Die Kritiker hatten doch recht

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Die heimliche Blockverdichtung ärgert alle. Dennoch haben alle damit gerechnet.

Emmerich. Jetzt passiert also doch genau das, wovor die Kritiker der Betuwe-Route immer gewarnt haben: Der Hafen Rotterdam erhöht nach dem Ausbau die Kapazitäten. Es rollen noch mehr Züge. Dicht an dicht. Die Bahn selbst vermeidet das belastete Wort „Blockverdichtung“. Aber praktisch ist es so. Die Bahnschranken in Emmerich sind deutlich länger unten als vorher. Ohne drittes Gleis, ohne modernen Lärmschutz.

Norbert Gies, Sprecher der Bürgerinitiative „Betuwe – so nicht!“ mag sich gar nicht mehr aufregen: „Das haben wir genau so erwartet. Die Bahn macht sowieso was sie will. Ein Trauerspiel für Emmerich.“ Der ewige Warner resigniert: „Am Hafen Rotterdam wird nach der Fertigstellung der Erweiterung von Maasvlakte 2 schon Maasvlakte 3 geplant. Da kommen noch mehr Züge!“

Eine Idee zur Beschleunigung

„Jetzt rächt es sich, dass man nicht weiter nach alternativen Routenführungen gesucht hat. Man wusste schon lange, was da an Zügen kommen würde“, sagt Karl-Heinz Jansen, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Betuwe-Initiative Sicherheit Siedlungsfern (IG BISS).

Jansen trommelt weiter dafür, auch jetzt noch ein Gutachten in Auftrag zu geben und die siedlungsferne Trasse etwa entlang der A 3 oder linksrheinisch entlang der A 57 zu prüfen. Viele würden ohnehin damit rechnen, dass sich das ganze Prozedere noch zehn Jahre hinzieht. Dauerhaft sei die Deutsche Bahn ohnehin kaum in der Lage, die erwarteten zehn Prozent mehr Güterverkehr auf die Gleise umzuschlagen. „Dann müsste sie die Streckennetze um 40 Prozent ausbauen“, rechnet Jansen vor.

Sein BISS-Mitstreiter Jan-Simon Laarakker nimmt’s mit Galgenhumor: „Bald haben wir Lärmtourismus in Emmerich!“

Johannes ten Brink (CDU-Fraktion) fordert den Bund auf, jetzt Geld zur Verfügung zu stellen. Der Verkehrsexperte hofft auf eine Beschleunigung bei der Beseitigung der Bahnübergänge. Wie? „Wir sollten versuchen, die Bahnübergänge einzeln planfestzustellen. Die Fälle, bei denen Konsens herrscht, auch mit der Bevölkerung, könnten so früher angegangen werden.“ Ein pragmatischer Vorschlag, der zwar mit Aufwand verbunden ist, sicher aber schneller Resultate liefern könnte als darauf zu warten, bis tatsächlich die „großen“ Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sind. Emmerich kann nicht noch Jahre warten.

Peter Hinze, SPD-Fraktionsvorsitzender, sieht „nicht viele Möglichkeiten, etwas zu ändern. Die Bahn macht ihr Ding“. Hinze rechnet damit, dass es zwei, drei Jahre dauert, bis die erste Baustelle zur Beseitigung eines Bahnübergangs überhaupt eröffnet wird. Bis alles fertig sei könnten zehn bis 15 Jahre ins Land gehen.

Gerd Bartels (BGE-Fraktionschef) vermutet, dass die Rezession in Europa dazu geführt hat, dass erst jetzt mehr Züge rollen. Sonst wären schon früher mehr Güterzüge gerollt. „Wir müssen noch stärker an der Ernsthaftigkeit und Ehrbarkeit der Deutschen Bahn zweifeln. Wir kriegen fertige Projekte vor die Nase gesetzt und haben keinen Einfluss“, sagt Bartels, der jegliches Fairplay vermisst.

Auch NRZ-Leser Johannes Knist hat den Artikel über das Eingeständnis der Deutschen Bahn, Ursache für die längeren Schließzeiten seien die dichtere Zugfolge, aufmerksam gelesen und hätte das mit der Blockverdichtung zu gerne schriftlich von der DB, weil ja überhaupt noch kein Planfeststellungsverfahren durchgeführt worden sei: „Da geht mir die Hutschnur hoch, die Bahn kann doch nicht machen, was sie will.“ Knist wohnt in Hüthum, direkt an der Bahntrasse: „Natürlich merke ich das auch, dass mehr Züge fahren.“ Mal seien es weniger, an manchen Tage stocke der Schienenverkehr.