Ein Umdenken setzt sein

Am Dienstag den 06.11.2012: Bis zu 110 Pappeln am Holländerdeich in Rees-Millingen sollen gefällt werden. Foto:Roy Glisson/WAZ FotoPool
Am Dienstag den 06.11.2012: Bis zu 110 Pappeln am Holländerdeich in Rees-Millingen sollen gefällt werden. Foto:Roy Glisson/WAZ FotoPool
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Die Beurteilung des Wertes von Baumreihen für das Landschaftsbild am Niederrhein hat in den vergangenen Jahrzehnten einen Wandel durchgemacht. Viele Baumreihen aus Schwarzpappelhybriden wurden mit dem Argument geschlagen, diese Bäume seien hier nicht heimisch.

Rees..  Die Beurteilung des Wertes von Baumreihen für das Landschaftsbild am Niederrhein hat in den vergangenen Jahrzehnten einen Wandel durchgemacht. Viele Baumreihen aus Schwarzpappelhybriden wurden mit dem Argument geschlagen, diese Bäume seien hier nicht heimisch. Eine massive Umbauwelle setzte mit der Hiebreife der Bestände ein. Nun scheint sich hinsichtlich der Schwarzpappelhybriden ein Umdenken einzuleiten. Ein Thema, das durch die geplante Fällaktion am Holländerdeich in Millingen auch in Rees wieder ganz aktuell ist.

Landesministerium

Grund zu der Annahme, dass ein Umdenken stattfindet, gibt ein Schreiben des Landesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz. Es datiert vom 7. September dieses Jahres und ist an den Landrat des Kreises Viersen gerichtet. Darin wird die Umbauwelle der vergangenen Jahrzehnte noch einmal thematisiert. Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass diese Schwarzpappelhybriden nach den „Reparationshieben der Nachkriegsjahre aufgrund ihres schnellen Wachstums sehr schnell eine sichtbare Kulisse geschaffen haben und damit das Landschaftsbild mit gestalteten“. Auch auf weiter zurückliegende Historie wird hingewiesen, konkret, dass die Baumreihen gerade am waldarmen Niederrhein eine lange Tradition haben, die bis ins Mittelalter zurückreicht und die hofnahe Versorgung mit Holz sicher stellte.

Die aktuellen Proteste gegen die Fällaktionen – in Viersen wie auch in der hiesigen Region – hat zunehmend die Bevölkerung auf den Plan gerufen, die den Erhalt dieser Baumreihen und mehr Sensibilität im Umgang mit landschaftsbildprägenden Elementen fordern.

„Daher möchte ich Sie bitten“, schreibt das Ministerium an den Landrat, „im Rahmen Ihrer Möglichkeiten darauf hinzuwirken, das Abwägungsprozesse und Verwaltungsverfahren, die landschaftsbildprägende Baumreihen oder Alleen berühren, so gestaltet werden, dass ihrer besonderen Bedeutung Rechnung getragen wird. Die Nachvollziehbarkeit der Inanspruchnahme und die landschaftsbildschonende Nutzung der Baumreihen sollte transparent und nachvollziehbar sein. In diesem Zusammenhang ist auch die Wiederanlage der Baumreihen ein entsprechendes Augenmerk zu widmen.“ Soweit das Zitat.

Und noch mehr: Es wird darauf hingewiesen, zur Erhaltung des Landschaftsbildes Baumreihen anzupflanzen, die aus den früher typischerweise verwendeten Baumarten bestehen und damit die Charakteristik der Niederrheinlandschaft garantieren. Genannt werden in diesem Zusammenhang Eiche und Esche, aber auch Schwarzpappelhybriden.

In Viersen hat der Kreistag reagiert. In seiner Sitzung am 13. September, die Entscheidung über den Antrag einer BI zum Erhalt der Pappeln im Kreis Viersen zu vertragen. Seit nun auch das Landes-Umweltministerium als oberste Landschaftsbehörde den Kreis gebeten hat, seine Position zu überdenken, hat die dortige Kreisverwaltung vorgeschlagen, „bei Abwägung landschaftsökologischer und landschaftsästhetischer bzw. kulturlandschaftlicher Belange den Bürgerwünschen bezüglich des Erhalts von Pappelreihen größeres Gewicht einzuräumen.“ Diese wurde in dieser Woche mit großer Mehrheit vom Umweltausschuss so beschieden.

Dennoch geht das Fällen auch in Viersen weiter. Noch am Dienstag hat die Stadt Viersen zwölf mächtige Pappeln gefällt. „Die noch im Sommer aufwändig gepflegt worden sind“, ärgert die dortige Bürgerinitiative gegen das Fällen.

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