Der Mann, vor dem sie bangen

Foto: WAZ FotoPool
Wir begleiteten den Lebensmittelkontrolleur Jens Pape zum Roccos, wo er das Eis-Angebot unter die Lupe nahm.

Emmerich..  Es ist noch dunkel im Roccos an der Rheinpromenade, als der Gesundheitskontrolleur um 11 Uhr morgens die Pizzeria betritt. Einzig die Eistheke ist elektrisch erleuchtet und lenkt den Blick des Betrachters auf kunstvoll aufgetürmte Berge aus buntem Speiseeis. Trotz gefühlten fünf Grad Außentemperatur macht der Anblick der mit Vanille-, Amarena- und Snickers-Eis gefüllten Töpfe Lust auf mehr. Aber eine Verköstigung, das wird schnell klar, steht heute leider nicht auf dem Plan.

Jens Pape streift seinen weißen Kittel über und ist nun ganz in seiner Rolle als Vertreter der Lebensmittelüberwachung. Heute will er sich davon überzeugen, dass im Roccos alles in geregelten, heißt hygienischen, Bahnen verläuft.

Daniele Ronga, der Betreiber des Restaurants, wartet bereits auf ihn. Er ist überzeugt, dass in seinem Betrieb alles einwandfrei ist und doch bleibt ein kleines bisschen Nervosität. „Man hat immer ein flaues Gefühl bei so einem Besuch“, gibt er zu. Dabei ist es ein Routinebesuch, den Pape den Italienern mindestens einmal im Jahr unangekündigt abstattet. Der Grund: Sie bieten leicht verderbliche Lebensmittel an, und das will gut kontrolliert sein.

Zunächst geht es mit einem Infrarot-Thermometer in Richtung Eistheke. Manchmal nimmt Pape auch Proben, die an das zuständige Untersuchungsamt geschickt werden. Heute nicht. Prüfend blickt er auf das Thermometer: minus 13 Grad, genau richtig. Wäre das Eis zu warm bestünde die Gefahr, dass sich gesundheitsgefährdende Mikroorganismen vermehren. Die größte Gefahrenquelle liegt an anderer Stelle: die Sahne. Fünf bis sieben Grad darf sie haben und um jeglichen Keimen den Garaus zu machen, wird die Sahnemaschine zur Säuberung in Desinfektionsmittel eingelegt.

Die Kontrolle läuft gut. Pape hat kaum etwas zu beanstanden. Decken und Wände sind ohne Schäden, die Toiletten sauber und mit ausreichend warmen Wasser und Papierhandtüchern versehen. Routiniert und gründlich checkt Pape alle entscheidenden Stellen.

Der große Mann sieht die Dichtung auch von oben

Er scheint der richtige Mann für diese Aufgabe zu sein. Das zeigt sich, als es um die Dichtungen des hohen Tiefkühlschranks geht: „Mein Vorteil ist es, dass ich so groß bin. So kann ich auch von oben reinschauen“, lacht er verschmitzt. Auch sonst dekonstruiert er das Bild des strengen Kontrolleurs, wie man ihn vielleicht erwartet hätte. Es ist vielmehr ein Miteinander, das sich da bei der Begehung des Restaurants offenbart. Fragen werden beantwortet, hier und da Tipps gegeben. „Wir unterstützen die Unternehmen und helfen auch bei Bedarf“, erklärt Pape. Auch Ronga sieht das ähnlich: „Wir arbeiten hier sehr gut Hand in Hand. Schließlich wissen wir auch nicht immer, wie die aktuelle Gesetzeslage gerade ist“. Bei begrifflichen Finessen, ob es nun auf der Speisekarte Schinken, Vorderschinken oder Formfleischvorderschinken heißen muss, springt Pape ein.

Schließlich gibt’s doch eine Winzigkeit zu bemängeln: Beim Stracciatella-Eis fehlt ein Zusatz. Der Hinweis, dass es sich bei den Schokoladenanteilen um eine kakaohaltige Fettglasur handelt und nicht um pure Schokolade. Spätestens jetzt wird klar: Man kann viel falsch machen, in diesem Gewerbe. Am Ende gibt es aber das wohlverdiente „sehr gut“ vom Kontrolleur.

Die ersten Mitarbeiter erscheinen zur Schicht. Klangvolles Italienisch erfüllt den Raum und beim Verlassen der Pizzeria wirkt das Eis nun doppelt so schmackhaft.

 
 

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