Die seltene Zucht der Weißen Schweizer Schäferhunde

Maria Raudszus
Manuela Fraßa mit ihren gelehrigen Hunden. Die Millingenerin züchtet Weiße Schweizer Schäferhunde.
Manuela Fraßa mit ihren gelehrigen Hunden. Die Millingenerin züchtet Weiße Schweizer Schäferhunde.
Foto: WAZ FotoPool
Er ist immer noch eine eher seltene Hunderasse in Europa. Beinahe wäre die Art sogar ausgerottet worden. Nach vielen Jahrzehnten fand der Weiße Schweizer Schäferhund seinen Weg zurück nach Deutschland. Die Züchterin Manuela Fraßa aus Millingen ist begeistert von deren Charakter.

Millingen. Üblicherweise trägt Darinka, kurz Dari gerufen, den kleinen Ball immer wieder zu Manuela Fraßa, wenn die gerade mit dem Mäher über den Rasen fährt. In der Hoffnung, dass Frauchen mitspielt und das Bällchen stets erneut wegschleudert. An einem Hochsommertag verhielt sich Dari plötzlich anders. Sie legte den Ball neben das Grün und hielt sich dicht an der Seite von Manuela Fraßa. „Kurz darauf wurde mir übel, ich sah Sternchen“, erinnert sich die heute 50-Jährige. Sie hatte offenbar zu wenig getrunken, der Hund hatte die schlechte Verfassung seines Frauchens gespürt. „Dari ist sehr feinfühlig, ein typisches Merkmal der Rasse“, sagt die Millingerin. Dari gehört zur Rasse "Weiße Schweizer Schäferhunde", die die Inhaberin einer Hundeschule seit 2009 züchtet.

Zu Unrecht Erbdefekte angelastet

Dabei wäre der Weiße Schäferhund, der vom Deutschen Schäferhund abstammt, um ein Haar ausgerottet worden. Im Jahre 1933 wurde nämlich die Farbe Weiß aus dem Rassestandard des Deutschen Schäferhunds gestrichen. „Grund war, dass man ihm alle Erbdefekte bei der Zucht anlastete wie Blindheit, Unfruchtbarkeit“, erklärt die Züchterin. „Was aber nicht stimmt, wie man längst weiß“, klärt sie auf. Gottlob wurden damals aber einige weiße Schäferhunde in die USA und nach Kanada exportiert, die die Basis für neue Züchtungen wurden. Von dort kam der weiße Schäferhund in den 1970er-Jahren nach Europa zurück.

Den ersten brachte eine Schweizerin aus den USA mit. „Von der Schweiz aus verbreitete sich der Weiße Schweizer Schäferhund über ganz Europa. Es sollte aber noch viele Jahre dauern, bis die Rasse offiziell durch die "Fédération Cynologique Internationale" anerkannt werden sollte. 1991 hatten die Züchter Druck gemacht, nachdem die Zahl dieser Hunderasse stark zugenommen hatte. „Das gelang erst zum 1. Januar 2003, zunächst vorläufig, schließlich endgültig zum 4. Juli 2011“, sagt Manuela Fraßa.

2005 Hundeschule eröffnet

Damals dachte Manuela Fraßa noch nicht ans Züchten, einen weißen Schäferhund hatte sie sehr wohl schon. „Auf diese Rasse war mein Mann aufmerksam geworden“, erzählt sie. 1998 kam dann Sina ins Haus, ein weißer Schäferhund ohne Papiere. Erst als die Fraßas 2005 zur Straße Zum Millinger Meer zogen und sie ein großes Grundstück ihr eigen nennen konnten, baute Manuela Fraßa ihre Hundeschule auf und es wuchs der Wunsch, weiße Schäferhunde zu züchten.

Vor rund sieben Jahren kam dann Dari, mit vollständigem Namen heißt sie Darinka Emira von Amira Asagera, ins Haus. Sie bestand nicht nur den Gentest, sondern auch die Zuchttauglichkeitsprüfung, für die zudem zahlreiche Untersuchungen Voraussetzung sind. Acht Welpen zählte ihr erster Wurf. Inzwischen ist Dari kein Zuchthund mehr, aber ihre Töchter Anni und Aby. Isi, eine Hündin aus einem späteren Wurf, muss noch auf Zuchttauglichkeit geprüft werden. Ebenso wie Rüde Malik, den das Ehepaar Fraßa gekauft hat, um die Deckkosten, die jeweils 1000 Euro verschlingen, einzusparen.

37 kleine Welpen

37 kleine weiße Welpen sind in den vergangenen Jahren in Millingen zur Welt gekommen. „Habe ich anfangs noch Werbung machen müssen, ist dies heute nicht mehr nötig“, sagt die Züchterin. Schon vor dem Geburtstermin laufen die Bestellungen für die Hunde ein, die Manuela Fraßa mit biologisch artgerechtem Futter fit hält. „Rohes gewolftes Fleisch, angereichert mit Gemüsepüree und Mineralien“, erklärt die Fachfrau, die übrigens die Novellierung des Paragrafen 11 des Tierschutzgesetzes begrüßt. Dieser fordert seit dem 1. August, dass Hundetrainer und Züchter entsprechende Sachkunde nachweisen müssen. Fraßa: „Das ist gut für die Tiere, bietet gleichzeitig den künftigen Haltern Sicherheit.“