Einwände – kinderleicht gemacht

Spielverderber Bahn: Tim, Amelie und Maja Hakken halten sich die Ohren zu, ein Zug rauscht mal wieder hinterm Garten vorbei.   Foto: Dirk Schuster
Spielverderber Bahn: Tim, Amelie und Maja Hakken halten sich die Ohren zu, ein Zug rauscht mal wieder hinterm Garten vorbei. Foto: Dirk Schuster
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Nicht nur die Erwachsenen können im Planfeststellungsverfahren Stellungnahmen abgeben. Tipps von einem Experten

Praest. Tim (10), Amelie (7) und Nesthäkchen Maja (5) genießen die Osterferien, hüpfen im Garten auf dem Trampolin herum. Doch kaum nähert sich wieder ein Zug, halten sie sich ganz fest die Ohren zu. Mal sind die Waggons leiser, mal lauter. Die Bahn als kleiner Spielverderber.

Familie Hakken lebt seit elf Jahren mit solchen kleinen Nadelstichen. Karin und André Hakken haben für sich und ihre Kinder an der Reeser Straße ein schmuckes Heim gebaut, mit Schallschutzfenstern nach vorne zur B 8 raus. Hinterm Garten erhebt sich ein Wall, dahinter verläuft die Bahntrasse, die dreigleisig ausgebaut wird. „Natürlich hatte man schon mal was von der Betuwelinie gehört“, sagt Karin Hakken, „aber wenn hier so viele Menschen wohnen, dann wird’s wohl nicht so schlimm werden, haben wir damals gedacht“. Aber es ist schlimmer geworden in gut zehn Jahren. Noch gravierender als den Lärm empfindet die 40-Jährige die Erschütterungen: „Ich mag es gar nicht, wenn das Haus wackelt. Ich fände es gut, wenn die Züge Schritttempo fahren würden. Dann wäre es leiser, und es würde nicht so rappeln.“

Laute Züge als Konzentrationsbremse

Tim besucht die 5d der Hanse-Realschule. Er erzählt: „Wenn ich mich mit meinen Freunden unterhalte, und ein Zug kommt vorbei, dann habe ich wieder vergessen, was ich sagen wollte.“ Er schlafe zur Straße raus, Mama und Papa zur Bahn: „Die hören das öfter.“ Amelies Schlafzimmer liegt im ersten Obergeschoss zur Seite hin : „Wenn ich schlafe, und es kommt ein Zug vorbei, werde ich wach und kann nicht mehr einschlafen, meistens lese ich dann.“

Vater André hat sich im Rathaus über das Planfeststellungsverfahren Praest informiert. Wie es aussieht, bleibt der Hakkensche Grund und Boden vom Ausbau wohl verschont. Dennoch wollen auch sie ihre Einwände gegen das Projekt geltend machen. Ex-Stadtdirektor Franz Kulka, der sich intensiv mit den Verfahrensabläufen beschäftigt hat, rät der Familie, für jedes Kind einzeln eine Stellungnahme abzugeben: „Das ist ja auch ein politisches Instrument.“ Je größer die Anzahl der Einwendungen sei, desto mehr Gewicht bekämen sie. Kulka weist auf Freiburg am Oberrhein hin, wo es 170 000 Einwände gab, worauf sich Politik und Bahn im Bürgersinne bewegt hätten. Man müsse den Wortlaut der einzelnen Stellungnahmen nicht groß verändern. „Man kann die einzelnen Einwände auch aufspalten“, empfiehlt Kulka. Je mehr, desto besser. Er hat selbst juristisch fundierte Vordrucke entwickelt. Ein Anknüpfungspunkt ist für ihn die in § 2 des Grundgesetzes festgeschriebene körperliche Unversehrtheit, die auch für Kinder gilt. Auch für Amelie und Maja. Wenn der Bahnübergang Grüne Straße aufgelöst wird, dann müssten die beiden Mädchen mit ihren Fahrrädern auf die andere Seite der vielbefahrenen B 8 wechseln, um zur Grundschule zu gelangen. Auch so ein Punkt, den man im Verfahren vortragen könnte.

Lärm macht krank - auch Bahnlärm!

Franz Kulka gibt keine juristische Beratung, hat aber Musterbriefe für Einwände konzipiert, die auch die Interessen der Kinder im Verfahren berücksichtigen. Außerdem hat er noch einige Exemplare des Lärm-Kompendiums der BI vom Mittel- und Oberrhein auf Lager: f.kulka@t-online.de

 
 

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