Eine milde Generalabrechnung

Torsten Tenbörg
Foto: WAZ FotoPool
Unter dem Strich steht beim Projekt Klärwerk-Ertüchtigung mit all seinen vielen Facetten eine Gesamtsumme von 8,5 Millionen Euro. Aussprache der Beteiligten

Isselburg.  Es könnte des Dramas letzter Akt gewesen sein. Noch einmal standen sich die Beteiligten aus Politik, Verwaltung und Ingenieur-Büro gegenüber, um über die Kosten für die Ertüchtigung des Klärwerks zu diskutieren. Die ganz große Generalabrechnung (im wahrsten Sinne des Wortes) wurde es nicht. Aber die stark auseinandergehenden Befindlichkeiten traten doch deutlich zu Tage.

So warfen mehrere SPD-Ausschussmitglieder der CDU vor, dass diese wissentlich mit falschen Zahlen und zu hoch prognostizierten Gebühren im Wahlkampf bei der Bevölkerung Ängste geschürt habe. „Wir hätten uns etwas mehr Ehrlichkeit gewünscht“, so Peter von der Lieth. „Wir als SPD standen mit dem Rücken zur Wand. Jetzt nach der Kommunalwahl ist die Sache entspannter. Irgendwann ist das Thema auch durch.“

Kosten getrennt

Die Christdemokraten wiederum prangerten erhebliche Versäumnisse bei der Kommunikation an, besonders zwischen den einzelnen Fachbereichen in der Verwaltung – aber auch zur Politik. Dies wollten Bürgermeister Rudi Geukes und Michael Carbanje, stellvertretender Leiter des Bauamtes, nicht auf sich sitzen lassen. So habe es jeden Monat eine Baubesprechung gegeben. „Transparenz ist zu jedem Zeitpunkt möglich gewesen“, rechtfertigte sich Carbanje.

Hans-Joachim Werner von WE-Consult wurde nicht müde zu betonen, dass es beim Klärwerk keine Kostenexplosion gegeben habe. Gebetsmühlenartig dividierte er dabei die Kosten für die eigentliche Ertüchtigung des Klärwerks und die weiteren finanziellen Mittel, die zum Beispiel für die Kanalnetzsteuerung oder die Volumenerweiterung des Regenrückhaltebeckens aufgewendet werden mussten, auseinander. Der Diplom-Ingenieur sei damals aus allen Wolken gefallen, als er erfahren habe, dass in der Kämmerei dies als ein Posten geführt wurde. „Der Gebührenzahler sieht im Endeffekt die Abwasserkosten, egal wie sie zustande gekommen sind“, entgegnete CDU-Fraktionschef Frank Häusler. „Die Kosten sind gestiegen und gestiegen.“

So haben insgesamt alle Maßnahmen im Abwasserbereich 8,5 Millionen Euro gekostet. Werner war es besonders wichtig, dass die eigentliche Errichtung der Kläranlage in dieser Summe aber nur mit 6,8 Millionen Euro zu Buche schlägt. So habe es bei den Maschinen Punktlandungen gegeben. Teuerer als vermutet wurden etwa die Rohrleitungen, was aber am Weltmarkt gelegen habe und den gestiegenen Preisen etwa bei Stahl und Kupfer.

Mehr Personal

Werner machte aber auch klar, dass die grundsätzliche Entscheidung zur Sanierung des Klärwerks richtig war. Ein zwischenzeitlich von der CDU ins Spiel gebrachter Anschluss ans Bocholter Kanalnetz sei keine Alternative gewesen.

Dass mittlerweile der Personalbedarf von vier auf sechs Stellen gestiegen ist, macht Werner nicht an der Sanierung fest. „Meiner Meinung nach, war die Kläranlage vorher immer unterbesetzt“, so der Diplom-Ingenieur, der zudem von einer Halbierung des Stromverbrauchs durch das neue Blockheizkraftwerk berichten konnte.