es wird oft ein Gegensatz konstruiert zwischen Kaufleuten und Medizinern. Als Geschäftsführer muss ich natürlich die wirtschaftliche Struktur im Blick haben. Ich arbeite mit den Chefärzten an Strategien, das macht mir Spaß.

Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihren Mitarbeitern beschreiben?
Klar, offene Kommunikation, transparent in den Anforderungen, mit der Fokussierung auf Stärkung der Eigenverantwortung. Mittlerweile haben sich die Mitarbeiter an meinen Führungsstil gewöhnt.

Und wie ist der?
Ich denke laut und bin relativ offen und direkt und formuliere meine Anliegen eher als Bitte denn als Anweisung ...

Wie oft sind Sie durch die Woche in Emmerich?
Weniger als ich möchte. Ich bin viel unterwegs, und die Zentrale mit allen übergreifenden Funktionen ist nun einmal in Wesel. Allerdings bin ich gerne in Emmerich und versuche mindestens einen Tag in der Woche ganztags im Willibrord-Spital zu sein. Es ist aber so, dass mich die Mitarbeiter in Emmerich gern häufiger sehen würden – was mich als kleines Kompliment freut. Insofern arbeite ich daran!

Schrieb Emmerich 2013 wieder schwarze Zahlen?
Ja, soviel kann ich schon sagen. Der Jahresabschluss liegt in den letzten Zügen.

Wie entwickelte sich die Bettenbelegung?
Wir haben eine positive Fallzahlentwicklung: von 7300 (2012) auf 7850 (2013), Steigerung 7,5 %. Pflegetage: 54 700 (2012) auf 59 000 (2013) Steigerung hier: 9,6 %.

Es ist einiges passiert, Stichwort Schließung des Bewegungsbades. Sind weitere Schließungen geplant?
Die wirtschaftliche Situation im Gesundheitswesen ist besonders im Krankenhaussektor zum Teil schwierig. Eine Folge davon ist natürlich, dass Krankenhäuser versuchen, sich auf ihre Kernleistungen zu konzentrieren und nicht wirtschaftlich zu betreibende Angebote einstellen bzw. durch alternative Angebote ersetzen. Dieses haben wir auch im Willibrord-Spital mit der Schließung des Bewegungsbades gemacht, indem wir gemeinsam mit unseren Therapeuten ein Alternativprogramm für unsere Patienten erarbeitet haben – leider profitieren hiervon externe Nutzer des Bades, die nicht im Rahmen einer Krankenhausbehandlung dort sind, nicht in dem Maße davon.

Muss man sich um den Standort Emmerich Sorgen machen?
Es ist Ziel der überregionalen Politik und der überregionalen Kostenträger, die Anzahl der Krankenhausbetten und der Krankenhäuser zu reduzieren bzw. zu konzentrieren. Der wirtschaftliche Druck wächst. Entscheidend für die Zukunftsfähigkeit sind ein sehr gutes und in der Bevölkerung akzeptiertes medizinisches Angebot und ein gutes Kostenmanagement. Insofern mache ich mir im Moment um das Willibrord-Spital keine Sorgen! Alle Mitarbeiter sind hochmotiviert in der Patientenversorgung, und wir sind gemeinsam dabei, unsere Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern!

Die Krankenhäuser kämpfen um Patienten, ja sogar um Hebammen und Babys: Hat sich das irritierende Verhältnis mit Kleve weder eingerenkt?
Grundsätzlich haben wir mit unseren Klever Kollegen ein gutes und partnerschaftliches Verhältnis. Selbstverständlich sind wir auch Wettbewerber um die Patientengunst im Kreis. Emmerich und Kleve liegen ja nur 15 km entfernt ...

Was wird aus dem Krankenhaus Rees?
Das ist für Rees ein sensibles Thema. Derzeit werden Baupläne für eine Nachnutzung erstellt. Wir können also im Moment gar nicht bauen, weil wir noch mitten in der Planung sind. Außerdem befinden sich die Energiezentrale und die Küche für das Agnes-Heim noch im Krankenhaus, solange der Um- und Neubau des Agnes-Heims nicht fertig ist. Wir möchten gern barrierefreie Wohnungen bauen mit Anbindung an das Agnes-Heim, sprechen aber auch mit anderen Nutzern, ob wir beispielsweise auch Ärzte mit hineinnehmen.

Die Krankenhäuser spezialisieren sich, punkten mit speziellen Abteilungen. Sind am Standort Emmerich Weiterentwicklungen denkbar? Derzeit entwickeln wir in verschiedenen Bereichen erweiterte bzw. neue medizinische Leistungsangebote. Dieses betrifft sowohl die Geriatrie z.B. mit der erfolgreichen Etablierung der Akutgeriatrie mit weiteren spezialisierten Angeboten für neurologisch-geriatrische Erkrankungen oder auch die weitere Spezialisierung bei den Lungenerkrankungen. Auch in der Knochenchirurgie haben wir weitere Spezialisierungen – z.B. Schulter – vorgenommen. Und Sie dürfen ganz sicher sein, dass im Verlauf des Jahres 2014 noch einiges in der Pipeline ist, von dem wir uns einen deutlich steigenden Zulauf von Patienten erwarten.

Dr. Johannes Hütte tammt aus Paderborn, wo er auch studierte. Er legte das erste Staatsexamen im Lehramt (Theologie) ab, schwenkte dann aber auf BWL um und promovierte. Berufliche Stationen waren Detmold, Hamburg und die Malteser in Köln, wo er als kaufmännischer Geschäftsführer der Krankenhaus-Tochter arbeitete. Hütte ist verheiratet, wohnt in Wesel und bezeichnet sich selbst als „bodenständig“. Sein Faible für die USA sticht in seinem Büro sofort ins Auge: Wolkenkratzer im Schnee, Sternenbanner und Farbenfrohes von Jasper Johns.

 
 

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