Chatten mit Gott

Schlüsselfunktionen am Altar: Die acht neuen Messdienerinnen von St. Christophorus Emmerich.
Schlüsselfunktionen am Altar: Die acht neuen Messdienerinnen von St. Christophorus Emmerich.
Foto: FUNKE Foto Services
Warum werden Kinder heute noch Messdiener? Die Pfarren St. Christophorus in Emmerich undSt. Johannes in den „Südstaaten“ freuen sich über ihren Nachwuchs für den Dienst am Altar.

Emmerich.  Nur ein bisschen nervös sind sie vor ihrem ersten Einsatz. Sie haben halt Gottvertrauen, die acht neuen Messdienerinnen von St. Christophorus. Richtig gelesen: Der aktuelle Jahrgang besteht nur aus Mädchen. Früher war das mal anders.

Von wegen voll peinlich. „Das ist echt cool“, sagt Viktoria Miedzielski. Lampenfieber kennt die aufgeweckte Zehnjährige nicht: „Ich bin auch schon im Zirkus aufgetreten.“ Akrobatische Kabinettstückchen muss sie in der Kirche nicht aufführen. Solo-Nummern sind nicht gefragt im Hause Gottes. Alles ist der höheren Sache untergeordnet. Der liturgische Dienst am Altar ist Teamwork. Mit anderen Ministranten und den Zelebranten, den Priestern also.

Verschiedene Laufwege

Messdiener in der St. Christophorus-Pfarre zu sein wird dadurch verkompliziert, dass sie in vier verschiedenen Kirchen eingesetzt werden, in Aldegundis, Martini, Heilig-Geist und Liebfrauen. Überall sind die Laufwege etwas anders. Schritte und Handgriffe müssen genau einstudiert sein, damit sie in der Messe „sitzen“. Am liebsten natürlich vor vollem Haus, was selten geworden ist. Genau wie die Spezies Messdiener. Was an den vielen anderen Aktivitäten liegt, aber auch einem veränderten Stundenplan geschuldet ist mit Nachmittagsunterricht. Und G 8.

Das alles hat acht Mädchen nicht davon abhalten können, unter Anleitung von Pater Zakarias Sago und unterstützt von Eszter Andor und Stephanie Ess, Messdienerinnen zu werden. Sie haben in den letzten Wochen den Ablauf einer Heiligen Messe geübt. Wie hält man das Messbuch? Wie bringt man Kelch und Hostienschale zum Altar? Wie schellt man zur Wandlung, und wie kriegt man die Kohlen im Weihrauchfass zum Glühen und wie schwenkt man das an Ketten baumelnde und fauchende Rauchfass? Gerade vor dieser Prozedur haben Messdiener eine gehörige Portion Respekt, ja sogar etwas Bammel, wie Stephanie Ess zu berichten weiß.

Bei festlichen Gottesdiensten, wie am vierten Adventssonntag, als der Nachwuchs seine Feuertaufe in St. Aldegundis bestand, oder an den Weihnachtsfeiertagen fällt der Dienst noch etwas feierlicher aus, weil die Messdiener beispielsweise mit Kerzen in langer Prozession einziehen und überhaupt die Kirchen mit leuchtenden Tannenbäumen und prachtvollen Krippen geschmückt sind und eine besondere Atmosphäre herrscht. Auf die sich auch die acht neuen Messdienerinnen von St. Christophorus und die zehn Neuen von St. Johannes in den „Südstaaten“ schon freuen.

Viele Aktivitäten

Fragt man die Mädchen, warum sie für einige Stunden in der Woche am Altar stehen, wo sie ihre Freizeit doch auch mit Simsen und Twittern verbringen könnten statt mit Gott zu chatten, dann klingt noch stark das Erlebnis der Erstkommunion nach, die Voraussetzung für den Altardienst ist und häufig auch den Anstoß gibt, Messdiener zu werden. „Ich glaube an Gott, mir macht das Spaß“, sagt Veronika Pandzioch (10). Gemeinschaft und Zusammenhalt werden das ganze Jahr über gepflegt. Kartoffelfeuer, Adventsfeier, Nikolausaktionen, Schlittschuhlaufen oder Schwimmen gehen.

Bei soviel Feuer, das sie alle gefangen haben, ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass die Begeisterung noch lange anhält. So wie bei Stephanie Ess. Die 31-Jährige ist für viele ein Vorbild und schlüpft immer noch gerne ins lange, weiße Gewand. Einmal Messdiener, immer Messdiener. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit.

Folgende Messdienerinnen verstärken jetzt das Team in St. Christophorus: Ineke van der Gablentz, Anika Heimanns, Nele Flintrop, Josi van de Locht, Viktoria Miedzielski, Veronika Pandzioch, Jasmin Schenk und Rachel Vermeulen.

Nachwuchs bekamen auch die „Südstaaten“ mit Lara Marie Bouwman, Lilien Blümlein, Hermine Glowatzki, Florian Hoferichter, Ilva Holtkamp, Jason May, Isabel Nakath, Marie Schau, Hanna Schroeder und Ann-Kathrin Zwiekhorst

 
 

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