Diese Studie nimmt keiner ernst

Emmerich/Rees.. Überlegungen, die Betuwe linksrheinisch über Kleve verlaufen zu lassen, sind unausgegoren. Meinen Politik, Verwaltung und Bürgerinitiativen.

„Was für ein Schwachsinn“, wettert Norbert Gies, „das ist doch ein Theaterdonner in der Sauren-Gurken-Zeit.“ So drastisch wie der Sprecher der Bürgerinitiative „Betuwe – so nicht!“ drückt es zwar sonst keiner aus, aber im Prinzip stimmen ihm alle zu.

Die in einer Studie des Umweltbundesamtes vorgestellte Variante, die Betuwe-Route über Krefeld-Kleve-Elten verlaufen zu lassen, scheint unausgegoren (die NRZ berichtete Samstag). „Ich gehe nicht davon aus, dass diese Studie das Planfeststellungsverfahren wesentlich beeinflussen wird“, meint Dr. Barbara Hendricks, SPD-Bundestagsabgeordnete.

„Jetzt machen sie auch
noch Verkehrspolitik“

„Die ganze Strecke zwischen Krefeld und Kleve ist nicht elektrifiziert“, ergänzt Paul K. Friedhoff, FDP-Bundestagsabgeordneter. Der Bauumfang auf der anderen Rheinseite (Lärmschutz, Bahnübergänge etc.) wäre mindestens genau so groß. Und wahrscheinlich teuerer.

„Die haben im Umweltbundesamt nichts zu tun. Jetzt machen sie auch noch Verkehrspolitik“, wettert Paul K. Friedhoff. „Es gibt Beschlüsse im Kabinett. Bund, Land, Bahn – das ist alles rund.“

„Die Studie bringt eine Menge Verwirrung“, sagt Elke Strede, Reeser Bauamtsleiterin, in Abwesenheit des Bürgermeisters. Keine Betuwe, kein Lärmschutz, erinnert sie: „Die Deutsche Bahn ist nicht verpflichtet, an einer bestehenden Trasse weiteren Lärmschutz einzurichten. In Rees und den Ortsteilen würden wir weiter mit dem Lärm leben müssen und stünden vor den geschlossenen Bahnschranken.“

„Das Umweltbundesamt hat die Studie zwar in Auftrag gegeben, aber das heißt nicht, dass es sich die Studie auch zu eigen macht. Man muss die Qualität der Aussagen schon in Frage stellen. Über Emmerich werden lediglich vier, fünf Sätze verloren. Das ist für mich keine Studie, sondern eine Idee. Die Stadt Emmerich jedenfalls befasst sich nur mit der jetzt anstehenden Planfeststellung“, bringt es Dr. Stefan Wachs, Erster Beigeordneter der Stadt Emmerich, auf den Punkt.

Auch Karl-Heinz Jansen, Vorsitzender der IG Biss, kann die Ernsthaftigkeit der Studie nicht erkennen. 1. Der Zeitpunkt, sie kurz vor Beginn der Planfeststellung zu veröffentlichen, sei „merkwürdig“. 2. Will man tatsächlich zwei neue Brücken (Rhein und Altrhein)? Was soll das kosten? 3. Es geht durch ein Landschaftsschutzgebiet: „Uns wurde immer gesagt, dass sei nicht machbar.“ Jansen ärgert, dass das Bundesumweltamt jetzt einsehe, dass der Preis für die Realisierung der Betuwe (bis zu 1,4 Milliarden Euro) zu hoch sei, und dass die Belastung für die Ortschaften zu hoch seien: „Das haben wir immer gesagt.“

Nicht verstehen kann auch Joachim Joosten vom Lions-Club Emmerich-Rees den Sinn der Studie: „Mit der Verlagerung der Trasse, verlagert man nur die Probleme.“

 
 

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