Eltenberg: Was für ein Irrsinn!

Informativ war der Rundgang der Bürgerinitiative mit Pater  Karl-Heinz Fischer, Wolfgang Wegener vom Amt für Bodendenkmalpflege und Johannes ten Brink,.dem „Erfinder“ der alternativen Gleisbettvariane.
Informativ war der Rundgang der Bürgerinitiative mit Pater Karl-Heinz Fischer, Wolfgang Wegener vom Amt für Bodendenkmalpflege und Johannes ten Brink,.dem „Erfinder“ der alternativen Gleisbettvariane.
Foto: WAZ FotoPool
Die Bürgerinitiative „Rettet den Eltenberg“ lud zu einem vorösterlichen Spaziergang ein, um die Auswirkungen der umstrittenen Böschungsvariante auf die Stabilität des Kultur- und Naturdenkmals deutlich zu machen.

Hochelten..  Das war ein vorösterlicher Spaziergang der ganz besonderen Art, zu dem die Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Eltenberg“ eingeladen hatte. An den Ort, für den die BI das Schlimmste befürchtet, wenn die Bergvariante zum Zuge kommt. Der Gruppe bei strahlender Frühlingssonne angeschlossen hatten sich auch Bürgermeister Johannes Diks, der 1. Beigeordnete Dr. Stefan Wachs, Elisabeth Riepe von der Unteren Denkmalbehörde und Wolfgang Wegener vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn.

„Sandbeule mit lästigen Bäumen“

Während der Exkursion über Stock und Stein machten Pater Karl-Heinz Fischer und Johannes ten Brink, der „Erfinder“ der alternativen Gleisbettvariante, die den Berg schonen würde und Elten die ersehnte Umfahrung brächte, die Auswirkungen anschaulich, die dem weitgehend denkmalgeschützten Eltenberg drohen. „1,2 Hektar wären betroffen“, stellte ten Brink fest.

Dass die Befürworter der Böschungsvariante von gerade mal 0,01 Prozent sprechen, um die der Berg schrumpft, ficht BI-Sprecher Hans-Jörgen Wernicke nicht an: „Da sieht man mal, wie viel 0,01 Prozent sind. Für die Planer ist das doch lediglich eine Sandbeule mit lästigen Bäumen!“

Aber nicht nur die einschneidende Veränderung der Optik wird von der BI kritisch gesehen. Pater Fischer, ein Kenner des historischen Grundes, weist gerne darauf hin, dass der Berg arbeitet, der Boden ständig in Bewegung und häufig unterspült sei. Er kann das auch mit frischen Rissen an einer Außenwand des Stanislaus-Kollegs belegen. Das hat mit dem sandigen Untergrund der eiszeitlichen Stauch-Endmoräne zu tun. Zunehmend mehr Mountainbiker befeuern die Erosion zusätzlich.

Durch die bergnahen Bauarbeiten seien neue Erschütterungen zu befürchten, die eine Gefahr für das einmalige Ensemble mit Drususbrunnen, der auszutrocknen droht, Stiftskirche und die übrige Bebauung darstellen könnte: „Wenn Sie das kaputtbaggern, können Sie das nur einmal“, mahnt er.

Wegen des instabilen Untergrundes bezweifelt Fischer, dass es auf den 733 m mit zwei Stützwänden getan ist: „Sie müssen auch eine rückwärtige Verankerung bekommen. Wenn man Wände von 17 m baut, muss man in den Boden rein. Dann sind wir 20 bis 22 m im Berg. Sie gewinnen einen Torso mit betonierter Flanke!“

Fischer wies auf einen Nebenaspekt hin: Danach sind im Krieg Ende 1944 von Klever Seite aus rund 500 000 Granaten in Richtung Eltenberg abgefeuert worden, weil man im Turm irrtümlich eine Flakstellung vermutete: „Wir wissen nicht, was hier noch so alles liegt.“

Auf der Bergwanderung vom Bergsporn mit der alten Fluchtburg bis zum 42 m hohen Englischen Hügel kommt die Gruppe ganz nah heran an die Stelle, wo die Erde beben dürfte, wenn für die neue B 8 die Bagger anrücken. Nur zehn Meter entfernt wär die Oberkante der Stützwand: „Das ist die Hauptabgrabung“, zeigt ten Brink auf den Punkt. „Was für ein Irrsinn“, entfährt es da einem BI-Mitglied.

Die BI wartet jetzt die Machbarkeitsstudie ab, die der Rat für die Gleisbettvariante in Auftrag gegeben hat. Wolfgang Wegener wird seinen LVR-Kollegen nun Bericht erstatten. Die Bodendenkmalpflege wird dann ihre Stellungnahmen zur Umweltverträglichkeitsprüfung und zum Einzelvorhaben abgeben. Wegener will die BI auf dem Laufenden halten.

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