Ein Sparkassen-Urgestein geht von Bord

Horst  Balkmann bei der Verleihung der Bürger- und Jugendpreise der Stadtparkasse Emmerich-Rees 2011 im PAN. Auch nach der Fusion werden die Preise verliehen. Rund 200 000 Euro bleiben zur Sport- und Kulturförderung in der Region.
Horst Balkmann bei der Verleihung der Bürger- und Jugendpreise der Stadtparkasse Emmerich-Rees 2011 im PAN. Auch nach der Fusion werden die Preise verliehen. Rund 200 000 Euro bleiben zur Sport- und Kulturförderung in der Region.
Foto: WAZ FotoPool
  • Als Horst Balkmann 1969 bei der Sparkasse Emmerich anheuerte, war alles noch überschaubar
  • Die Bilanzsumme lag damals bei 45 Mio. Euro, die der neuen Fusions-Sparkasse 2,3 Mrd. Euro
  • Ein wenig stolz ist der scheidende Banker, die individuelle Vermögensverwaltung eingeführt zu haben

Emmerich.  1969 fing er bei der Stadtsparkasse klein an. „Alles war überschaubar, persönlich, familiär“, blickt Horst Balkmann (65) zurück. Die Bilanzsumme betrug umgerechnet 45 Mio. Euro, die der Fusions-Sparkasse Rhein-Maas liegt bei 2,3 Milliarden Euro. 2008 beerbte Balkmann, irgendwie logisch, Johannes Welmans als Vorstandschef. Heute geht Horst Balkmann von Bord. Nicht auf großer Bühne, sondern ganz bewusst dort, wo sein Schreibtisch stand: Auf der Vorstandsetage: „Hier war mein Leben, hier will ich mich auch verabschieden.“

Wie fühlen Sie sich kurz vor Toreschluss?

Horst Balkmann: Komisch, einfach komisch. Freuen? Nee!

Erleichtert, dass es vorbei ist?

Nur ein bisschen. Das Ding hier ist ja mein Leben.

Was fangen Sie mit der Freizeit an?

Ich werde die eine oder andere Reise nachholen und ein bisschen mehr Sport treiben. Die letzten neun Monate waren schon stressig. Ich werde sicher nicht der Gartenfreund werden.

Wer hat eigentlich zu Hause in finanziellen Dingen das Sagen?

Die grobe finanzielle Linie würde ich schon gerne vorgeben wollen, obwohl meine Frau ja auch als Bankkauffrau tätig war.

Ihr erstes selbst verdientes Geld?

Mein erstes Gehalt bei der Sparkassen waren um die 400 Mark. Immerhin.

Ihr größter Erfolg als Banker?

Stolz bin ich, dass diese kleine Sparkasse vor 15 Jahren die individuelle Vermögensverwaltung eingeführt hat. Das war anstrengend und schwierig. Ich war ja lange im Vertrieb. Ich kann mit Menschen. Ich wünsche mir auch in dem neuen, dreimal so großen Geldinstitut, dass meine Kollegen diese Kompetenz weiterentwickeln. Das ist total spannend.

Und ihre größte Enttäuschung?

Ich bin nicht mit der Rentabilität des Hauses zufrieden. Ich hätte mir gerne schönere Zahlen gewünscht. Eine bessere Rentabilität wäre aber zu Lasten von Personal und Sachkosten gegangen. Meine Geschäftspolitik war nie Gewinnmaximierung. Ich muss in der Fläche präsent sein. Das kostet natürlich Geld. Da muss man halt einen vernünftigen Mittelweg finden. Das ist eine gigantische Verantwortung.

Sie hätten noch bis Februar 2018 weiter machen können. Warum jetzt der Schnitt?

Das hat natürlich etwas mit der Fusion zu tun. Das ist jetzt ein guter Zeitpunkt, auch jüngere Kollegen ranzulassen. So ein Gebilde sollte nicht mit einem sechsköpfigen Vorstand starten. Da muss man ein Zeichen setzen und einfach anfangen.

Wann geht die neue Sparkasse Rhein-Maas an den Start?

Der Finanzminister sollte die Genehmigung bis 29. August erteilt haben, so dass die Sparkasse rückwirkend zum 1. Januar gegründet werden kann. Das hat den großen Vorteil, dass die drei Sparkassen keine Einzelabschlüsse für 2016 mehr machen müssen. An der Front ändert sich für die Kunden erstmal nichts. Der Kunde, der zur Hauptstelle oder zu den Filialen kommt, wird dort weiter seine bekannten Gesichter vorfinden. Die technische Fusion geht erst im Herbst 2017 über die Bühne.

Bleibt die Mitarbeiter- und Filialstruktur so erhalten?

Natürlich wird der Mitarbeiterstamm durch natürliche Fluktuation reduziert und zwar dort, wo ein Mitarbeiter nicht ersetzt werden muss. Wir brauchen nicht drei Orgas, drei Pressesprecher und drei Buchhalter. Bei den Filialen ist definitv keine Änderung geplant. Wir haben vor einigen Jahren drei Filialen in Haffen-Mehr, Leegmeer und Hüthum auf SB-Banking umgestellt. Das bleibt auch so. Weitere Eingriffe sind nicht geplant.

Schmerzt sie das Aus der Sparkasse Emmerich nach fast 175 Jahren?

Damit ist Emotion verbunden. Die ist da. Das berührt mich, das kann ich nicht ganz cool wegtun, schließlich bin ich bei der Sparkasse Emmerich seit 47 Jahren beschäftigt. Nun wird die Sparkasse Emmerich neu geboren, sie lebt in einem neuen Körper weiter.

Noch mal zu den Fusionsverhandlungen. Vergnügungssteuerpflichtig waren die sicher nicht ....

Am 26. Januar 2016 hat der Verwaltungsrat den Vorstand beauftragt, mit Kleve und Straelen zu sondieren. Es war schnell klar, dass wir offen und ehrlich miteinander umgehen müssen. Wir kannten ja die jeweiligen Stärken und Schwächen. Wir haben dann die Dreierfusion auf den Weg gebracht. Da blieb nicht mehr viel Zeit für Urlaub und Schlaf. Da müssen Sie fit sein. Am 4. Juli wurden die Verträge in Kleve unterschrieben. Das ist schon großes Kino.

 
 

EURE FAVORITEN