Comeback der Brücke Griethausen

Norbert Kohnen
Foto: Heiko Kempken

Emmerich/Kleve. Sie war mausetot. Die Bahnverbindung Kleve-Emmerich. Nun bringt eine Studie des Umweltbundesamtes sie wieder ins Spiel - als angeblich kostengünstigere Alternative zur bisherigen Betuwe-Planung.

Die Studie hat es in sich. Schlägt sie doch nicht mehr und nicht weniger vor, als von den Ausbauplänen der Bahnstrecke Emmerich-Oberhausen Abstand zu nehmen und stattdessen alternative Trassen zu prüfen.

Zum Beispiel über den Griethausener Altrhein. Dafür sei es zu diesem frühen Planungsstadium noch nicht zu spät, heißt es in dem 175 Seiten dicken Exposé des Umweltbundesamtes, das dem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Norbert Röttgen (CDU), unterstellt ist.

Aus vielerlei Gründen bewertet die Behörde in ihrer aktuellen Studie „Schienennetz 2025-2030“ das Wo und Wie des geplanten Schienenstreckenausbaus Emmerich-Oberhausen äußerst kritisch. Die bisherige Konzeption könne „nicht überzeugen, weil die in Höhe von 1,1 bis 1,4 Mrd. Euro für 60 km drittes Gleis plus umfassenden Lärmschutz deutlich zu hoch sind“, heißt es da.

Und außerdem: „Betrieblich entstünde überdies eine ineffiziente Mischbetriebsstrecke, auf der der 200 km/h schnelle ICE (nach Amsterdam) mit RE (160 km/h) und den langsameren Güter- und Nahverkehrszügen um die Trassen konkurrieren.“ Wegen der angespannten Haushaltslage könnte in den nächsten 10 bis 15 Jahren nur ein Projekt, also RRX oder Betuwe, realisiert werden.

Deshalb sollte, „trotz aller politischer Vorfestlegungen, über Alternativen zu Emmerich-Oberhausen noch einmal zügig, intensiv und ergebnisoffen nachgedacht werden“. Das mache auch deshalb Sinn, „weil die Streckenführung der deutschen Betuwe vielfach durch dicht besiedeltes Gebiet mit 55 Bahnübergängen verläuft“.

Bypass Elten-Kleve
„ernsthaft prüfen“

Als eine Alternative, die „ernsthaft zu prüfen“ sei, bringt das Umweltbundesamt einen linksrheinischen Bypass ins Spiel. Danach könnte die Trasse von Elten aus abzweigen und über die reaktivierte alte Eisenbahnbrücke bei Griethausen in Richtung Goch und Krefeld verlaufen. Diese Strecke sei mit ca. 70 Kilometern gleich lang wie Emmerich-Oberhausen, führe aber durch dünner besiedelte Gebiete und meide den kritischen Abschnitt Oberhausen-Duisburg, ohne die niederländischen Betuwe-Investitionen bis Zevenaar in Frage zu stellen.

Brücke ist kostenmäßiger Unsicherheitsfaktor

Weiter heißt es: „Baulich müssten das zweite Gleis zwischen Geldern und Kleve auf 35 km gelegt sowie die gesamte Strecke Elten-Kleve elektrifiziert werden. Ein Unsicherheitsfaktor sind die Kosten des Brückenbaus, die im Detail zu analysieren sind.“ Stimmt, denn dann müsste ja wohl auch eine Rheinbrücke her.

Politisch sei die Routendiskussion kompliziert, weil die Anrainer der deutschen Betuwe mit einem Ausbau „die Hoffnung auf besseren Lärmschutz verknüpfen, d.h. ihn nicht grundsätzlich ablehnen“

Zu Beginn des Abschnittes, der sich mit der Betuwe befasst, wird die Intention der deutsch-niederländischen Verkehrsvereinbarung von 1992 betont: „Unstrittig ist die Notwendigkeit, die in Emmerich ,aufschlagenden’ Güterzüge der niederländischen Betuwe-Linie auf dem deutschen Netz adäquat weiterzubefördern. Nur so ist der Hafen Rotterdam schienenseitig leistungsfähig an sein Hinterland angebunden.“