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Das ist die Geschichte hinter dem Video von The Slow Show

Maik Timm arbeitet bei Haldern Pop, ist aber auch eine Hälfte des Künstlerduos SpringerParker.
Foto: Thorsten Lindekamp
  • Maik Timm von SpringerParker arbeitet auch für Haldern Pop, die The Slow Show unter Vertrag haben
  • SpringerParker hat Fotoalben, in denen die Frau sehr häufig zu sehen ist, vor Jahren erworben
  • Das Künstlerduo befasst sich viel mit Zeit, Vergänglichkeit und Erinnerung – das passt zum Lied „Ordinary Lives“
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Haldern..  Keiner weiß, wer die Frau auf den Bildern ist. Sie steht immer da, wie hingestellt. Im Hintergrund wechselnde Urlaubsmotive. Berge, ein Hotel, am Bahnhof im tirolischen Seefeld. Ungewollt dokumentiert der Fotograf, wohl ihr Ehemann, das Altern seiner Frau und den Wandel der Zeit, was sich durch den Modestil, die Frisuren oder die Autos erkennen lässt.

Die Fotoalben haben SpringerParker vor langer Zeit erworben

Die Fotoalben aus den 60er- bis 80er-Jahren hat Maik Timm vor vielen Jahren

ersteigert. „Ein Glücksfund. Es stammt vermutlich aus einer Haushaltsauflösung. Es gab wohl keine Nachkommen“, sagt der Künstler des Duos SpringerParker. Er und sein Partner Oliver Schulte haben sich im Laufe der Jahre ein Archiv aufgebaut. Speziell diese Fotoalbem kommt nun zu Ruhm...

SpringerParker haben das Video zu „Ordinary Lives“, der ersten Single des Albums „Dream Darling“ von The Slow Show, produziert, das bei Haldern Pop Recordings erscheint. Passend zum Lied ist ein Video entstanden, dass die Erinnerungen an eine vergessene Person zurückholt.

250 Fotos wurden eingescannt und mit der Parallax Animation zu Leben erweckt

„Viele unserer Arbeiten drehen sich um Vergänglichkeit, Erinnerung und Zeit. Das passt also. Als es darum ging, welches Video wir machen, kamen mir diese Bilder in den Sinn“, sagt Timm über die Fotoalbem, das bereits einmal für ein Memory-Spiel verwendet worden ist. Haldern Pop-Chef Stefan Reichmann fand die Idee passend. Auch die Band aus Manchester ließ SpringerParker machen. So steht die unbekannte Frau im Video nun symbolisch für Menschen, die vergessen werden.

Den Fotos wurde mit der sogenannten Parallax Animation Leben eingehaucht. Für ein Musikvideo war eine gewisse Dynamik erforderlich. Timm hat die 250 Bilder eingescannt

und dann Elemente ausgeschnitten. Im Video bewegen sich die Elemente leicht durchs Bild. Somit musste Timm natürlich auch die Szenerie hinter den ausgeschnittenen Elementen irgendwie darstellen, die das Originalbild ja eigentlich nicht zeigt. Fummelarbeit. Nächte hat Timm sich um die Ohren geschlagen damit: „Das war alles Handarbeit.“

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Die Frau im Video altert, wie das auch in den Fotoalben der Fall ist

„Thematisch ist das Video schwere Kost, weil es sich beim Gucken nicht sofort erschließt“, räumt Timm ein, der auch im Haldern Pop-Team arbeitet. Zwei Bandmitglieder von The Slow Show brauchten erstmal eine Erklärung. Nicht ohne Grund haben SpringerParker zum Video etwa auf Youtube einen erklärenden Text gestellt, wohl wissend, dass längst nicht jeder Konsument den Text lesen wird.

Aber auch das Video wird mit einer Widmung für vergessene Menschen eingeleitet. Am Bahnhof in Seefeld rasen die Zeiger übers Ziffernfeld, während ansonsten die Zeit stillsteht. Die animierten Motive erscheinen im Video in der Chronologie des Fotoalbums. Wer genau hinsieht, bemerkt, wie die Frau altert, ihr Stil sich typisch für die Zeit verändert.

>>WIE ES ZUM DINNER MIT DER NORWEGISCHEN KÖNIGIN SONJA KAM

Maik Timm ist „Springer“ , was sich auf den Mädchennamen seiner Mutter bezieht; Oliver Schulte ist „Parker“, hier stammt der Name von der Großmutter. Das Duo hat sich in Cuxhaven kennengelernt. Seit 1990 arbeiten sie künstlerisch zusammen. Beide studierten später an der Kunsthochschule Kassel. Sie sind ursprünglich Fotografen und haben Visuelle Kommunikation sowie Freie Kunst studiert. Zeitweise haben sie in Berlin gelebt, heute lebt Maik Timm in Haldern, Oliver Schulte hat gerade eine Professur an der Sichuan Universität in Chengdu (China) angetreten.

Zu Beginn ihres künstlerischen Schaffens haben sich SpringerParker auf Fotoarbeiten konzentriert. Im Laufe des Studiums gewann das Video an Bedeutung. Audiovisuelle Performances (Ton und Bild live dargeboten) gehören zu ihren Steckenpferden.

Zu ihren bekanntesten Werken gehört die „Memoria Norway“-Performance. Ihre künstlerische Erforschung der Finnmark mündete in einer lautmalerischen Übersetzung, nämlich in einer Oper zum Klimawandel, begleitet von Fotos, Live-Performances und mehr. Dieses Engagement bescherte ihnen ein Dinner mit der norwegischen König Sonja.

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Fr, 10.08.2018, 10.49 Uhr