Die Vorbereitungen für 3. Gemeindetag laufen

Pfarrer Peter Kossen hinten rechts bereitet Gemeindetag 2011 vor.  Foto Dirk Schuster WAZ FotoPool
Pfarrer Peter Kossen hinten rechts bereitet Gemeindetag 2011 vor. Foto Dirk Schuster WAZ FotoPool
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Emmerich. 3. Gemeindetag ist mehr als ein Kirchentag auf Stadtebene. Er soll die Distanz zu anderen Kulturen und Religionen verkürzen.

Der 3. Gemeindetag ist mehr als ein ökumenischer Kirchentag auf Stadtebene. Erstmals können sich am Samstag 26. März, 10 bis 18 Uhr, auch andere in Emmerich ansässige Glaubensgemeinschaften mit Migrationshintergrund im Gymnasium präsentieren: Muslime, Aleviten – und der Yezidische Kulturverein Kreis Kleve (Mala Ezdia).

Pastor Peter Kossen, Wolfgang Peter, Hermann-Josef Tebaay, Maria Köster und Brigitte Peerenboom erläuterten gestern Intention und Ablauf des Gemeindetages, zu dem bisher 500 bis 600 Besucher strömten. Auch Suleyman Demir, Vorsitzender des Kulturvereins, und sein Stellvertreter Huseyin Ezer erschienen zu dem Pressetermin.

Einiges auf
der Pfanne

Das Motto des Gemeindetages 2011 von St. Christophorus/St. Johannes der Täufer lautet: „Vielfalt tut gut“. Es könne auch heißen: Vielfalt bringt auf den Geschmack. Denn die teilnehmenden Gruppen haben auch kulinarisch einiges auf der Pfanne. Vorträge (Schwerpunkt: Pilgerstätten), Tänze, Gesang, Workshops, Bibelarbeit, Konzert und Führungen in polnischer Sprache sind nur einige Angebote. Und während sich die Eltern an den diversen Info-Ständen informieren, ist für Kinderbetreuung gesorgt.

„Wir glauben, dass wohltuende Vielfalt sich im friedlichen Miteinander der Kulturen und Religionen in unserer Stadt ausprägt“, so Kossen: „Wir setzen auf geteilte Verantwortung für das Gemeinwohl und glauben, dass die Weisheit der Religionen zu einem friedlichen und fruchtbaren Miteinander hilft.“

Der Gemeindetag möchte Vorurteile über Fremdartiges abbauen und Stammtischgeschwätz entgegenwirken. So haben Yeziden nichts mit Muslimen oder gar Islamismus zu tun. Die Yeziden selbst behaupten, ihre Religion sei älter als das Christentum.

In Emmerich leben rund 100 yezidische Familien, 90 Prozent sind eingebürgert, fest integriert, sagt Ezer, der gut Deutsch spricht. Das Vereinshaus liegt im Ossenbruch. Es gibt kleine Erfolge, aber die Yeziden kämpfen auch im Kreis Kleve um Anerkennung, haben Probleme mit Behörden, wie Demir und Ezer berichteten. Oft sei einfach nur Unkenntnis die Ursache. Ein Missverständnis: „Wir sprechen kurdisch, nicht türkisch“, betont Ezer. Leider gebe es aber in Schulen nur Türkisch-Unterricht. Und: „Der Kreis Kleve tut zu wenig für unsere Jugendlichen, was sie besser motiviert, so dass sie sagen können: Hier gehören wir hin.“ Demir: „Deutschland ist die zweite Heimat von Yeziden. Hier gehören wir hin, ob Sie wollen oder nicht!“

Aber weil Integration keine Einbahnstraße sein kann, möchten auch die Yeziden beim Gemeindetag auf andere zugehen. Dass die sich genötigt fühlen könnten, zu konvertieren, diese Gefahr besteht nicht: Yeziden kennen nämlich keine Missionierung. Yezide ist man von Geburt an – oder eben nicht.

 
 

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