Die Gedanken wandern Richtung Süden

Foto: Jens WachterStorm

Rees.  Eine junge Frau geht zu Fuß von ihrem Elternhaus im Schwarzwald bis in das Schweizer Tessin. Theresa Dold ist 27 Jahre alt, ihr Rucksack wiegt stolze 17 Kilogramm, der Weg 500 Kilometer lang, tausende Höhenmeter warten auf sie. Mit dabei: Ein Zelt, eine Guitalele und eine tiefe Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach dem Süden, nach Freiheit und Abenteuerlust.

Das war im Sommer 2010. Theresa Dold ist nun 31 Jahre alt, lebt seit 2005 in Hamburg, hat dort Musik studiert und sich selbstständig ge-macht. Doch dann hielt sie es nicht mehr aus. Schon 2009 begab sie sich auf einen Fußmarsch von Hamburg bis in ihre Heimat. Ein Jahr später folgte dann die Weiterführung dieses Projekts. Der Europäische Fernwanderweg E1 mit dem Endziel Montagnola. Jenem Bergdorf in der Schweiz, in dem der Dichter Hermann Hesse lange Zeit lebte und deren Werke Dold geprägt haben. Von dieser Reise berichtete sie nun zum zweiten Mal auf der Bühne von Gerfried Schell in Resserward, „einem richtigen Kleinod am Niederrhein“, wie die Künstlerin selbst es nannte.

In ihrem Reisebericht beschreibt sie in kleinen Geschichten ihren Reiseweg. Wie die Idee in ihr gewachsen ist, langsam Gestalt annahm und letztlich umgesetzt werden wollte. Und doch spart sie in ihrem Bericht auch die negativen Gefühle, Erlebnisse und Selbstzweifel nicht aus. Recht frei offenbart sie dabei, wie nah Reiselust und -frust beieinander liegen. Nach den ersten drei Tagen der Reise, knapp 70 Kilometer entfernt, hatte sie ihren ersten richtigen Tiefpunkt. „Einen körperlichen und mentalen Durchhänger mit Fieber, Übelkeit und Schüttelfrost“, erzählt sie. Und eben mit einer wirklich negativen Begegnung, die „mein Urvertrauen in die Menschen erschüttert hat“, als ein Gastwirt sie im strömenden Regen und völlig fertig nicht aufnehmen wollte, war sie kurz davor, aufzugeben. Von ihren Zweifeln er-zählt sie im Lied „Bist du bereit“. „Es war eine Bewährungszeit.“

Belohnt wurde ihr Durchhalten letztlich mit vielen unvergessenen Begegnungen. Einer Übernachtung in einem Festzelt, unter freiem Him-mel, oder bei einer wildfremden Familie, bei denen sie aufgrund eines hergezogenen Unwetters angeklingelt hatte, und sich prompt als Ersatztochter wiederfand, da die Tochter der Familie gerade per Rucksack in Brasilien unterwegs war.

All diese Erfahrungen hat sie in ihren Liedern verarbeitet. Es sind Lieder, die mit ihrer wunderbar klaren und kräftigen Stimme nachhallen, in denen die Gedanken Richtung Süden wandern und man selbst ein wenig Fernweh bekommt. Immer mit dabei ist Hermann Hesse, dessen Gedichte von Heimat handeln, die sie auch auf der Reise dabei hatte und vertonte.

 
 

EURE FAVORITEN