Dressurpferde gehen von Haldern in die ganze Welt

Der große Treck steht den Tieren noch bevor. Jedes Jahr werden die Stuten und Fohlen des Gestüts Babiacki vor dem Haldern Pop-Festival auf eine andere Weide umquartiert.
Der große Treck steht den Tieren noch bevor. Jedes Jahr werden die Stuten und Fohlen des Gestüts Babiacki vor dem Haldern Pop-Festival auf eine andere Weide umquartiert.
Foto: Funke Foto Services
Das Gestüt Abram Babiacki züchtet Hannoveraner. Für das Haldern Pop-Festival werden die Stuten und Fohlen – alle Jahre wieder – von der Lohstraße auf andere Weiden umquartiert

Haldern..  Alle Jahre wieder das gleiche Prozedere. Stuten und Fohlen des Gestüts Abram Babiacki müssen umziehen, wenn die Haldern Pop-Fans anrücken. „Dann werden unsere Weiden zu Park- und Zeltplätzen für die Festival-Besucher“, erklärt Bernhard Ueffing, seit 48 Jahren der Betriebsleiter an der Lohstraße. Ende dieser Woche war es wieder soweit. Der Umzug mit Pferdeanhängern stand an.

Für Bernhard Ueffing ein Termin von vielen in seinem Jahreskalender. Einer der wichtigsten: Die Zeit, wenn die Fohlen geboren werden. Denn sie sind das Kapital des landwirtschaftlich geführten Betriebs. In diesem Jahr erblickten auf dem Gestüt „nur“ sieben Fohlen das Licht der Welt. „Eigentlich hätten es zwei mehr sein sollen“, sagt Ueffing. Der Betrieb besitzt nämlich neun Hannoveraner-Zuchtstuten. Dennoch ist der 64-Jährige nicht unzufrieden. „Alle sieben bewegen sich gut“, hat der Fachmann gleich gesehen. Sich gut zu bewegen ist nämlich das beste Zeichen dafür, dass die Fohlen als ausgewachsene Pferde dressurtauglich sind.

„Hier ist kein Tag wie der andere“

Das Gestüt begründet hat Ueffings Schwiegervater Abram Babiacki. Durch Heirat ist Ueffing in den Betrieb eingestiegen. „Und irgendwann ist es zu meiner Lebensaufgabe geworden“, sagt er. Eine, die er mit Leidenschaft betreibt. „Natürlich gibt es Rückschläge, wenn sich ein Pferd beispielsweise verletzt“, sagt er. Dennoch möchte er seinem Job mit niemandem tauschen. „Hier ist immer was los, kein Tag ist wie der andere“, sagt er und schmunzelt. Vor fünf Wochen hatte er Besuch aus Japan. Eine Kaufinteressentin. Sie hatte sich zunächst ihr Wunschpferd via Video angesehen. „Das ist heute üblich, von fast jedem Pferd gibt es ein Video, damit sich der Kunde im Vorfeld ein Bild machen kann“, sagt der Chef des Halderner Gestüts. Zum Handschlag und damit zum Kauf kommt es erst auf dem Hof selbst. „Ross und Reiter müssen einfach zusammenpassen. Da muss eine Harmonie zwischen den beiden bestehen“, weiß der Chef.

Die Pferde des Gestüts Babiacki gehen in alle Welt, nach Paris, Moskau und nach Mallorca, nach Amerika, Korea, Brasilien und sie machen bei Internationalen Turnieren von sich reden. Auch wenn ein Pferd in Australien wie jetzt im Frühjahr den Großen Preis abgeräumt hat, erfährt Ueffing davon. „Die Besitzer schicken und dann ihrerseits Videos“, erzählt Ueffing. Welche erfolgreichen Reiter auf seinem Hof welche Pferde erworben haben, da gibt sich der Chef etwas zugeknöpft, verweist aber auf die Wand hinter seinem Schreibtisch mit bekannten Dressurreitern in Aktion. „Fairerweise müssten wir sie vorher fragen“, sagt er. Aber auch Tochter Stefanie Steinhauf hat von sich reden gemacht, hat vor Jahren in Neuss den Grand Prix geholt.

Nicht nur sie, auch Ueffings Tochter Christina Voß arbeitet als Bereiterin auf dem Hof, der neben dem Chef, zwei Pferdewirtinnen, zwei Pferdewirt-Azubis und fünf Bereiterinnen, davon arbeiten die meisten in Teilzeit, und einigen Halbtagskräften für die Tätigkeiten im Stall und auf dem Hof Arbeit gibt.

Nachfolge gesichert

Die Fohlen, die an der Lohstraße geboren werden, bleiben mindestens viereinhalb Jahre in Haldern, werden hier angeritten und ausgebildet. Viele von ihnen „spielen“ später als Dressurpferde in der Klasse „S“, der höchsten Klasse mit. „Es gibt aber auch immer wieder Pferde, die nicht zur Dressur geeignet sind“, sagt Ueffing. Die spülen zwar nicht so viel Geld in die Kasse. „Haben sicher aber kein schlechteres Leben“, sagt der Chef, der sich keine allzu großen Sorgen um die Zukunft seines Gestüts machen muss. „Es sieht so aus, dass ich Nachfolger habe.“ Auch die Kunden bleiben treu. „Wir sind in der Branche als reell bekannt, haben uns einem Kundenstamm aufgebaut, der immer wieder kommt“, sagt Ueffing. Das helfe, Durststrecken, die jedes Unternehmen kenne, zu überstehen.

 
 

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