„Der Bürger wird überfahren“

Norbert Kohnen
Geteiltes Geschwisterleid: Heide und Bernhard Epping aus Praest schauen sich im Europasaal die Bescherung an. Foto: Konrad Flintrop
Geteiltes Geschwisterleid: Heide und Bernhard Epping aus Praest schauen sich im Europasaal die Bescherung an. Foto: Konrad Flintrop
Foto: WAZ FotoPool
Am Montag, 19. März, war im Rathaus der erste Tag der Offenlage für Betuwe-Planung in den Emmericher „Südstaaten“. 13 Bürger informierten sich.

Emmerich. „Der Bürger wird überfahren!“ Das steht für Heide Epping fest. Mit ihrem Bruder und Grundstücksnachbarn Bernhard nutzte sie die Chance, um sich im Rathaus die Bahn-Planung hinter ihren Gärten auf der Reeser Straße in Praest anzuschauen. Für sie keine riesengroße Überraschung mehr. Sie wissen seit längerem, wie bei ihnen der Hase laufen soll, wenn es nach der DB AG geht. „Die Bahn wollte uns vor zwei Jahren einen Gutachter schicken. Wir warten heute noch drauf“, erzählt Heide Epping. Sie ist sauer. Wie so viele entlang der Ausbaustrecke. „Ich verkaufe nichts“, sagt die Praesterin, „oder zu dem Preis, den ich vor zehn Jahren bekommen hätte“. Der von ihr beauftragte Gutachter musste ihr mitteilen, dass das emissionsgeplagte Haus, das sie mit ihrer Mutter bewohnt, heute 25 Prozent weniger wert ist als damals. „Meines ist 50 000 Euro weniger wert, weil es ein Gewerbegrundstück ist“, klagt ihr Bruder Bernhard. Beide hatten gedacht, dass die Bahn „das anders geplant hätte“.

DB änderte kein Jota

Doch die seit gestern ausliegenden Planfeststellungs-Unterlagen sind identisch mit dem, was die DB den Eppings vor zwei Jahren eröffnete. Nun fühlen sie sich veräppelt – und irgendwie auch ohnmächtig. Und mit dieser Gefühlsskala stehen sie nicht alleine da.

Die Deutsche Bahn möchte Heide Epping liebend gerne 50 Quadratmeter für das 3. Gleis und die Schallschutzwand (4 m hoch, Aluminium-Elemente, mit 5 m tiefer Gründung) abkaufen. Für die benötigte Baustraße soll sie vorübergehend 91 Quadratmeter an die DB verpachten, aber Geld – 2 Euro/qm – nur für jenen Zeitraum erhalten, wenn dort wirklich gefahren wird. Gar nicht einsehen kann sie, warum ausgerechnet hinter ihrem Garten eine Ausweichbucht angelegt werden soll und nicht ein paar Meter weiter: „Die Autos fahren dann ganz nahe an meinem Nussbaum vorbei. Den kann ich dann doch vergessen.“ Natürlich wollen die Eppings ihre Rechte voll ausschöpfen und ihre Einwände formulieren.

13 Bürger kamen am ersten Tag der Offenlage ins Rathaus. Manchmal taten einem Helmut Heinst und Yvonne Surink von der Stadtverwaltung ein wenig leid, wurden sie doch auch mit Fragen konfrontiert, die nur die DB selbst beantworten kann. Aber im Europasaal liegt auch ein Flyer mit den Kontaktdaten des DB-Ansprechpartners aus.

Zeiten der Offenlage auf einen Blick

Zu folgenden Zeiten können die Unterlagen zum Planfeststellungsverfahren Praest im Rathaus, Europasaal, eingesehen werden: montags bis freitags 8.30 bis 12.15 Uhr, montags bis mittwochs 14 bis 15.30 Uhr sowie donnerstags 14 bis 20 Uhr. Die Offenlage endet am 18. April 2012.