Ein gebackenes Dankeschön in Emmerich

Foto: FUNKE Foto Services
Mit Waffeln bereitete ein Sprachkurs der Emmericher Rheinschule eine Freude. Die 17 Teilnehmer pauken hier nämlich regelmäßig Deutsch – auf hohem Niveau.

Emmerich..  Silke Jelinski unterrichtet als Lehrerin an der Rheinschule. Und das gleich doppelt. Denn wenn nachmittags die Glocke klingelt und die meisten Schüler und Lehrer nach Hause gehen, ist für sie noch nicht Schluss. Seit September unterrichtet die Pädagogin eine Gruppe von vorwiegend Neubürgern aus Syrien. Es sind hochmotivierte Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und nun eines wollen: Deutsch lernen.

Eine besondere Gruppe

„Die Gruppe besteht aus geflüchtete Akademikern, die hier Fuß fassen wollen“, erklärt Jelinski. Dies mache auch das Besondere des Sprachkurses aus, der zweimal in der Woche für zwei Stunden in den Räumen der Schule stattfindet. Und die Tatsache, dass die meisten der Teilnehmer zumindest den Status „anerkannt“ haben. „Jedes Mal, wenn einer unserer Teilnehmer einen Pass bekommt, wird das gefeiert“, sagt Jelinski.

Dass der Sprachkurs einen Platz in der Grundschule am Mühlenberg gefunden hat, hat einen großen Vorteil. „Auch Teilnehmer die Kinder haben, können mitmachen. Sie müssen sich keine Gedanken um die Unterbringung der Kinder machen“, erzählt Rotraud Kemkes. Kemkes hilft ebenso wie Dörte Ratay und auch Jelinskis Sohn Tom bei dem Sprachkurs. Und der hatte gestern mal ein ganz anderes Programm als sonst. Waffelbacken stand auf dem Stundenplan. Und zwar als Dankeschön an die rund 170 Kinder der Schule, sowie deren Lehrer. „Integration funktioniert über das Essen doch am besten“, weiß Jelinski. Daher die Aktion. Die Schule stelle nicht nur Räume zur Verfügung sondern auch Materialien. Zudem spielten die Erwachsenen gern auch mal mit den Kindern Tischtennis. Eifrig standen die Frauen und Männer des Sprachkurses daher schon am frühen Morgen an den Waffeleisen und produzierten das frische Gebäck.

Auch Aleen aus Syrien. Waffeln gibt es in ihrem Heimatland auch. Und diese als Dankeschön für die Kinder zu backen, „bereitet Spaß“, erzählt die 20-Jährige. Deutsch kommt ihr schon gut über die Lippen. Dabei ist sie nach einer einmonatigen Flucht erst seit fünf Monaten in Emmerich. Gemeinsam mit dem Vater hat sie die Strapazen auf sich genommen. Und will es hier nun schaffen. Ihr Traum? Ein Studium der Medizin.

„Ich möchte Kardiologin werden“, sagt sie. „Doch dafür benötige ich ein C1-Zertifikat.“ Dieser Sprachnachweis wird an den Universitäten vorausgesetzt. Daran, dass Aleen diesen bekommt, arbeiten Silke Jelinski und ihre Mitstreiter eifrig. Die Lehrerin hatte sich bei der Stadt gemeldet und gesagt, dass sie einen Sprachkurs eben für geflüchtete Akademiker geben möchte. Schnell hatte sich da, dank der Hilfe aus dem Sozialamt, die Gruppe gefunden. Auch Khalil gehört zu dieser. Gestern backte der Syrer fleißig Waffeln. Doch eigentlich möchte der Zahnarzt viel lieber in seinem Beruf arbeiten. Das Angebot, einen Emmericher Zahnarzt zu unterstützen, hat er schon. Fehlt nur noch ein offizieller Sprachnachweis.

Und von diesem träumen eigentlich alle Teilnehmer des Sprachkurses, wie deren erstellte Wunschliste zu Weihnachten zeigt. Drei Dinge haben die Menschen aus Syrien, Iran, Eritrea, Griechenland und Afghanistan darauf notiert: Sicherheit, Frieden und einen Deutschkurs.

 
 

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